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Service 5/2022

Driving Home for Christmas

Verkehrspolitische Diskussion an Weinachten

Weihnachten wollen wir fröhlich sein, singen und gemeinsam essen – aber keine verkehrspolitischen Diskussionen führen. Sollte es trotzdem dazu kommen, liefern wir gute Argumente.

Eine Familie mit erwachsenen Kindern feiert Weihnachten. Auf dem Tisch steht Gänsebraten, im Hintergrund ein Weihnachtsbaum.
Grafik: istock/BonneChance

„Überall stehen und liegen die E-Leihroller rum. Gestern erst bin ich im Dunkeln wieder über einen gestolpert.“
Das stimmt, in vielen Städten werden die Leihroller oft unsachgemäß und verboten abgestellt. Aber die Kommunen haben das Problem erkannt und arbeiten daran. Vorbild ist unter anderem Paris, wo es ausgewiesene Abstellflächen für E-Tretroller und Bußgelder fürs Parken auf Gehwegen gibt. Und hast du mal überlegt, wie viele Autos in einer Stadt einfach so im Weg rumstehen?

„Auf der Autobahn fährst du von einer Baustelle in die nächste, von einer Geschwindigkeitsbegrenzung in die nächste und von einem Stau in den nächsten.“
Da wärst du mit dem Zug wahrscheinlich genauso schnell gewesen. Und dabei entspannter und klimafreundlicher! Und dass noch so viele Autobahnen ausgebaut werden, ist eh Wahnsinn. Wir müssen weniger Auto fahren, wenn wir das Klima retten wollen.

„An den Adventswochenenden war die Innenstadt ja wieder so was von voll. Vor den Parkhäusern waren ewig lange Schlangen.“
Eigentlich ist es ja besser, die Leute fahren zum Einkaufen der Weihnachtsgeschenke in die Stadt, statt alles im Internet zu bestellen. Aber gerade in die großen Innenstädte kommt man doch so gut mit dem ÖPNV. Das Auto ist da wirklich nicht nötig. Und wenn man das Shopping dann noch mit einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt verbindet, kann man sogar einen Glühwein trinken.

„Für mich bitte keinen Wein, ich muss noch Auto fahren.“
Oh ja, Alkohol trinken und Autofahren, das geht gar nicht. Gut, dass du da konsequent bist. Vielleicht kannst du beim nächsten Mal ja eine Fahrgemeinschaft bilden oder mit dem Fahrrad kommen.

„Mit dem Fahrrad kommen? Dafür bin ich viel zu unfit. Und bei den Temperaturen macht es doch auch keinen Spaß!“
Hat denn die Autofahrt hierhin so viel Spaß gemacht? Die ist doch auch nur Mittel zum Zweck. Wie wäre es, wenn du dir fürs neue Jahr vornimmst, ein bisschen fitter zu werden? Wollen wir vielleicht eine kleine Rad-Challenge machen­ und schauen, wer mehr Tage in Folge Rad fährt – egal wie lang?

„Bei uns im Ort haben sie jetzt überall Tempo 30 eingeführt. Das nervt total.“
Da wirst du dich schnell dran gewöhnen. Und Untersuchungen zeigen, dass in Tempo-30-Zonen etwa 40 Prozent weniger Unfälle passieren als auf vergleichbaren Straßen mit Tempo 50. Das ist es doch allemal wert, oder nicht? Und für ein zügiges Vorankommen ist ein möglichst kontinuier­licher Verkehrsfluss sowieso weitaus wichtiger als die zulässige Höchstgeschwindigkeit.

„Die Bahn ist unzuverlässig und überfüllt.“
Das stimmt, vor allem in den Monaten des 9-Euro-Tickets war es wirklich extrem. Aber nicht die Nachfrage ist das Problem, sondern das Angebot. Wenn wir alle regelmäßig viel Bahn fahren, wird die Qualität steigen, weil mehr Geld für den Ausbau da sein wird. Denn obwohl das 9-Euro-Ticket so extrem günstig für uns Kund*innen war, hat die Deutsche Bahn damit einen Rekordumsatz erzielt.

„Ich musste vier Mal um den Block fahren, weil ich wieder keinen Parkplatz gefunden haben. Überall werden Parkplätze gestrichen, das ist wirklich schrecklich.“
Du weißt aber, dass es von der Straßenbahnhaltestelle nur 300 Meter bis zu meiner Haustür sind? Komm doch das nächste Mal mit der Bahn, dann sparst du dir die Parkplatzsuche. Das schont deine Nerven und das Klima.

„Eigentlich wollten wir über Weihnachten in den Urlaub fliegen. Aber die Flüge sind ja so teuer geworden!
Die Flüge waren in der Vergangenheit einfach viel zu günstig! Der Preis, den man bezahlen musste, stand in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen, die das Fliegen hat, und zur Wertigkeit der Leistung. Und es gibt immer noch Flüge für 25 Euro quer durch Europa. Das ist doch absurd, da zahlt man für einen Kinoabend mit Popcorn und Cola mehr.

Katharina Garus 

fairkehr 5/2022