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Politik 1/2009

Wohin geht die Reise?

Das gedruckte Kursbuch der Deutschen Bahn AG hat ausgedient, Fahrplantabellen gibt es künftig nur noch in elektronischer Form im Internet.

Foto: DB AG

Für viele Eisenbahnfreunde war und ist ein Leben ohne gedrucktes Kursbuch kaum vorstellbar. Kein Wunder, konnte man doch in übersichtlichen Tabellen die Laufwege Zügen bis ins Detail verfolgen und war stets informiert, wann ein Zug wo vorbeifahren würde – sofern er denn pünktlich war.

Still und heimlich wurde nun zum letzten Fahrplanwechsel im Dezember eine jahrzehntelange Tradition von der Deutschen Bahn AG beerdigt. Schon seit geraumer Zeit argumentiert die auf Börsenkurs getrimmte DB als Herausgeber des bundesweiten Kursbuches, dass allein eine Produktion für Bahnfreaks nicht mehr wirtschaftlich sei. Die Nachfrage sei stetig zurückgegangen.

Das wundert kaum. War das Gesamtkursbuch mit knapp 2800 hauchdünnen Seiten vor zehn Jahren noch sechs Zentimeter dick und etwa zwei Kilo schwer, bestand die letzte Druckversion aus zahlreichen Einzelbüchern, getrennt in Fern- und Regionalverkehr, die es mit 18 Zentimetern Dicke auf gut sechs Kilo Gewicht brachte.

„Im Rahmen der Elektronisierung des Kursbuches wurde die Seitenzahl zwar immer weiter aufgebläht, nicht unbedingt aber auch der Inhalt verbessert“, kritisiert Matthias Lieb, VCD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Um den treuen Kursbuch-Fans den Abschied zu versüßen, hatte sich die DB etwas ganz Besonderes ausgedacht und die letzte Ausgabe als spezielle Sammleredition im Kunstledereinband, Silberschnitt und Lesebändchen zum stolzen Preis von 99 Euro aufgelegt.

Keine Fahrplanchecks möglich

Matthias Lieb sieht in der DB-Argumentation jedoch nur eine Seite der Medaille. „Die DB hat jahrelang nichts getan, um das gedruckte Kursbuch attraktiver und damit auch wirtschaftlicher zu machen.“ In die gleiche Kerbe schlägt auch Wilfried Neumann vom VCD in Konstanz. „Es wurde in den letzten Jahren immer schwieriger, überhaupt an ein gedrucktes Kursbuch ranzukommen.“ Für einen Freund wollte Neumann im August 2008 eine Gesamtausgabe des Kursbuches besorgen. Nach vielen Telefonaten bei unzähligen Fahrkartenausgaben in großen Städten wurde er schließlich beim Bahnhof in Karlsruhe fündig, sollte das Kursbuch dort aber selbst abholen.

Für viele VCD-Mitglieder war das Kursbuch ein wichtiges Hilfsmittel in ihrer verkehrspolitischen Arbeit. Sebastian Kühlewein vom VCD-Landesvorstand in Baden-Württemberg weist daher auf einen weiteren kritischen Punkt hin: „Fahrplanchecks, die Veränderungen im Fahrplangefüge über mehrere Jahre belegen, sind künftig nur noch schwer möglich. Kaum jemand wird die pdf-Dateien sammeln.“

Kursbuch-Kenner und VCD-Vorsitzender Michael Gehrmann  hat dennoch Verständnis für die Entscheidung der DB. „Das Kursbuch ohne Volkshochschulkurs zu lesen war eine Kunst, die ohnehin nur wenige beherrschten.“ Inzwischen gebe es ständig so viele Änderungen, dass der gedruckte Fahrplan bei Erscheinen oft nicht mehr aktuell sei.

Michael Schwager

 

Wann fährt der Zug?

Das Kursbuch gibt es auch weiterhin, es wird nur nicht mehr gedruckt. Unter http://kursbuch.bahn.de lassen sich einzelne Streckentabellen als pdf-Datei herunterladen und ausdrucken.

Im Vergleich zum gedruckten Kursbuch-Fahrplan bietet das Internet viele Möglichkeiten, Auskünfte zum Bahnfahren zu erhalten. Vorteil: Die Infos sind in der Regel aktuell und berücksichtigen auch Baustellen, kurzfristige Fahrplanänderungen oder Zusatzzüge.

www.bahn.de ist dabei die erste Wahl. Auf der kürzlich neu gestalteten und verbesserten Internet-seite der Deutschen Bahn AG kann man nicht nur europaweite Zugverbindungen abfragen. Das Sys­tem kennt auch deutschlandweit so gut wie alle Bus- oder Straßenbahnverbindungen, so dass man Fahrtmöglichkeiten von Haltestelle zu Haltestelle bekommt. Neuerdings wird auch angezeigt, ob der demnächst fahrende Zug pünktlich ist oder nicht.

Einen ähnlichen Service bieten diverse Portale der einzelnen Bundesländer. Meist sind sie über die Internetseiten der regionalen Verkehrsverbünde erreichbar. Praktisch: Unter www.efa.de in Baden-Württemberg oder www.vbb-online.de in Brandenburg kann man sich auch Abfahrtspläne für die Bushaltestelle vor der Haustür erstellen lassen.

Wer viel auf der gleichen Linie unterwegs ist, kann sich unter http://persoenlicherfahrplan.bahn.de den Fahrplan für eine bestimmte Bus- oder Bahnstrecke als pdf-Datei erstellen lassen oder als Datei für Organizer und Handy. Mit dem entsprechenden kostenlosen Programm hat man die Daten dann immer parat, ohne deshalb online sein zu müssen.

Auch die dunkelblauen Ticketautomaten für den Fernverkehr in den Bahnhöfen kann man für die Fahrplanauskunft nutzen. Sie drucken die Infos auch kostenlos aus.

Telefonische Auskunft gibt es jetzt bundesweit ­einheitlich: 01805 996633 (14 ct/Min. aus dem Festnetz).

fairkehr 2/2019