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Frauen aufs Rad

Fancy Women Bike Ride Köln

Schön gekleidete Frauen protestieren bei Fancy Women Bike Rides auf der ganzen Welt für ihre Rechte. In Deutschland ist Köln Vorreiterin für die Bewegung.

Viele Frauen in bunter, schicker Kleidung radeln in Köln auf der Straße Konrad-Adenauer-Ufer parallel zum Rhein.
Foto: Özgür YasarFahrradaktivistin Ute Symanski (li.) und Yeliz Karadeli-Yasar führten die bunte Radtour an.

19. September 2021: Auf dem Roncalliplatz am Kölner Dom haben sich über 100 Frauen mit ihren Fahrrädern versammelt. Mittendrin: Yeliz Karadeli-Yasar. Wie alle Frauen hier hat sie sich schick gemacht, trägt Rock, Bluse und einen Blumenkranz im Haar. Auch ihr Fahrrad ist mit Blumen geschmückt.

Jedes Jahr am autofreien Sonntag treffen sich die Frauen zum Fancy Women Bike Ride, den Karadeli-Yasar seit 2018 in Köln organisiert. Gemeinsam radeln sie als fröhliche, bunte Gruppe durch die Straßen. „Wir demonstrieren für Klimaschutz und bessere Radwege, aber vor allem dafür, dass mehr Frauen sich trauen, Fahrrad zu fahren“, erklärt Karadeli-Yasar, die in Köln als Grundschullehrerin arbeitet.

Der erste Fancy Women Bike Ride fand 2013 in Izmir in der Türkei statt. „Die Straßen dort laden nicht zum Fahrradfahren ein, es herrscht ein ständiger Machtkampf. Davor schrecken viele Frauen zurück. Die beiden Gründerinnen des Fancy Women Bike Ride wollten, dass es normal für Frauen wird, Fahrrad zu fahren, und zwar in der Kleidung, die ihnen gefällt“, erzählt Karadeli-Yasar.

Damit traten sie eine Bewegung los. Heute radeln beim Fancy Women Bike Ride über 100 000 Frauen in 150 Städten weltweit mit. Auch zehn deutsche Städte sind dabei, darunter Bremen, mit Unterstützung des VCD-Landesverbandes.  „Wir sind eine gut vernetzte Gemeinschaft und unterstützen uns gegenseitig. Als 2019 zum ersten Mal Frauen in Teheran mitradelten, denen es normalerweise verboten ist, Fahrrad zu fahren, haben wir alle gefeiert.“

Yeliz Karadeli-Yasar ist es wichtig, dass alle Frauen, auch Fahrradanfängerinnen, beim Fancy Women Bike Ride mitfahren können. In ihrer Freizeit bringt die zweifache Mutter geflüchteten Frauen das Radfahren bei. „Wir nehmen sie bei der Tour in unsere Mitte, und es ist einfach toll zu sehen, wie sehr sie sich freuen. Das Fahrrad ist nicht nur ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit, sondern auch für Gleichheit: Seht her, wir können dasselbe tun wie Männer. Das ist nicht in allen Kulturkreisen selbstverständlich.“

Von Frauen für Frauen

Beim Kölner Fancy Women Bike Ride fahren viele Frauen aus der Radfahrszene mit, aber auch die vielen Städtepartnerschaftsvereine sind stets zahlreich vertreten. „Es kommen auch immer mehr Einzelpersonen, die über die sozialen Medien von uns gehört haben“, so Karadeli-Yasar. Im letzten Jahr fuhr sogar Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit. „Darauf war ich schon ein bisschen stolz. Generell ist es uns aber wichtig, dass wir politisch unabhängig sind. Wir unterstützen keine Partei und akzeptieren auch keine Sponsoren. Alle Fancy Women Bike Rides werden komplett von Ehrenamtlichen organisiert.“

Auch Yeliz Karadeli-Yasar hat inzwischen ein kleines Team von Ehrenamtlichen um sich versammelt, die sie bei der Vorbereitung des Events unterstützen. Für sie allein ist der Aufwand mit der wachsenden Teilnehmerinnenzahl mittlerweile zu groß. „Es ist toll, mit so einem Team von inspirierenden Frauen zu arbeiten. Wir wollen auch keine Unterstützung von Männern, denn ich bin davon überzeugt, dass nur Frauen Vorbilder für andere Frauen sein können. Die Mädchen sollen sehen, dass sie auf Fahrräder und auf die Straßen gehören.“

Katharina Baum 

fairkehr 4/2021