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Am blauen Himmel fliegt ein Flugzeug, dass Kondensstreifen hinterlässt.
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Das Atoll, dass zum Inselstaat Palau gehört, liegt mitten im Pazifik.
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Eine gelbe Lieferdrohne trägt ein Päckchen.
Foto: iLexx/istockphoto.com

Reise 5/2021

Julische Alpen in Slowenien

Von Seen, Bergen und Birnen

Kulinarik- und Aktivurlaub bilden in den Julischen Alpen eine perfekte Symbiose.

Auf einer kleinen Insel im Alpensee in Bled in Slowenien, steht eine Kriche.
Foto: Katharina Baum99 Stufen führen zur Kirche der heiligen Mutter Gottes auf der Insel im Bleder See. Im Hintergrund: Burg Bled und die Karawanken.

„Dober dan!“, begrüßt mich der Kellner des Restaurants 1906 freundlich. Ich lächle und murmle etwas Unverständliches, während ich darüber nachdenke, dass ich zum ersten Mal seit vielen Jahren in einem Land bin, in dem ich kein Wort der Sprache verstehe: Slowenien. Ich bin in Bled, einer kleinen Stadt zwischen Karawanken und Julischen Alpen, und auf meinem Programm für die nächsten Tage steht gut zu essen und viel draußen zu sein. Ein paar Worte Slowenisch werde ich nebenbei auch noch aufschnappen.

„Du bist zur richtigen Zeit in Bled“, sagt Maja Lakota, als ich ihr am nächsten Tag beim Mittagessen im Restaurant der Burg Bled gegenübersitze. Lakota arbeitet für das Tourismus-Management der Stadt. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen aus dem nahegelegenen Bohinj-Tal und dem Zusammenschluss der Alpine Pearls hat sie mich zu dieser Reise eingeladen. „Im Sommer ist es hier voll mit Touristen, auch im Winter, wenn Schnee liegt. Aber von Mitte September bis Mitte Oktober ist es hier leer. Gleichzeitig sind die Tage noch einigermaßen lang und es ist nicht zu kalt. Definitiv die beste Zeit, um Bled zu besuchen.“

Bled und Bohinj liegen nur eine halbe Stunde voneinander entfernt, beide liegen direkt an tiefblauen Alpenseen. Und doch sind die Orte völlig verschieden. „Bohinj ist wilder, natürlicher. In Bled dagegen haben wir eine lange Tradition als Kur- und Spa-Ort“, erklärt Maja Lakota. Schon als Slowenien noch Teil der Habsburger Monarchie war, kamen die Aristokrat*innen zur Erholung nach Bled. Und so gibt es in dem 8 000-Einwohner-Städtchen noch heute viele Villen und Herrenhäuser – ungewöhnlich für die Alpen.

Allein auf weiter Flur

Vom Burgfelsen aus mache ich mich auf, die Hügel rund um den See zu Fuß zu erkunden – und bleibe alle 50 Meter stehen, um ein Foto zu machen. Der See mit der Insel, auf der die Kirche der heiligen Mutter Gottes emporragt, dahinter die Burg und im Hintergrund die Karawanken: ein malerischeres Motiv ist kaum vorstellbar. Von der autofreien Uferpromenade aus steige ich immer wieder auf schmalen Waldwegen bergauf und begegne dabei nur wenigen Menschen.

Ein Weg aus Holzbohlen überquert einen Gebirgsbach in der Vintgar-Schlucht in Slowenien.
Foto: Katharina BaumSchon vor 130 Jahren baute ein findiger Slowene den ersten Weg durch die Vintgar-Schlucht. Der heutige Holzsteg zieht sich durch ihre engsten Passagen.

Am nächsten Morgen nutze ich den strahlend schönen Herbsttag aus und schwinge mich auf mein Leih-E-Bike. Ohne konkretes Ziel führt mich meine Fahrt zunächst durch die ruhigen Straßen des Orts und schließlich hinauf in die Berge, durch grüne Wiesen, auf denen Kühe, Schafe und Ziegen grasen, vorbei an Kirchen und alten Bauernhäusern. Ich lasse mich treiben und lande schließlich am Eingang zur Vintgar-Schlucht. Hier gräbt sich der Radovna-Fluss Jahr für Jahr tiefer in die Felsen.

Ein Holzsteg schmiegt sich einige Meter über dem Wasser eng an die Felswand, auf Brücken kreuze ich immer wieder den Fluss. Das kristallklare Wasser sprudelt und rauscht über die Felsen, nur um sich wieder in tieferen Pools zu sammeln und gemächlich weiterzufließen. Hier und da entdecke ich eine Forelle im stillen Wasser. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, das ich an diesem Nachmittag fast ganz allein genieße.

Birnen überall

Zum Mittagessen lande ich im Restaurant Gostilna Kurej im nahegelegenen Zasip. Was sie mir empfehlen würde, frage ich die Kellnerin auf Englisch. „Jota“, sagt sie und bringt mir einen großen Teller mit Sauerkraut-Eintopf. Und zum Nachtisch die Spezialität des Hauses: „Štruklji“, ein gerolltes Gebäck, gefüllt mit den einheimischen Tepka-Birnen. Normalerweise kein Birnen-Fan, hat mich diese lokale Varietät schon als hausgemachte Marmelade beim Frühstück im Hotel Triglav und als Saft beim Mittagessen mit Maja Lakota begeistert. Auch zwei weitere Bleder Spezialitäten, die Cremeschnitte (das  fluffige Original gibt‘s im Café Park) und der traditionelle Wickelkuchen Potica (besonders lecker mit einer Füllung aus Feigen von der Bleder Insel), haben mir bereits meinen Aufenthalt versüßt.

Die Käse- und Fleischprodukte der Familie Gartner sind auf einer Holzplatte arangiert. Sie sind mit dem Regional-Siegel „Bohinjsko/From Bohinj“ ausgezeichnet.
Foto: Katharina BaumDie Käse- und Fleischprodukte der Familie Gartner tragen das Regional-Siegel „Bohinjsko/From Bohinj“.

Von Zasip aus lasse ich mein E-Bike eine Serpentinenstraße bergab rollen, bis ich auf den Fluss Sava Dolinka stoße. Wenige Kilometer weiter vereinigt er sich mit dem Sava Bohinjska und wird einfach nur zum Sava-Fluss. Ich folge dem Sava Bohinjska, zuerst mit dem Fahrrad durch den Wald zurück nach Bled und dann mitsamt Gepäck im Zug in Richtung Bohinj-Tal.

Am nächsten Tag treffe ich meinen Guide Gregor Silc, genannt Grega, in der Lobby des Hotels Bohinj in Ribčev Laz. Es wurde im Juli 2021 nach einer Kernsanierung neu eröffnet und vereint geschickt modernes Design mit heimeliger Gemütlichkeit. Die Lobby und ein Großteil der Einrichtung sind in hellem, regionalem Lärchenholz gehalten, wie überhaupt bei der Einrichtung großer Wert auf Regionalität und nachhaltige Produkte gelegt wurde. Für mich ist es während meines Aufenthalts der perfekte Ort, um nach einem langen Draußentag zu entspannen.

Während wir uns im nebelverhangenen Tal auf den Weg Richtung Mostnica-Schlucht machen, erzählt Grega, der ursprünglich aus Bled stammt, dass er schon seit seiner Jugend als Guide arbeitet. Vor einigen Jahren hat er sich mit der Hike&Bike-Agentur selbstständig gemacht. Wir folgen einem kleinen Pfad hinein in den Wald und ich erfahre, dass die Eisenproduktion viele Jahrhunderte lang die wichtigste Industrie vor Ort war. Heute sind es die Holzindustrie und der Tourismus.

„Der Elefant“ ist der wohl bekannteste Felsen in der Mostnica-Schlucht. Er liegt an einer der wenigen Stellen, an denen Besucher*innen ganz nah ans Wasser kommen. Meistens verläuft der Wanderweg einige Meter über dem Fluss.
Foto: Aleš Zdešar/Tourismus Bohinj„Der Elefant“ ist der wohl bekannteste Felsen in der Mostnica-Schlucht. Er liegt an einer der wenigen Stellen, an denen Besucher*innen ganz nah ans Wasser kommen. Meistens verläuft der Wanderweg einige Meter über dem Fluss.

Nationalsymbol Triglav

Wir wandern die Mostnica-Schlucht hinauf, die eigentlich eine populäre Tourismus-Destination ist. Doch heute sind wir fast die einzigen Besucher. „Mostnica bedeutet: der Fluss der vielen Brücken“, erklärt mir Grega, während tief unter uns das kristallklare Wasser durch die teilweise nur zwei Meter breite Schlucht rauscht. Die Sonne kommt hervor und taucht den herbstlichen Wald und die bemoosten Felsen im Flussbett in ihre Strahlen. Kein Geräusch außer unseren Schritten und dem Rauschen des Wassers ist zu hören.

Später holen wir die für uns bereitstehenden E-Bikes in Stara Fužina ab und radeln auf Wegen, die nur für Fahrräder freigegeben sind, durch das Obertal. Grega erklärt mir die Namen der umliegenden Berge und lenkt meinen Blick immer wieder auf den Triglav, den höchsten Berg Sloweniens. Er ziert das Wappen Sloweniens auf der Nationalflagge und ist auch Namensgeber des gleichnamigen Nationalparks, in dem sich der Großteil des Bohinj-Tals befindet. Der Triglav-Nationalpark bedeckt drei Prozent der Fläche Sloweniens und ist er einzige Nationalpark des Landes. Auf dem Gipfel des berühmten Berges liegt jetzt, Mitte Oktober, schon Schnee, doch im Tal ist es angenehm warm und sonnig.

Wir besuchen Matevz Gartner auf seinem Käsehof Pr'Odolnek und probieren den traditionellen Bohinjer Käse, eine Art Emmentaler. Matevz' Schwester Luzia ist gerade oben auf der Alm, wo sie die 15 Kühe der Familie hütet und den Käse mit traditionellen Werkzeugen herstellt.

Später radeln wir weiter, vorbei an hölzernen Heu-Trockenständern und grasenden Kühen, Ziegen, Pferden, und lassen zum Abschluss des Tages die Räder stehen, um zum Aussichtspunkt Peč zu gelangen. Und dann liegt er endlich in seiner ganzen grandiosen Schönheit vor uns: der Bohinjer See, umgeben vom beeindruckenden Panorama der Julischen Alpen. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages werfen ihr Licht auf das dunkelblaue Wasser, während sich über den Berggipfeln bedrohliche Regenwolken sammeln und ins Tal rollen.

Wenige Tage später sitze ich im Zug zurück nach Deutschland, den Bauch voll slowenischer Spezialitäten, den Kopf voll mit Erinnerungen an die beeindruckende Natur. „Adijo Slovenija“, denke ich, während mein Zug durch den Karawankentunnel nach Österreich braust. Auf Wiedersehen, Slowenien!

Katharina Baum 

Lesen Sie hier weiter: Sanft mobil in Bled und Bohinj

Anreise

  • Bled und Bohinj liegen an der Bahnstrecke Jesenice-Triest (Italien). Einmal täglich fährt ein Zug ab Frankfurt über Stuttgart und München nach Jesenice und weiter in die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Teilweise bestehen auch Nachtzugverbindungen.
  • Von Jesenice fährt man 50 Minuten mit dem Regionalzug nach Villach in Österreich, von dort bestehen weitere Verbindungen nach Deutschland.
  • Weitere Informationen zur Anreise nach Slowenien
  • Tickets gibt es bei den Österreichischen Bundesbahnen ÖBB und bei den Slowenischen Bahnen SZ.

fairkehr 5/2021

Auf dem Cover der fairkehr 5/2021 ist ein Mann in einem roten Overall zu sehen, der ein Lastenfahrrad voller Geschenke fährt.