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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

VCD aktiv 3/2022

VCD-Aktivenportrait

Der Mann mit den Apps

Wolfgang Sprick vom VCD Hessen will mit digitalen Mitteln Mobilität für alle Menschen besser machen.

Echtzeitdaten helfen Wolfgang Sprick dabei, seine Fahrten mit Bahn und Rad zu planen.

AUs beruflicher Enttäuschung engagiert sich Wolfgang Sprick für den VCD. Mehr als 15 Jahre hatte der selbstständige Berater mit seiner Firma datagon­ für die Deutsche Bahn und verschiedene Verkehrsverbünde gearbeitet, auch in diversen Forschungsprojekten. Während dieser Zeit störte es ihn zunehmend, dass die Verkehrsunternehmen Mobilität nicht ganzheitlich denken. Ganzheitlich bedeutet für Sprick: Es wird den Menschen so einfach wie möglich gemacht, verschiedene Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen – beispielsweise den Fernzug mit Bus und Leihfahrrad. Um das voranzubringen, trat Sprick 2014 in den VCD Hessen ein.

Beim VCD engagiert er sich seitdem im Vorstand des Landesverbandes und ist einer von zwei Sprechern im bundesweiten VCD-Arbeitskreis ÖPNV. „Mobilität für Menschen ist das Motto des VCD“, sagt Sprick. „Das bedeutet für mich: Die Menschen können für alle Wege prinzipiell alle Verkehrsmittel einfach nutzen und immer die Reisekette wählen, die gerade am besten passt.“ Dann würden auch mehr Menschen Bus und Bahn fahren, ist sich der IT-Berater sicher.

Offene Daten für Barrierefreiheit

Apps machen diese sogenannte Intermodalität möglich: Mit ihrem Smartphone können Kund*innen Verbindungen von Tür zu Tür mit Bahn, U-Bahn oder Carsharing-Auto finden. Im besten Fall bietet eine App das Ticket für alle Verkehrsmittel zum Kauf an. Für solche Lösungen setzt sich Wolfgang Sprick ein – im VCD und mit Projekten in seiner Firma. „Andere im VCD sagen manchmal: ,Du mit deinen Apps! Man muss doch Tickets auch vor Ort oder telefonisch kaufen können.‘ Das stimmt. Doch Angebote wie Carsharing funktionieren ohne App einfach nicht“, sagt der 65-jährige Betriebswirt.

Damit Entwickler*innen diese Apps programmieren können, brauchen sie Fahrplandaten von den Verkehrsunternehmen und – noch wichtiger – Informa­tionen darüber, wo die Busse oder Bahnen sich gerade befinden, sogenannte Echtzeitdaten. Nach einer EU-Verordnung und der deutschen Mobilitätsdatenverordnung müssen diese offenen Daten bereitgestellt werden. „Es hapert aber an der praktischen Umsetzung“, kritisiert Sprick. „Das bremst die Entwicklung digitaler Innovationen stark aus.“

Sprick lebt in einem 1 000-Einwohner-Ort im Taunus. Er weiß, was es bedeutet, kein gutes Bus- und Bahn-Angebot zu haben. Deshalb engagiert er sich für sogenannte On-Demand-Verkehre als Teil des ÖPNV: Shuttle-Fahrzeuge, die Fahrgäste auf Bestellung befördern – auch zu Uhrzeiten, an denen kein Bus mehr fährt, oder an Orte, die der Linienbus nicht ansteuert. 

Wie der ÖPNV mehr Kund*innen gewinnt, ist auch immer wieder Thema bei den digitalen Treffen des VCD-Arbeitskreises ÖPNV. Gemeinsam mit Rainer Schneider, dem zweiten Sprecher des AK ÖPNV, hat Sprick das Video-Workshop-Format „Ein Thema – eine Stunde“ eingeführt. Externe Expert*innen halten einen kurzen Vortrag, im Anschluss diskutieren sie mit den Teilnehmer*innen.

Wolfgang Sprick hat das Rentenalter erreicht – doch mindestens zwei Jahre will der IT-Unternehmer mit seiner Firma noch weitermachen. Zurzeit arbeitet er im Forschungsprojekt OPENERnext mit, das den ÖPNV barrierefreier machen will. Er setzt um, dass Auskunftssysteme Mobilitätseinschränkungen von Reisenden besser berücksichtigen. „Die erhobenen Daten“, sagt Sprick, „stehen natürlich als offene Daten für andere Anwendungen zur Verfügung.“ 

Kirsten Lange

fairkehr 3/2022