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VCD aktiv 4/2020

VCD-Aktivenwettbewerb

Bessere Haltestellen

Drei Städte, ein Ziel: ein attraktiver ÖPNV. Der VCD Minden-Lübbecke – Herford gewann den Sonderpreis im VCD-Aktivenwettbewerb

Die Gewinner des VCD-Aktivenwettbewerbs fordern schönere, barrierefreie Haltestellen.

Den roten Teppich für Fußgänger und Fahrgäste rollte der VCD an einer Haltestelle in Bad Oeynhausen aus. Für ein paar Stunden war der Bus-Stopp an der Bismarckstraße eingerichtet wie ein Wohnzimmer: mit Tisch, Stühlen und Teppich. Die VCD-Aktiven zeigten: So schön könnte das Warten sein. Leider sieht die Realität oft ganz anders aus: unlesbare Fahrpläne, dreckige Sitzbänke, kein Schutz gegen Wind und Regen.

Die Wohnzimmer-Aktion war Teil der Haltestellen-Checks, die der VCD Minden-Lübbecke – Herford zusammen mit dem VCD-Bundesverband letzten Sommer umsetzte. In drei Städten wählten die Aktiven Bushaltestellen aus und prüften: Laden sie dazu ein, den ÖPNV zu nutzen? Außerdem testeten sie die Fußwege zu den Haltestellen auf Sicherheit und Barrierefreiheit. In jeder Stadt verbanden die VCD-Aktiven die Aktion mit einer speziellen Forderung. In Lübbecke lag der Fokus auf dem erst zehn Jahre alten Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), den sie mit einem „Sehr gut“ bewerteten. Die Stadt will den ZOB verlegen und an der Stelle einen Parkplatz für ein Einkaufszentrum bauen lassen – für die VCD-Aktiven eine unsinnige Idee. In Bad Oeynhausen prüfte das VCD-Team vor allem, wie barrierefrei die Fußwege zur Haltestelle und die Haltestellen selbst sind; in Herford ging es um den Bus-Stopp am Klinikum und den Fußweg zwischen Klinikum und Haltestelle

Zur Nachahmung empfohlen

Die insgesamt 15 VCD-Aktiven aus Kreis- und Bundesverband organisierten in jeder Stadt eine Foto-Aktion und eine Pressekonferenz. So machten sie Medien, Politik und Verwaltung auf ihre Forderungen aufmerksam. Für die erfolgreiche Zusammenarbeit erhielt der VCD Minden-Lübbecke – Herford den Sonderpreis Kooperation beim bundesweiten VCD-Aktivenwettbewerb.

„Der Haltestellen-Check eignet sich super, um bei den Medien Interesse für die Arbeit des VCD zu wecken und die Verwaltung zu Zugeständnissen zu bewegen“, sagt Thomas Dippert, VCD-Sprecher in Bad Oeynhausen. Er hatte die VCD-Aktion, „Zu Fuß zur Haltestelle“ in den Kreisverband geholt. Dippert empfiehlt allen VCD-Gruppen: „Setzt die Aktion bei euch vor Ort selbst um. Es lohnt sich!“ Anleitungen und Material gibt es auf der VCD-Webseite.

In Lübbecke hat sich nach der VCD-Aktion eine Bürgerinitiative für den Erhalt des ZOB gegründet. Zudem klagt der VCD nun gegen dessen Verlegung. In Herford setzten Verwaltung und Politik eine VCD-Forderung direkt um: Die Haltestelle am Klinikum wurde umgebaut, der Weg zur Klinik ist nun sicherer und komfortabler. Bad Oeynhausen hat beschlossen, pro Jahr 12 Bushaltestellen barrierefrei zu machen. „Das geht uns bei insgesamt 220 Haltestellen in der Stadt zwar viel zu langsam“, sagt Dippert, „doch es ist immerhin ein Anfang.“

Kirsten Lange

fairkehr 4/2020