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VCD aktiv 3/2020

VCD-Aktivenwettbewerb

Gelbe Karten für Falschparker

Der VCD Heidenheim hat mit einer Aktionswoche auf die Gefahr für alle, die zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, aufmerksam gemacht.

Der Heidenheimer VCD-Aktive Wolfgang Eber verteilte in der Aktions­woche Gelbe Karten an Autofahrerinnen und Autofahrer, die Rad- und Gehwege zuparkten.

7 Tage, 500 Falschparker in 30 abgeradelten Straßen. Das ist die Bilanz des VCD Heidenheim nach einer Aktionswoche für sicheren Rad- und Fußverkehr. Im täglichen Wechsel radelten insgesamt 15 Aktive auf einem Rundkurs durch die Stadt und verteilten Gelbe Karten an alle, die mit ihrem Fahrzeug Rad- oder Fußwege blockierten. Der genaue Plan für die Aktionswoche und der Streckenverlauf entstand in Wolfgang Ebers Wohnzimmer. Der VCD-Aktive ist einer der Initiatoren der Gelbe-Karte-Aktion in Heidenheim. Er und andere Aktive hatten sich darüber geärgert, dass parkende Autos Radwege versperrten und sie auf die Fahrbahn zwangen, „zum Teil auf vielbefahrene Hauptstraßen mit zahlreichen Lkw“, sagt Eber. Die Kritik des VCD: Die Stadt kontrolliert viel zu wenig. Dabei ist Heidenheim Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg. Und bekennt sich damit dazu, den Radverkehr zu stärken.

Die VCD-Aktiven planten ihre Kon­trollstrecke durch die Innenstadt so, dass sie an Stellen vorbeiführte, an denen falsch geparkte Autos eine besonders große Gefahr darstellen: Die Tour verlief über Radwege an mehrspurigen Straßen, durch Zonen, in denen Autos gar nicht fahren dürften, vorbei an Kindergärten. Eber holte für die Aktion weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter an Bord, vom ADFC und vom Verein „Solar mobil Heidenheim“. Die mit dem Aktionsmotto bedruckten Gelben Karten erhielten die Aktiven vom VCD-Bundesverband.

Die Heidenheimerinnen und Heidenheimer, die eine Gelbe Karte an ihrer Windschutzscheibe fanden, hätten ganz unterschiedlich reagiert, erzählt Eber: „Nur wenige sahen ein, dass sie mit ihrem Verhalten andere Menschen in Lebensgefahr bringen. Etliche waren erleichtert, dass kein Bußgeld drohte.“ Wieder andere wurden wütend und aggressiv. Die meisten erklärten, dass sie doch nur kurz halten wollten. „Wir befinden uns weiterhin in einer Kultur, in der die Menschen gewöhnt sind, dass sie ihr Auto geschwind irgendwo hinstellen können“, sagt Eber. „Fußgänger müssen dann eben drumherum laufen, Radfahrer in den Autoverkehr wechseln.“

Aktion für lebenswerte Städte

Es sei eigentlich nicht Aufgabe des VCD, die Einhaltung der Gesetze im Straßenverkehr zu kontrollieren, sagt Eber. Doch die Stadt reagierte nicht, als der VCD die Ergebnisse der Aktionswoche veröffentlichte und sie aufforderte, mit mehr Kontrollen den Verkehr sicherer zu machen. Eber bedauert das. Die 50 000-Einwohner-Stadt habe in den letzten Jahren die Infrastruktur für Radfahrer*innen zwar verbessert, doch es sei mehr nötig.  

Für seinen Einsatz gewann der VCD Heidenheim den 3. Preis im VCD-Aktivenwettbewerb. Wolfgang Eber empfiehlt auch anderen VCD-Gruppen, eine Gelbe-Karte-Aktionswoche zu starten. „Die Aktion setzt sich für ein faires Miteinander im Straßenverkehr ein. Man kommt mit Menschen ins Gespräch. Und selbst wenn diese immer mal wieder kontrovers sind: Die Aktion schafft ein Bewusstsein dafür, dass sicheres Radfahren und Zufußgehen Städte lebenswerter macht.“

Kirsten Lange

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fairkehr 3/2020