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Auf dieser Montage ist eine Seilbahn in Bonn vor dem Hochhaus Posttower zu sehen.
Foto: Uta Linnert, iStock/Dikuch, Montage Marcus Gloger
Kinder spielen auf der Straße im autofreien Quartier in Köln-Nippes.
Foto: Nachbarn60 e. V.
Eine Carsharing-Station mit zwei Autos.
Foto: Manuela Meyer/cambio

Parkraumbewirtschaftung

Schluss mit den Parkraum-Mythen

fairkehr liefert Argumente, mit denen Sie in jeder Diskussion für und wider Parkplätze und höhere Parkgebühren glänzen.

Illustrationen: Guzaliia Filimonova/istockphoto.com; Bearbeitung: Mareile BusseDas ist Herr Sorge. Veränderungen steht er skeptisch gegenüber, und zwar vor allem dann, wenn ihm niemand erklärt, was die Neuerungen für ihn bringen. Dass die Stadt Parkplätze reduzieren und teurer machen will, bringt ihn richtig auf die Palme.

Stellen Sie sich vor: In Ihrem Stadtviertel wird die Anzahl der Parkplätze reduziert, um Raum für Radwege, Sitzbänke, Spielplätze und breitere Fußwege zu schaffen. Dadurch wird Ihr Kiez wesentlich attraktiver. In der zentralen Einkaufsstraße erhöht die Stadt zudem die Parkgebühren, damit in Zukunft weniger Menschen mit dem Auto bis direkt vor die Geschäfte fahren. Als VCD-Mitglied finden Sie dieses Szenario wahrscheinlich gut. Denn Sie fahren gerne Fahrrad, gehen viel zu Fuß und nutzen den ÖPNV. Ihr Nachbar, nennen wir ihn Herrn Sorge, wettert allerdings wütend gegen die Pläne der Stadt. fairkehr liefert Ihnen Argumente, mit denen Sie seine Ängste zerstreuen können.

1. Herr Sorge sagt: "Für mich sind Parkgebühren reine Abzocke!"

Das können Sie ihm antworten:

  • †Flächen in Städten und Gemeinden sind knapp und sehr wertvoll. Daher ist es nur fair, wenn Autofahrer*innen für Parkplätze eine angemessene Miete zahlen – ähnlich wie für eine Wohnung.
  • †Parkplätze verursachen Kosten für Bau und Unterhalt. Es ist gerechtfertigt, wenn diese auf die Autofahrer*innen umgelegt werden.
  • †Autofahrer*innen verursachen insgesamt mehr Kosten, als sie durch die Kfz-Steuer und die Energiesteuern auf Benzin und Diesel an den Staat zahlen. Zudem fließen die Steuern direkt in den Bundeshaushalt, nicht an die Kommunen, die die Parkplätze bereitstellen. Daher benötigen Kommunen die Einnahmen durch die Parkgebühren, um die Auto-Infrastruktur zu finanzieren. Das Bewohnerparken ist dafür in vielen Kommunen zu billig.

2. Herr Sorge sagt: Parkgebühren sind sozial ungerecht!

Das können Sie ihm antworten:

Illustration einer jungen Nachbarin die diskutiert.
Illustrationen: Guzaliia Filimonova/istockphoto.com; Bearbeitung: Mareile Busse
  • Über die Hälfte der Haushalte ohne oder mit geringem Einkommen haben kein Auto. Diese Menschen legen ihre Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn zurück. Die untere Einkommensgruppe wird daher anteilig weniger oft durch Parkgebühren belastet.
  • Im Bundesdurchschnitt sind die Preise für ÖPNV-Tickets zwischen 2000 und 2018 um 79 Prozent gestiegen. Es ist sozial ungerecht, dass die Inflation den ÖPNV immer teurer macht, während es in vielen Städten weiterhin kostenfreie Parkplätze und Anwohnerparken für rund 30 Euro im Jahr gib.
  • Städte können die Preise für das Bewohnerparken auch sozial gerecht gestalten. Beispiel Freiburg: Hier sind die Gebühren für große Autos, die sehr viel Platz benötigen, mit 480 Euro pro Jahr doppelt so teuer wie für kleine Autos mit 240 Euro jährlich. Wer Leistungen vom Amt empfängt oder eine Gehbehinderung hat, zahlt nur 25 Prozent der Gebühren. Schwerbehinderte Menschen bekommen den Bewohnerparkplatz kostenfrei.

3. Herr Sorge sagt: Ohne Parkplätze gehen die Geschäfte pleite!

Das können Sie ihm antworten:

  • †Der Einfluss der Pkw-Erreichbarkeit auf den Umsatz wird oft überschätzt.
  • †Der Ausbau der Fahrrad- und Fußgänger­infrastruktur und eine ansprechende Gestaltung einer Straße, etwa mit Pflanzen und Sitzbänken, kann den Absatz des Einzelhandels um bis zu 30 Prozent steigern. Das zeigt eine Erhebung aus London. Umsetzbar sind solche Umgestaltungen nur, wenn Parkplätze wegfallen.
  • †Durch eine gut geplante Bewirtschaftung von Parkplätzen wird Dauerparken unattraktiv. Dadurch finden Kurzzeitparker auch dann einen Parkplatz, wenn es insgesamt weniger Parkflächen gibt.
  • †80 Prozent des Umsatzes des Einzelhandels werden durch Kunden generiert, die zu Fuß, per Rad, Bus oder Bahn zum Geschäft kommen.

4. Herr Sorge sagt Besucht mich überhaupt noch jemand, wenn das Parken kostet?

Das können Sie ihm antworten:

  • †Kommunen dürfen Parkgebühren nur dort verlangen, wo Parkraum knapp ist – also in der Regel in dicht besiedelten Gebieten. Dort gibt es meist auch ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • †Wo Parken kostet, findet man oft sogar besser einen Platz. Vielleicht bekommen Sie sogar mehr Besuch!
  • †Außerdem haben Sie jetzt mehr Zeit mit Ihrem Besuch: Denn wo Park­raum bewirtschaftet wird, finden Ihre Gäste schneller einen Parkplatz.
  • †Übrigens haben Menschen, die in verkehrsberuhigten Straßen wohnen, mehr Kontakte. Vielleicht finden Sie neue Freunde in der Nachbarschaft!
Illustration von Nachbarn verschiedenen Alters diskutieren.
Illustrationen: Guzaliia Filimonova/istockphoto.com; Bearbeitung: Mareile Busse

5. Herr Sorge sagt: Ich habe doch ein Recht auf einen Parkplatz!

Das können Sie ihm antworten:

  • †Es gibt keinen Anspruch darauf, dass die Stadt ausreichend kostenlosen Parkraum zur Verfügung stellt. Ebenso kein Recht auf öffentliche Parkmöglichkeiten in der Nähe des eigenen Grundstücks oder der eigenen Wohnung. Das ist gerichtlich bestätigt worden.
  • Bei privaten Parkplätzen sieht das anders aus: In den meisten Bundesländern müssen Hauseigentümer*innen eine gewisse Zahl an Stellplätzen zur Verfügung stellen. Ist das nicht möglich, müssen sie sich von der Pflicht freikaufen.
  • †Übrigens: Sollten Sie Ihre Garage als Stauraum nutzen und Ihr Auto auf der Straße abstellen, kann die Stadtverwaltung Sie verpflichten, Ihre Garage für Ihren Pkw zu verwenden.

6. Herr Sorge sagt: Wo soll ich denn in Zukunft mein Auto parken?

Das können Sie ihm antworten:

  • †Vielerorts sind die vorhandenen Stellplätze gar nicht ausgelastet. Parkhäuser stehen leer und private Garagen werden anderweitig genutzt. In der Regel gibt es ausreichend Parkraum.  
  • †Eine durchdachte Strategie statt willkürlichen Wildwuchses reduziert den Parkdruck und den Parksuchverkehr. Gefragt sind gezielte Lösungen, die den Autofahrer*innen passende Parkmöglichkeiten bieten.
  • Haben Sie schon mal über Carsharing anstelle eines eigenen Autos nachgedacht? Dann können Sie den Leih-Pkw nach der Fahrt zur Station zurückbringen und benötigen gar keinen Parkplatz mehr.

7. Herr Sorge sagt: Ohne Parkplatz vor der Haustür muss ich meine Einkäufe viel zu weit tragen. 

Das können Sie ihm antworten:

  • Parkverbot bedeutet nicht zwangsläufig auch Halteverbot. Oft ist es erlaubt, zum Be- und Entladen schwerer Gegenstände bis zu drei Minuten mit dem Auto zu halten.  
  • Das Angebot an alternativen Transportmöglichkeiten wie zum Beispiel Lastenrädern steigt ständig. Oft muss man die nicht kaufen, sondern kann sie auch mieten.
  • †Lieferdienste können eine Alternative sein, zum Beispiel für Getränke oder Möbel.
  • Im Durchschnitt wiegen 50 Prozent der Einkäufe unter fünf Kilo. Die kann man doch ganz einfach zu Fuß, mit dem Rad, dem Bus oder der Straßenbahn transportieren.
  • †Und mal ehrlich: Wie oft finden Sie einen Parkplatz direkt vor Ihrer Haustür?

8. Herr Sorge sagt: Weniger Parkplätze bedeutet doch nur längere Parkplatzsuche.

Das können Sie ihm antworten:

  • †Wenn es in Summe weniger Parkplätze gibt, setzen immer mehr Leute auf alternative Mobilitätsformen. Das bedeutet weniger Autos und damit auch weniger kreiselnde Fahrzeuge.
Illustration eines Jungens der diskutiert.
Illustrationen: Guzaliia Filimonova/istockphoto.com; Bearbeitung: Mareile Busse
  • Beispiele wie Wien zeigen: Die Reduktion öffentlicher Parkplätze fördert den Umstieg auf alternative Verkehrsmittel und der Autoverkehr wird deutlich reduziert. Die durchschnittliche Zeit für die Parkplatzsuche fiel dort von neun auf drei Minuten.
  • †Statt einen öffentlichen Parkplatz zu suchen, fahren Autofahrer*innen in Zukunft gezielt ausgewiesene Parkflächen, -häuser oder -garagen an. Und für Anwohner gibt es Bewohnerparkzonen.

Text: Tim Albrecht, Katharina Garus, Benjamin Kühne 

fairkehr 2/2022

Cover der fairkehr 2/2022 zum Thema "Parkraum"