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Service 5/2009

Keine Last mit der Parkplatzsuche

Eine Firma in Braunschweig setzt Lastenfahrräder ein und beschreitet damit neue Wege.

Foto: Sebastian HoffMaterial, Werkzeug und Leiter bringt Monteur Jan Groß mit dem Rad zur Baustelle.

"Zukunft in Bewegung" lautet der Leitspruch der Bellis GmbH in Braunschweig. Im Auftrag der Stadtverwaltung sorgt die Firma dafür, dass der Straßenverkehr in der Stadt möglichst störungsfrei läuft: Die Bellis-Mitarbeiter sind zuständig für Parkuhren  und Parkscheinautomaten, Ampeln, Verkehrszeichen, Markierungen und wegweisende Beschilderungen im ganzen Stadtgebiet. Zum Anspruch eines umweltorientierten Verkehrsmanagements passt ihr neuestes Projekt perfekt: In den kommenden Wochen werden überall in Braunschweig Wegweiser für den Radverkehr installiert. Dafür hat die Firma – passend zu ihrem Motto – eine tatsächlich zukunftsweisende Bewegungsform gewählt: Sie hat zwei Lastenfahrräder angeschafft.

Auf die Grundmodelle der dänischen Firma Christiania wurden vorn speziell angefertigte Kästen montiert, in denen Werkzeuge, Schilder, Reinigungsmittel und persönliche Dinge der Mitarbeiter übersichtlich Platz finden. Auf dem Gepäckträger thront eine Trittleiter. Jedes Rad kostete insgesamt rund 2500 Euro. Eine Investition, die sich schnell rechnet, schließlich spart die Firma höhere Anschaffungskosten für ein Auto sowie laufende Ausgaben für Sprit, Steuer und Versicherung. Eingesetzt werden die Lastenfahrräder vor allem in der Stadt. Damit entfällt die lästige Parkplatzsuche, die Mitarbeiter können direkt bis zu ihrem Einsatzort fahren und brauchen keine Materialien zu schleppen.

Gesund und fit

Projektleiter Christian Forsblad von der Bellis GmbH sieht aber noch einen weiteren Vorteil: „Wir leisten mit dem Einsatz der Fahrräder auch einen Beitrag zur Förderung von Gesundheit und Fitness unserer Mitarbeiter.“ Monteur Jan Groß legt mit dem Lastenfahrrad täglich bis zu 30 Kilometer zurück und schätzt die Bewegung an der frischen Luft. Er nimmt auch schlechtes Wetter gelassen hin. „Wenn es mal regnet, ziehe ich mir halt eine Regenjacke über.“ Für seine Pause wählt Jan Groß eine schöne Parkbank und sitzt nicht wie viele Handwerker im Auto.

Mit dem gewerblichen Einsatz von Lastenfahrrädern beschreitet die Bellis GmbH in Deutschland neue Wege. „Wir kennen keine Firma, die solche Räder vergleichbar einsetzt“, sagt Projektleiter Forsblad. In dänischen und niederländischen Metropolen gehört es längst zur Normalität, Lasten auf Zweirädern zu bewegen. Ob als rollendes Café, als Transportrad oder mobiler Promotionstand – die spezialisierten Hersteller haben für fast jede Geschäftsidee das passende Modell im Angebot. Hierzulande sind vor allem die sogenannten Bäckerfahrräder im Einsatz, die beispielsweise von Postboten oder Schornsteinfegern genutzt werden. In Berlin fährt ein Dentallabor mit einem Lastenfahrrad Waren aus, auf dem Gelände der evangelischen Stiftung NeuErkerode bei Wolfenbüttel nutzt die dortige Bauabteilung gleich 16 Lastenräder. Das sind aber Ausnahmen.

„Lastenfahrräder fürs Gewerbe sind noch ein Nischenprodukt“, sagt Daja S. Schütze vom Fahrradladen Mehringhof in Berlin. Der Radladen ist Generalvertreter für die Firma Christiania in Deutschland und verkauft jährlich bis zu 120 dieser Räder bundesweit. Diese werden aber ganz überwiegend für Kinder- oder Hundetransporte genutzt. Bei Gewerbetreibenden sind Lastenfahrräder vor allem als mobile Verkaufsstände gefragt. Dabei bieten sie sich auch für klassische Handwerksbetriebe an, meint Schütze: „Das ist alles eine Bewusstseinsfrage. Viele wissen nicht, dass man mit Lastenrädern auch bequem schwere Sachen transportieren und längere Strecken zurücklegen kann.“

Sebastian Hoff

Modelle und weitere Infos

Christiania Bike ist das Lastenrad aus Dänemark mit speziell angefertigtem Kasten vorn.

Die Lastenräder von Kemper Fahrradtechnik bieten einen zusätzliche Ladefläche in Form eines Gepäckträgers, der vorn mit dem Fahrradrahmen verbunden ist. 

Das PackBERNDS der Firma Bernds ist ein Falt-Lastenrad, bei dem wahlweise eine Holzkiste oder ein Flechtkorb zwischen Lenker und Vorderrad montiert ist – produziert in Deutschland. 

Die Speedbike Räder des Unternehmens Speedliner Mobility können vorn und hinten mit stabilen Gepäckträgersystemen ausgestattet werden.

Die Firma Used bietet diverse Transportfahrräder und -roller an. Außerdem verkauft sie Lasten-Gepäckträger zum Nachrüsten.

Das Unternehmen Yuba hat mit dem Modell Mundo ein Lastenfahrrad entwickelt, das ursprünglich als preiswertes Transportmittel vor allem in Entwicklungsländern gedacht war. Mittlerweile gibt es das Rad in drei neuen Varianten und auch mit Elektrooption.

fairkehr 6/2016

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