fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

Weiherstraße 38 | 53111 Bonn | Telefon (0228) 9 85 85-85 | www.fairkehr-magazin.de

Magazin 2/2021

Homeoffice-Studie

Mit Zoom zum Meeting statt Zug und Flug

VCD und Borderstep Institut stellen repräsentative Befragung zu Klimaschutzpoten­zialen von Videokonferenzen und Homeoffice vor.

Die Mitarbeiterin begrüßt ihre Kolleginnen am anderen Ende der Welt – vom heimischen Schreibtisch aus.

Ein großer Teil unserer Mobilität entsteht durch berufsbedingte Wege. Jeder vierte Weg ist auf das Pendeln zum Arbeitsplatz und auf Wege und Reisen zur Ausübung des Berufs zurückzuführen. 2019 wurde allein mit 195 Millionen Geschäftsreisen ein neuer Höchststand erreicht – das entspricht fast einer Million Reisen pro Arbeitstag. Ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Arbeitswelt jedoch grundlegend verändert. Homeoffice und mobiles Arbeiten sind für viele zur neuen Normalität geworden.

Das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit hat Geschäftsreisende zu ihrem Reiseverhalten sowie zur Nutzung von Videokonferenzen und Homeoffice vor und während der Pandemie befragt und sie um eine Einschätzung gebeten, wie sich diese Trends künftig entwickeln könnten. Demnach könnte die Zahl der Geschäfts­reisen in Deutschland in Zukunft dauerhaft etwa ein Drittel niedriger liegen als vor der Pandemie.

Dr. Jens Clausen vom Borderstep Institut: „Videokonferenzen statt Dienstreisen haben ein hohes Potenzial für den Klimaschutz. Damit könnten ca. drei Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen im Jahr eingespart werden. Allein der Anteil der nicht gefahrenen Autokilometer bei dieser pro­gnostizierten Reduktion der Geschäftsreisen macht rechnerisch 700 000 Pkw überflüssig und stellt die Frage nach dem Dienstwagenprivileg neu.“

Weniger Verkehr, mehr Auto?

Viele Menschen arbeiten zurzeit tageweise im Homeoffice und pendeln seltener zum Arbeitsplatz. Dafür nutzen sie dann aber häufiger als zuvor das Auto, um eine Infektion mit dem Corona-Virus im ÖV zu vermeiden. Obwohl der Autoverkehr in diesem Szenario zunimmt, könnten beide Effekte zusammengenommen, also mehr Homeoffice bei gleichzeitig mehr Autoverkehr, in Deutschland zur Einsparung von ca. 1,5 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen im Jahr führen. Andere Faktoren könnten diese Einsparung aber noch weiter verringern, etwa die Wahl eines vom Arbeitsplatz weiter entfernten Wohnortes oder das Anmieten größerer Wohnungen, um Platz für das Homeoffice zu haben.

Videokonferenzen helfen, Verkehr zu vermeiden.

„Berufsbedingte Mobilität bringt neben dem Ausstoß von CO2 immer auch Stau, Lärm, Unfälle und Abgasbelastung mit sich“, sagt Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. „Mit Zoom zum Meeting ist besser für Umwelt und Klima als der Flug zum Meeting. Und wer öfter von zu Hause arbeitet, spart sich das Pendeln. Videokonferenzen und Homeoffice können helfen, Verkehr zu vermeiden. Dafür müssen Unternehmen und Politik die notwendigen Anreize und Rahmenbedingungen schaffen.“

Aus Sicht des VCD und des Borderstep Instituts sollten Unternehmen die technischen Voraussetzungen dafür bereitstellen, mobiles Arbeiten zu ermöglichen. Auch Reise-und Datenschutzrichtlinien sollten angepasst und Mobilitätspauschalen oder Diensträder eingeführt werden. Das Dienstwagenprivileg und die Entfernungspauschale sollten von der Bundesregierung abgeschafft und die rechtlichen Rahmenbedingungen für digitales Arbeiten weiter verbessert werden. Mobilitätsanbieter wie Bahnen und ÖPNV müssten mit gezielten Kommunikationskampagnen Vertrauen wiedergewinnen, ihr Angebot ausweiten und flexible Ticketangebote schaffen.

Wenn diese Rahmenbedingungen stimmen, profitieren alle: Das Klima wird geschützt, der Verkehr entlastet, Arbeitnehmer gewinnen Zeit und Flexibilität und Unternehmen sparen reisebedingte Kosten.

Detaillierte Ergebnisse der Befragung finden Sie unter www.vcd.org/videokonferenzen

fairkehr 2/2021