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VCD Bamberg hilft Verein beim umziehen

Umzug mit dem Lastenrad

In Bamberg benötigte der Verein „Freund statt fremd“ ein neues Quartier. Mit Unterstützung des örtlichen VCD gelang der Umzug vollkommen klimaneutral.

Vier vollgepackte Lasternräder fahren auf einenm Schutzstreifen die Straße entlang.
Foto: MarkusTrenkleErsetzten einen Lastwagen: Die Aktiven des VCD Bamberg bewiesen, dass sich
Kommoden und Umzugskartons auch per Lastenrad transportieren lassen.

Viel Platz ist nicht auf dem Gehsteig in der Luitpoldstraße, einer der meistbefahrenen Straßen der Bamberger Innenstadt. Doch Ende Juli türmt sich dort das Mobiliar des Vereins „Freund statt fremd“, der sich in Bamberg für Geflüchtete einsetzt. Dazwischen unzählige Menschen und – zur Verwunderung einiger Passant*innen – Lastenfahrräder in allen möglichen Größen und Formen. Hier kann der VCD Bamberg in Zusammenarbeit mit „Freund statt fremd“ öffentlichkeitswirksam mit einem klimaneutralen Umzug die in Bamberg viel diskutierte Leistungsfähigkeit von Lastenfahrrädern demonstrieren.

„Es wird oft vergessen, dass auch Klimakatastrophen Fluchtursachen sind“, erklärt Integrationslotsin Carina Lang von „Freund statt fremd“. Für sie ist die Aktion ein Anlass zu zeigen, wie die Themen Integration und Mobilität zusammenhängen. Andreas Irmisch, Vorsitzender des VCD Bamberg, freut sich, dass mit dem Umzug Impulse für so verschiedene Themen gesetzt werden konnten. „Und die Mithelfenden hatten auch jede Menge Spaß bei der Aktion!“ So wird dieser Lastenrad-Umzug zu einem Puzzleteil der lokalen Verkehrswende.

Grundsätzlich ist die Stadt Bamberg diesbezüglich auf einem guten Weg, denn bereits 2017 beschloss der Stadtrat Ziele für die Verkehrsentwicklung, um negative Umweltauswirkungen zu minimieren und eine bessere gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen – auch für Menschen ohne Autos oder mit eingeschränkter Mobilität. „Man kann an diesem Umzug sehen, dass es in einer vollen Stadt mit wenig Platz möglich ist, einen Umzug von 200 Quadratmeter Fläche allein mit Lastenrädern zu schaffen“, sagt Bürgermeister Jonas Glüsenkamp, während Kisten in sein Lastenfahrrad verfrachtet werden.

Aber nicht nur Umzüge sollen in Zukunft klimafreundlich möglich sein. Langfristiges Ziel ist es laut VCD-Mann Irmisch auch, den Mobilitätsbedarf des Bamberger Handwerks durch alternative Transportmöglichkeiten zu decken, was jedoch noch auf Widerstand stößt. 89 Prozent der Betriebe möchten nach eigenen Aussagen nicht auf eigene Fahrzeuge verzichten. Irmisch sieht das optimistisch: „Das bedeutet, dass 11 Prozent der Betriebe sich auch heute schon

andere Arten des Transports vorstellen können. Der Umzug bietet einen Ausblick, was in Bamberg alles mit Lastenrädern statt Autos oder Lkw erreicht werden könnte. Wir brauchen mehr Mut und Initiative, diese Möglichkeiten zu erproben.“

Malena Schlor 

fairkehr 4/2021