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VCD aktiv 4/2021

VCD-Aktivenportrait

VCD-Carsharing in Aschaffenburg

Ralph Sattmann wollte nie etwas mit Autos zu tun haben. Trotzdem gründete er VCD-Carsharing in Aschaffenburg.

Ralph Sattmann (rechts) und Klaus Mark (links) mit Unterstützer*innen aus dem VCD-Car­sharing-Team stehen neben einem weißen Renault und einem roten Opel vor einem schloss in Aschaffenburg.
Foto: VCD Aschaffenburg-Miltenberg/Stefan SchmidtRalph Sattmann (rechts) und Klaus Mark (links) mit Unterstützer*innen aus dem
VCD-Car­sharing-Team

Einen großen Wunsch hatte Ralph Sattmann, als er 1997 mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen von Aachen nach Aschaffenburg zog. Er wollte auch in der 70 000-Einwohner-Stadt Aschaffenburg ohne eigenes Auto auskommen. In Aachen hatte die Familie Carsharing genutzt. Der promovierte Physiker findet: Es gibt zu viele Autos. „Der Platzverbrauch durch rumstehende Pkw ist enorm, vor allem in Städten“, sagt Sattmann. Für viele Menschen wäre Carsharing sowieso viel sinnvoller: „Sie könnten Geld sparen und müssten sich um nichts am Auto kümmern: Wartung, Reparatur, Steuern, Versicherung – das fällt alles weg.“

Sattmann trat in den VCD Aschaffenburg-Miltenberg ein. Gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden Klaus Mark gründete er 1998 VCD-Carsharing. Sehr viele Stunden ehrenamtliches Engagement steckten Mark und Sattmann in das Projekt. Damals führte der VCD eine Liste für privates Carsharing: Wer ein Auto suchte, konnte jemanden von der Liste anrufen. Sattmann und Mark taten sich mit etablierten Anbietern zusammen und stellten sich professioneller auf. Seit 2005 arbeitet VCD-Carsharing Aschaffenburg mit Flinkster zusammen: Software, Buchungssystem und Callcenter kommen vom Carsharing-Anbieter der Deutschen Bahn. Vierzehn Autos an elf Standorten verleiht VCD-Carsharing Aschaffenburg mittlerweile. Die Hälfte der Autos gehört den Stadtwerken, die andere Hälfte dem VCD.

„Ich wollte eigentlich nie etwas mit Autos zu tun haben“, sagt Sattmann und lacht. „Und jetzt habe ich so viel damit zu tun: mit Kauf, Wartung, dem ganzen Drumherum, das ist schon absurd.“ Er und sein VCD-Mitstreiter Klaus Mark engagieren sich weiterhin mit vielen Ehrenamtsstunden. Mittlerweile haben sie aber ein größeres Team: Carsharing-Kundinnen und -kunden unterstützen bei der IT, im Marketing oder als Wagen-Paten: Sie sorgen dafür, dass die Fahrzeuge, wenn nötig, sauber gemacht und repariert werden. Auch Sattmanns 25 und 29 Jahre alte Söhne sind im Team. „So kann ich mich möglichst raushalten aus dem Gedöns ums Blech“, sagt Sattmann, der auch VCD-Schatzmeister ist. Er kümmert sich vor allem um Marketing und Weiterentwicklung.

Welt ein bisschen besser machen

Beruflich braucht Sattmann ein eigenes Auto. Er ist Laborleiter bei einem Unternehmen in Hanau und pendelt unter der Woche täglich. In Aschaffenburg fährt er Fahrrad. „In zehn Jahren gehe ich in Rente“, sagt der 57-Jährige. „Dann will ich kein eigenes Auto mehr brauchen.“ Er arbeitet daran, dass in seiner Stadt bis dahin ausreichend Carsharing-Autos stehen. 50 bis 100 Autos wären nötig, um Carsharing in Aschaffenburg richtig voranzubringen: Das rechnete er seinen Ansprechpartnerinnen und -partnern bei den Stadtwerken jüngst vor. „Das sollte in Aschaffenburg doch zu schaffen sein“, sagt Sattmann. „Zumal Klimaschutz immer entscheidender wird.“

Sattmann will die Welt ein bisschen besser hinterlassen, als er sie vorgefunden hat. „Weniger CO2 durch Mobilität ist ein großer Hebel für den Klimaschutz“, sagt er. In den vergangenen zwei Jahren habe Carsharing in Aschaffenburg viel Aufmerksamkeit bekommen, so Sattmann. Die Zahl der Kundinnen und Kunden stieg von 110 auf 170. Und die Stadt verlieh den VCD-Aktiven dieses Jahr den mit 3 000 Euro dotierten Agenda21-Preis. Carsharing sei ökologisch, wirtschaftlich und sozial sinnvoll, sagte der Oberbürgermeister in seiner Laudatio: Es fördere Gemeinschaft, Verantwortung, Kommunikation und reduziere den Statuswert von Autos. In Sattmanns Worten: weniger Gedöns ums Blech.

Kirsten Lange 

fairkehr 4/2021