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Editorial 4/2021

Klimawandel bremsen

Keine Zeit zu verlieren

Katharina Baum, Volontärin

Völlig fassungslos blickte Mitte Juli ganz Deutschland nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: Innerhalb weniger Stunden zerstörten massive Regenfälle Häuser, Straßen, Schienen, vernichteten Existenzen, rissen (im wahrsten Sinne des Wortes) Menschen aus dem Leben. Auch wir in der Redaktion haben geschockt die immer neuen Schreckensmeldungen verfolgt. Gleichzeitig machte sich aber auch ein ungutes Gefühl wie „Als hätten wir es geahnt“ bemerkbar. Denn: Nur wenige Tage vorher war die letzte fairkehr erschienen, das Thema – Sie erinnern sich: Wie können sich Städte an den Klimawandel anpassen. Starkregenereignisse abzumildern ist ein zen‑ traler Bestandteil davon. Das Titelthema der Ausgabe haben wir übrigens fast ein Jahr im Voraus festgelegt. Als hätten wir es geahnt.

Was für ein hässlicher und irrelevanter Gedanke angesichts einer solchen Katastrophe, mögen Sie jetzt denken. Und doch möchte ich ihn wiederholen, denn: Wir haben es geahnt. Man könnte sogar sagen: Wir haben es gewusst. Wir, die fairkehr-Redaktion, Sie, die fairkehr-Leser*innen, die Politiker*innen und jeder Mensch, der in den letzten Jahren ab und zu Nachrichten gelesen hat. Wir alle wussten, dass der Klimawandel jeden Tag weiter fortschreitet und dass dadurch Wetterextreme wie Dürren, Hitzekatastrophen und sintflutartige Regenfälle sich häufen werden. Diese Ereignisse zerstören die Natur und kosten nicht nur viel Geld, sondern auch viele Menschenleben. Das haben diesen Sommer auch die Waldbrände in Südeuropa und an vielen anderen Orten auf der Welt wieder einmal gezeigt.

Noch können wir die Auswirkungen des Klimawandels begrenzen. Aber die Zeit wird knapp. Im August veröffentlichte der Weltklimarat in einem neuen Sachstandsbericht Berechnungen, laut denen bereits 2030 die durchschnittlichen Temperaturen 1,5 Grad höher liegen werden als vor Beginn des industriellen Zeitalters. Das sind nur noch wenig mehr als acht Jahre bis zu dieser kritischen Marke. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

In Deutschland – das werden Sie als VCD-Mitglied bereits wissen – stammen 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus dem Verkehrssektor. Darum engagiert sich der VCD bereits seit 1986 für eine umweltfreundliche Verkehrswende, zuletzt mit einer Demonstration gegen die Automobilmesse IAA. Chefredakteurin Uta Linnert war in München vor Ort und berichtet für Sie.

Damit mehr Menschen bei der Verkehrswende mitmachen, hat fairkehr-Kolumnist Martin Unfried eine gute Idee: Wir müssen mehr Emotionen ins Spiel bringen. Man könnte auch sagen: Verkehrswende muss Spaß machen. Wie das geht, zeigen Ihnen die inspirierenden Menschen in der Titelstrecke. Und in unserer Reisestrecke nehmen wir Sie mit in schöne europäische Städte, die gleichzeitig Vorbilder für klimafreundliche Mobilität sind.

Die positiven Beispiele in diesem Heft geben mir Hoffnung. Aber klar ist auch: Es geht nur gemeinsam. Denn wir haben keine Zeit zu verlieren.

Katharina Baum 

fairkehr 4/2021