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Auf dieser Montage ist eine Seilbahn in Bonn vor dem Hochhaus Posttower zu sehen.
Foto: Uta Linnert, iStock/Dikuch, Montage Marcus Gloger
Kinder spielen auf der Straße im autofreien Quartier in Köln-Nippes.
Foto: Nachbarn60 e. V.
Eine Carsharing-Station mit zwei Autos.
Foto: Manuela Meyer/cambio

VCD aktiv 2/2022

VCD-Aktivenwettbewerb

Netzwerk gegen Straßenbau

Im Münsterland koordiniert der VCD ein vielschichtiges Bündnis gegen den Fernstraßen-Ausbau. Dafür wurde er ausgezeichnet.

Mehrere Menschen mit gelben Warnwesten knien und stehen neben und hinter einem weißen Plakat mit der Aufschrift "Mehr Platz für Fuß und Rad".
Statt den Ausbau von Bundesstraßen zu forcieren, setzt sich der VCD im Münsterland zusammen mit sechs Bürgerinitiativen für die Stärkung des Umweltverbunds ein. VCD-Vorsitzender Thomas Lins (3. v. li.) koordiniert den Protest.

Eines haben die sechs Bürgerinitiativen und der VCD Münsterland gemeinsam: Sie wollen nicht, dass die Bundesstraßen 51 und 64 zwischen Münster und Rheda-Wiedenbrück autobahnähnlich ausgebaut werden. Der VCD engagiert sich seit seiner Gründung gegen die ebenfalls geplanten Umfahrungsstraßen in der Region. Seit 2016 steht das Gesamtprojekt als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan: Die damalige Bundesregierung stufte den Ausbau zur autobahnähnlichen Fernstraße und den Bau neuer Ortsumfahrungen als entscheidend ein für den Verkehr zwischen Münsterland und Ostwestfalen.

Viele Menschen in der Region sehen das anders. Hunderte engagieren sich in sechs Bürgerinitiativen in Kommunen entlang der Straße gegen den Ausbau. Thomas Lins, Vorsitzender des VCD Münsterland, ist in Warendorf aktiv. Er setzte sich dafür ein, den Widerstand zu bündeln, und brachte den VCD als Koordinator des Bündnisses ins Spiel. „Der VCD hat viele Kontakte in der Verkehrs­politik und viel Fachwissen im Bereich Mobilität“, sagt Lins, „und gemeinsam bewegen wir mehr.“

Der VCD Münsterland gestaltet und verantwortet nun auch die gemeinsame Internetseite. Das sei durchaus eine Herausforderung, er müsse auch mal Wogen glätten, so Lins: „Wir verbinden Bürgerinitiativen mit sehr unterschiedlichen politischen Zielen. Das reicht von: ,Wir brauchen den Straßenausbau, aber nicht in dieser Dimension‘ bis zu: ,Wir wollen auf keinen Fall neue Straßen, wir brauchen eine andere Verkehrspolitik‘.“ Bisher hat Lins stets erfolgreich vermittelt. Die Ini­tiativen und der VCD einigten sich auf gemeinsame Ziele: Das Bündnis will den autobahnähnlichen Ausbau stoppen. Stattdessen sollen mit dem Geld nachhaltigere Formen der Mobilität gefördert werden: ein Radschnellwegenetz, mehr Züge auf der bestehenden Bahnlinie, mehr Busverkehr, ÖPNV-Angebote auch in den Dörfern.

Kommunen sind gegen Ausbau

Das Netzwerk will informieren und die Menschen aufrütteln. Es will deutlich machen, was der Ausbau der Bundesstraßen bedeuten würde – für die Umwelt und das Leben vor Ort. Dafür organisieren die Akteure Infoveranstaltungen und Ortsbegehungen entlang der geplanten Strecke mit Bürger*innen und Journalist*innen. Außerdem halten die Aktiven Kontakt zu Landes- und Bundespolitiker*innen; informieren sie über den Widerstand und über ihre Ziele.

Für seinen ­herausragenden Einsatz bekam der VCD Münsterland den dritten Preis im VCD Aktivenwettbewerb. Die Jury lobte die „vorbildliche Vernetzung mit lokalen Akteuren“. Thomas Lins ist zuversichtlich, dass der Widerstand Erfolg hat. „Ein Aufschub der bisherigen Planungen ist möglich“, sagt er. „Der Gesetzgeber kann Änderungen im Bundesverkehrswegeplan vornehmen.“ Mehrere Bundestagsabgeordnete unterstützen die Bündnis-Ziele. Und bis auf eine Gemeinde stellen sich mittlerweile alle Kommunen entlang der Strecke gegen den Straßenausbau. „Wir mussten da ein dickes Brett bohren“, sagt Lins. „Und wir haben es geschafft.“

Kirsten Lange

fairkehr 2/2022

Cover der fairkehr 2/2022 zum Thema "Parkraum"