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VCD aktiv 2/2021

VCD-Aktivenportrait

Fachplanerin fürs Zufußgehen

Katalin Saary engagiert sich an sieben Tagen in der Woche für die Mobilitätswende, auch gemeinsam mit dem VCD.

Katalin Saary marschiert mit auf der „Walk-Parade“ beim Fußverkehrskongress in Berlin.

Welchen Hut sie gerade auf hat, kann die selbstständige Mobilitätsplanerin Katalin Saary gar nicht immer sagen. „Mein inneres Anliegen ist, die Situation für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern“, sagt die 57-jährige studierte Bauingenieurin. „Ich will ein gutes Miteinander von Fußgängerinnen und Radfahrerinnen. Dafür setze ich mir den Hut auf, der gerade am besten passt.“

Die Hüte, das sind ihr Beruf als Inhaberin des Planungsbüros Mobilitätslösung und ihre zahlreichen Ehren­ämter. VCD-Mitglied Saary ist unter anderem im Vorstand des Fachverbands FUSS e. V. und des Berufsverbands Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL). Sie engagiert sich als Sachverständige für den Verein Kinderfreundliche Kommunen, eine Initiative von Unicef und Deutschem Kinderhilfswerk, und unterstützt Schulen in Stadt und Landkreis Darmstadt bei der Mobilitätserziehung. Gemeinsam mit dem VCD-Landesverband setzt sich Saary für den Volksentscheid Verkehrswende Hessen ein. „Mein Terminkalender ist immer voll“, sagt sie. „Darüber freue ich mich. Es ist toll, dass sich im Bereich Mobilität zurzeit so viel ändert.“

Seit 30 Jahren arbeitet Saary als Verkehrsplanerin. Als sie sich 2013 mit einem eigenen Büro selbstständig machte, hieß es noch: Die Mobilitätswende sei so kompliziert und ein dickes Brett. „Seitdem findet ein Umdenken statt. Das will ich weiter befördern.“ Die Bauingenieurin engagiert sich vor allem fürs Zufußgehen. Denn: „Es ist notwendig, dass sich Fachplanerinnen dieser Verkehrsart annehmen.“ Durch die Pandemie hat das Zufußgehen neue Aufmerksamkeit bekommen. Plötzlich fällt auf: Die Wege sind ja viel zu schmal. Den Platz will Saary von den Autos zurück. Seit vielen Jahren setzt sie sich für das Konzept „Shared Space“ in Deutschland ein: Menschen zu Fuß, auf dem Rad oder im Auto teilen sich gleichberechtigt den Straßenraum. Saary initiierte 2012 das Netzwerk Shared Space, gemeinsam mit SRL, FUSS e. V., ADFC und VCD. Ihr großer Wunsch: Die deutsche Straßenverkehrsordnung soll Begegnungszonen wie in der Schweiz möglich machen. Dort ist die „Shared Space“-Variante seit mehr als zehn Jahren in der Straßenverkehrsordnung festgeschrieben.

Das Engagement steckt an

Saarys weiteres großes Anliegen sind sichere Schulwege: „Kinder brauchen Platz auf den Gehwegen. Sie sollten nicht für Radfahrer zur Seite springen oder Mülltonnen und geparkten Autos ausweichen müssen.“ Mehr als 45 Schulwegpläne hat ihr Planungsbüro für Kommunen entwickelt. Sie zeigen den sichersten Weg durch den Straßenverkehr. Saarys Wunsch ist, dass Kommunen diese Pläne ernst nehmen: „Wenn Kommunen wirklich sichere Wege für Kinder wollen, müssen sie sich dem Thema Parken stellen und die Wege freiräumen. Dann haben wir automatisch die Mobilitätswende. Wenn keine Autos mehr im öffentlichen Raum parken, würde sich so viel verändern im Ort. Alle würden merken, wie schön es ist, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren.“

Ins Darmstädter Büro pendelt Saary von ihrem Wohnort Reinheim aus so oft wie möglich mit dem Pedelec, 32 Kilometer sind es hin und zurück. Ihr Erdgasauto teilen sie und ihr Mann sich mit ihren erwachsenen Kindern. Die zwei Töchter leben in Darmstadt, der Sohn wohnt in Heidelberg. Die älteste Tochter arbeitet seit vier Jahren in Saarys Planungsbüro. Nach dem Architekturstudium plant die 31-jährige Johanna nun sichere Schulwege und Mobilitätsmanagement für Schulen. „Ich habe alle drei angesteckt mit meinem Engagement“, sagt Katalin Saary. Genau das möchte sie erreichen: „Andere anpiksen, damit sie selbst aktiv werden – auch das ist mein Ziel.“

Kirsten Lange

fairkehr 2/2021