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VCD aktiv 2/2021

VCD-Aktivenwettbewerb

Erfolg mit Pop-up-Radweg

Zwei VCD-Gruppen haben mit Rad-Aktionen Verkehrspolitik beeinflusst. Dafür hat der VCD-Bundesverband sie ausgezeichnet.

Pop-up-Radwege wie in Darmstadt oder in Pforzheim (unten) lassen sich schnell aufbauen – und zeigen eindrücklich,
dass Radfahrerinnen und Radfahrer mehr Platz brauchen.

Radfahrende brauchen Platz. Das hat die Pandemie noch deutlicher gemacht. Weil mehr Menschen ihre Wege mit dem Rad zurücklegen, entstehen auf der ganzen Welt provisorische Radwege an viel befahrenen Straßen, sogenannte Pop-up-Bikelanes. Dafür werden in kurzer Zeit Autospuren oder Parkstreifen als Radstreifen markiert. Einige dieser Radwege bleiben wahrscheinlich – so wie in Darmstadt.

Das ist ein Erfolg des Bündnisses für besseren Radverkehr vor Ort, dem der VCD Kreisverband Darmstadt-Dieburg angehört. Dreimal demonstrierten die Aktiven im vergangenen Jahr mit Pop-up-Radwegen für mehr Platz und Sicherheit. Mit Baustellenhütchen, Schablonen und Sprühkreide markierten sie an drei Haupt­ver­kehrs­straßen Radstreifen ab. „Wir wollten der Stadt zeigen: So schnell und einfach kanns gehen. Wenn ihr wollt, könnt ihr an einem Nachmittag einen Radweg aufbauen“, sagt David Grünewald vom Vorstand des VCD Darmstadt. Beim ersten Mal habe die Stadt gar nicht reagiert, beim zweiten Mal ablehnend – und sei schließlich doch auf die Linie der Aktiven eingeschwenkt. Noch im August kündigte sie Verkehrsversuche auf fünf Hauptstraßen an und begann, die ersten Radwege mit gelber Farbe und Baustellenmarkierungen einzurichten. Grünewald ist zuversichtlich, dass die Radwege nach Ende der Versuchslaufzeit bleiben.

Einfache Aktionen, die wirken

Auch der VCD Kreisverband Pforzheim/Enz hat mit Aktionen die Verkehrspolitik vor Ort beeinflusst. Im Mai 2020 organisierten die Aktiven gemeinsam mit dem ADFC und der Critical Mass einen Pop-up-Radweg als Demo. Etwa einen Monat später sollte der Gemeinderat über ein neues Verkehrskonzept mit Verbesserungen für den Radverkehr entscheiden. „In Pforzheim gibt es kaum Radwege“, sagt Matthias Lieb, Vorsitzender des VCD Pforzheim. „Seit mehr als 15 Jahren setzen wir uns für besseren Radverkehr ein. Langsam denken Politik und Verwaltung um.“Um ihre Forderungen zu unterstreichen, starteten die Aktiven eine weitere Aktion: Mit Ferngläsern und Lupen suchten sie die wenigen Radwege und Beschilderungen. Wenige Tage später beschloss der Gemeinderat das Radverkehrskonzept.

Für ihre Aktionen gewannen der VCD Darmstadt und der VCD Pforzheim den zweiten Preis im VCD-Aktivenwettbewerb. Die Jury lobte ihren Einsatz für die Verkehrswende. Sie hob auch hervor, dass die Aktionen sich sehr gut zum Mit- und Nachmachen eigneten. Grünewald ermutigt alle Aktiven, Pop-up-Radwege als Demo zu beantragen – am besten mit bis zu vier Wochen Vorlauf, falls Konflikte mit der Verwaltung geklärt werden müssten. Und eine Radtour mit Lupe und Fernglas, so Lieb, sei jederzeit sehr einfach umsetzbar.

Kirsten Lange

fairkehr 2/2021