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VCD aktiv 1/2021

Die VCD-Vorstände im Interview

„Mehr Menschen begeistern“

Zeitgemäße Verteilung der Aufgaben: Der VCD wählte mit Kerstin Haarmann und Stefan Bajohr erstmals eine Doppelspitze für den VCD-Bundesvorstand.

Fotos: privat (re.), VCD/Richard Westebbe (li.)Die neue Doppelspitze im VCD-Bundesvorstand: Kerstin Haarmann und Stefan Bajohr gehen mit großer Hoffnung in dieses Jahr.

fairkehr: Der VCD hat das Führungsmodell Doppelspitze eingeführt. Welche Qualifikationen bringt ihr dafür mit?

Stefan Bajohr: Kerstin ist Umweltlobbyistin mit Hirn und Herz. Sie ist eine Wirtschaftsjuristin mit Erfahrung im Aufbau und in der Leitung von NGOs. Diese Qualifikation kommt unserer Arbeit sehr zu­gute. Ganz sicher ist ihre kommunalpolitische Erfahrung hilfreich und ihre Vernetzung in Berlin erleichtert unsere Arbeit enorm. Den VCD kennt sie in- und auswendig: als ehemalige Geschäftsführerin, als Vorstandsmitglied und seit zwei Jahren auch als Vorsitzende. Ich freue mich, mit ihr für unsere Ziele arbeiten zu können.

Kerstin Haarmann: Stefan hat in verschiedensten Zusammenhängen Erfahrungen gesammelt, die er für den VCD nutzbar machen kann: Er war Beamter im NRW-Verkehrsministerium, Landtags­abgeordneter und Hochschullehrer für Politik. Als er bei uns Bundesschatzmeister war, habe ich seinen finanzpolitischen Verstand schätzen gelernt, vor allem aber sein stetes Bemühen, Kompromisse zu finden und unterschiedliche Interessen fair zusammenzuführen.

Welche Ziele habt ihr euch gesteckt? Wo soll der VCD in fünf Jahren stehen?

Kerstin: Wir wollen den VCD im Konzert der Umweltverbände durchsetzungskräftiger positionieren. Dazu müssen wir auch mehr Mitglieder in die Waagschale werfen können.

Stefan: Der VCD ist der einzige Verband, der seit Jahrzehnten Erfahrung im verkehrsträgerübergreifenden Denken und Handeln hat. Das wollen wir besser kommunizieren.

Kerstin: Wir wollen die Expertise unserer Mitglieder besser zur Geltung kommen lassen und das Geschäftsfeld Fachberatung ausbauen.

Stefan: Der VCD arbeitet an einem Bundesmobilitätsgesetz, das zum ersten Mal Leitziele für Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz formuliert und diese in einen integrierten Planungsprozess auf allen staatlichen Ebenen einbettet.

Kerstin: Um die Mobilität von morgen zu sichern, brauchen wir eine grundlegende Umwälzung der Finanz- und Planungsressourcen im Verkehr. Auf Busse und Bahnen, Fahrräder und Zu-Fuß-Gehende muss der weit überwiegende Teil aller Planungsleistungen und Aufwendungen im Verkehrssektor entfallen. Hierfür wollen wir streiten.

Ist die Doppelspitze dafür das richtige Instrument?

Kerstin: Unbedingt. Wir können mehr Aufgaben wahrnehmen, mehr Aktivität entfalten, mehr an der innerverbandlichen Entwicklung mitwirken. Ob das zu einer Entlastung der Vorsitzenden führt? Wir wissen es noch nicht.

Stefan: Wichtig ist die Doppelspitze auch, weil Politik, auch Verkehrspolitik, sich auf die Geschlechter unterschiedlich auswirkt und von ihnen wahrgenommen wird. Dass nun eine Frau und ein Mann an der Spitze des VCD stehen, kann helfen, Mobilität stets im Lichte beider Perspektiven zu sehen.

Ihr habt das Ziel formuliert, den VCD mitgliederstärker zu machen. Was wollt ihr dafür unternehmen?

Stefan: Wir wollen die Mitgliederwerbung in der Bundesgeschäftsstelle stärken und neue Ideen und Best-­Practice-­Beispiele aus den Landes-­ und Kreisverbänden auf­nehmen. Die positive Entwicklung der Mitgliedszahlen in 2020 stimmt mich hoffnungsfroh, dass wir gemeinsam noch mehr Menschen für den VCD begeistern können.

Kerstin: Außerdem wollen wir eine Werbeoffensive auf den Weg bringen. Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe konstituiert, die jede*n zum Mitmachen einlädt und Anregungen gern entgegennimmt.


Interview: Uta Linnert

fairkehr 1/2021