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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

VCD aktiv 3/2022

VCD-Aktivenwettbewerb

Mobilität ohne Diskriminierung

Mit dem Netzwerk „Mobilität für alle“ engagiert sich der VCD Brandenburg für eine ökologische und soziale Mobilitätswende.

Lena Gaidies hält ein Mikrofon an ihren Mund.
Foto: VCD Brandenburg/Frank TrägerLena Gaidies hat das Netzwerk „Mobilität für alle“ beim VCD Brandenburg aufgebaut. Alle Menschen sollen sich frei und sicher in Bussen und Bahnen bewegen können, ist eine ihrer Forderungen.

Es passiere ihr oft, dass Bus- und Straßenbahnfahrer sie übersähen, sich weigerten, die Rampe auszuklappen „oder mir mit ihrer Art das Gefühl geben, ich wäre als Fahrgast unerwünscht, da ich Mehrarbeit verursache“. Diese Erfahrungen macht eine 24-jährige Potsdamerin, wenn sie mit Rollstuhl Bus und Bahn fährt. Sie hat ihre Erfahrungen auf der Website des Netzwerks „Mobilität für alle“ geteilt, das der VCD-Landesverband Brandenburg koordiniert. Gestartet hat das Netzwerk die damals 18-jährige Lena Gaidies Anfang 2021 während ihres Bundesfreiwilligendienstes. Auch sie hatte immer wieder Situationen erlebt, in denen sie sich im ÖPNV unsicher fühlte. „Die Mobilitätswende muss ökologisch und gleichzeitig sozial und diskriminierungsfrei sein“, sagt Lena, die mittlerweile Politikwissenschaften und Soziologie in Leipzig studiert. Alle Menschen sollen umweltfreundlich, sicher und preiswert mobil sein können: Alt und Jung, Mann, Frau und divers, mit und ohne Migrationsgeschichte, Arm und Reich, in der Stadt und auf dem Land. Das Projekt „Mobilität für alle“ bewegt Entscheider*innen in der Politik und bei Mobilitätsunternehmen dazu, das künftig zu garantieren.

In einem ersten Schritt kontaktierte die damalige Projektleiterin Gaidies Verbände und Institutionen, die die Perspektiven der vielfältigen Zielgruppen vertreten. Sechs Organisationen sagten direkt zu, Teil des Netzwerks zu werden – darunter das Frauenzentrum Potsdam, der Migrations- und Integrationsrat sowie das Zentrum gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit des Landes Brandenburg sowie die Stadt Potsdam, vertreten durch die Beauftragte für Menschen mit Behinderung. Inzwischen hat das Netzwerk 14 Mitglieder. „Dass wir so schnell so viele positive Rückmeldungen bekamen, zeigte uns: Unser Projekt kam zur richtigen Zeit“, sagt Gaidies.

Sonderpreis Diversität

Die Netzwerkpartner einigten sich auf Forderungen für eine diskriminierungsfreie und klimaverträgliche Mobilität. Außerdem riefen sie Menschen dazu auf, über die Webseite und in Fragebögen ihre Erfahrungen mit Diskriminierung zu teilen. Auf einem Aktionstag in Potsdam präsentierte das Netzwerk im August 2021 diese Berichte und Forderungen der Öffentlichkeit. Teilnehmende Politiker*innen und Vertreter*innen von Verkehrsunternehmen reagierten durchweg positiv. „Das Netzwerk lädt Entscheider*innen ein, sich mit diesen wichtigen Themen zu beschäftigen“, sagt Gaidies. „Unser Angebot an sie: Wir haben viele verschiedene Perspektiven und sehr viel Wissen gesammelt – diese Ressourcen könnten nützlich sein.“  

Dass das Netzwerk erfolgreich für das Thema sensibilisiert habe, lobte auch die Jury des VCD-Aktivenwettbewerbs.­ „Mobilität für alle“ gewann den Sonderpreis Diversität. Das Netzwerk bringt seine Forderungen erfolgreich bei Politik und Unternehmen ein: Das Bündnis wird unter anderem an einem Antidiskriminierungsgesetz auf Landesebene mitwirken und Schulungen für Fahrpersonal in Bus und Bahn mitgestalten.  

Kirsten Lange

fairkehr 3/2022