fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

Familien 3/2022

BNE

Für die Zukunft lernen

Ein Querschnittsthema für alle Altersgruppen: unsere Zukunft. Um zu lernen, wie wir sie nachhaltig und verantwortungsvoll gestalten können, gibt es Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die Umweltgruppe des Memminger Vöhlin-Gymnasiums hat es ausprobiert: Dicht an dicht passen 42 Fahrräder auf 3,5 Autoparkplätze.

Wie viel Platz verbraucht ein Auto? Diese Frage wollten Schüler*innen des Vöhlin-Gymnasiums in Memmingen (Bayern) am Weltfahrradtag Anfang Juni beantworten. Auf dem Schulhof maßen sie Parkplätze aus und markierten diese. Auf einem der provisorischen Parkplätze wurde ein Auto geparkt, auf den anderen stellten die Kinder ihre Fahrräder auf. Ergebnis: 42 Fahrräder passten auf dreieinhalb Parkplätze – eine Fläche, die sonst von drei Autos belegt wird, die im Schnitt nur zwei Personen bewegen. „So geht gute Mobilitätsbildung!“, kommentiert Anika Meenken, VCD-Sprecherin für eben dieses Thema. „Statt Frontalunterrichts können die Kinder hier Zusammenhänge an einer konkreten Situation erleben und sie mit allen Sinnen wahrnehmen. So lernen sie nicht nur etwas über die Mobilität an sich, sondern auch über ihre Auswirkungen zum Beispiel auf Klima und Umwelt.“

Für Aktionen wie die des Vöhlin-Gymnasiums Memmingen gibt es einen Fachbegriff: Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Damit ist eine Bildung gemeint, die Kinder und Jugendliche zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. BNE ist nicht auf ein Thema wie Klimaschutz, Verkehr oder soziales Miteinander beschränkt, sondern beschäftigt sich mit allen Themen, die für unsere Zukunft und unseren Alltag relevant sind. Das Besondere und besonders wichtige an BNE: Die vielen verschiedenen Themen werden nicht einzeln voneinander getrennt betrachtet, sondern möglichst immer im Kontext mit anderen Themen. Bildung für nachhaltige Entwicklung will erreichen, dass Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen treffen lernen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist Teil der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, besser bekannt unter ihrem englischen Namen Sustainable Development Goals (SDGs). Bereits 2005 initiierte die UN eine BNE-Dekade, auf die direkt ein UNESCO-­Weltaktionsprogramm folgte. „Gute Bildung geht über reines Fakten­wissen hinaus. Sie lehrt kritisches Denken, Teamfähigkeit und den Mut, das eigene Umfeld zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Genau das will Bildung für nachhaltige Entwicklung erreichen und genau das brauchen unsere Kinder und Jugendlichen, um für die Zukunft gewappnet zu sein und gute, nachhaltige Entscheidungen zu treffen“, so Meenken.

BNE ist dabei im Prinzip alterslos. Die Fähigkeiten, die sie vermitteln will, sind nicht nur für Kinder und Jugendliche relevant, sondern für uns alle. Bildung für nachhaltige Entwicklung richtet sich damit explizit auch an die sogenannten Orte informellen Lernens, also zum Beispiel Sportvereine, Museen oder Musikgruppen, und auch an Unternehmen, Familien und Kommunen. „Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eine Querschnittsaufgabe, sie geht uns alle an“, sagt VCD-Sprecherin Meenken. „Wir fordern deshalb, dass BNE in Deutschland stärker strukturell verankert und finanziell abgesichert wird.“ Das Bundesbildungsministerium hat ein BNE-Portal eingerichtet. Für die konkrete Umsetzung sind allerdings die Bundesländer zuständig, die in vielen Fällen eigene Programme verabschiedet und BNE in die Lehrpläne aufgenommen haben.

Katharina Baum

Der VCD-Bildungsservice

Seit 25 Jahren ist die Mobilitätsbildung ein Herzensanliegen des VCD und fest in der Satzung verankert. In diesen Jahren hat der VCD zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, wie zum Beispiel die Aktion „Zu Fuß zur Schule“ oder die „FahrRad!“-Jugendkampagne. Aus diesen Projekten und Aktionen heraus sind viele spannende Materialien für die Mobilitätsbildung entstanden.

Ob Ideen für Aktionstage im Kindergarten, konkrete Ideen für Unterichtseinheiten in der Grundschule oder Projekte für Berufsschüler*innen: Der VCD hat für jede Altersgruppe und Bildungseinrichtung passende Materialien und Vorschläge. Ganz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung handelt es sich dabei explizit nicht um Inhalte, die lediglich innerhalb eines Schulfaches umgesetzt werden können, sondern um fächer- und themenübergreifende Materialien, mit denen Kinder, Jugendliche und Lehrpersonen gemeinsam das Themenfeld Nachhaltige Mobilität und dessen Auswirkungen entdecken können.

Mit dem Bildungsservice hat der VCD diese Materialien online verfügbar gemacht. Nachdem sich das Portal viele Jahre nur an Berufs- und Hochschulen richtete, sind seit einem Relaunch Ende 2021 die kompletten VCD-Bildungsmaterialien und Aktionsideen für Kindergärten, alle Schulformen und alle Altersgruppen verfügbar.

Lehrkräfte und weitere Multiplikator*innen können sich kostenlos für den Bildungsservice anmelden und sich danach die für sie passenden Materialien herunter­laden.

fairkehr 3/2022