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VCD aktiv 3/2020

VCD-Aktivenportrait

Andere nicht als Gegner sehen

Sandra Laaz, Vorsitzende des VCD Hessen, findet: Die Verkehrswende braucht Verbündete über Ideologiegrenzen hinweg.

Grüne Mobilität hat gute Chancen, davon ist Sandra Laaz überzeugt: Das Bewusstsein vieler Menschen ändere sich.

Was ihn sein Auto wirklich kostet, rechnete Sandra Laaz vor etwa 30 Jahren ihrem Freund vor: fünf D-Mark pro Kilometer. Durch Wertverlust, Garagenmiete, Reparaturen, Sprit. „Für das Geld können wir auch ein Taxi nehmen“, sagte sie. Der Freund verkaufte sein Auto.

Sandra Laaz legt Wert auf sachlich nachvollziehbare Antworten. Antworten auf Fragen wie: Was kostet Mobilität wirklich? Wie sinnvoll ist welches Verkehrsmittel zu welchem Zweck? Wie wird Mobilität zukunftsfähig? Vor 27 Jahren war Laaz, die nie einen Führerschein gemacht hat, auf der Suche nach einer sinnvollen ökologischen Alternative zum ADAC. Und fand sie im VCD. Seitdem hat die 50-jährige Marburgerin viele ehrenamtliche Aufgaben im Kreis- und im Landesverband übernommen. Seit drei Jahren ist sie Vorsitzende des VCD Hessen. Das Amt teilt sie sich mit zwei weiteren Aktiven. Laaz‘ Motto für ihre VCD-Arbeit: nicht an Fronten kämpfen, sondern miteinander reden. Dass sachlicher Austausch umweltfreundliche Mobilität voranbringen kann, erlebt Laaz auch als Kommunalpolitikerin. Seit 1997 ist sie Kreistagsabgeordnete der Grünen, zuvor war sie zwei Jahre lang Kreisgeschäftsführerin. „Vor Ort wollen Dezernentinnen und Dezernenten oftmals die Verkehrswende. In vielen Kommunen gibt es über Parteigrenzen hinweg Verbündete dafür, Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten.“ Das sei eine große Chance für den VCD. „Wir sind ein Lobbyverband“, sagt Laaz. „Dazu gehört, dass wir uns mit vielen Akteuren vernetzen und dass Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen uns zuhören.“ 

Als damals jüngste Kreistagsabgeordnete und als Frau in der Verkehrspolitik sei sie durch eine harte Schule gegangen, erzählt Laaz. Auch heute noch seien Frauen im Verkehrsbereich extrem unterrepräsentiert. „Das ist nicht immer einfach, ich bin ab und zu auf die Nase gefallen. Aber im Nachhinein war das auch ganz gut.“ Sie habe viel gelernt. Unter anderem, dass Ausgleich wichtig ist: „Im Bereich Mobilität sind viele schnell der Meinung, sie müssten sich gegenseitig etwas wegnehmen, um Erfolg zu haben. Sie werden zu Gegnern, anstatt Rücksicht zu nehmen und die Meinung der anderen anzuhören. Wer zu sehr von der Position überzeugt ist, fährt ein gutes Projekt auch mal gegen die Wand.“

Ihr Ziel: günstiger ÖPNV für alle

Sandra Laaz sieht für die kommenden Jahre gute Chancen für grüne Mobilität. Das Bewusstsein vieler Menschen ändere sich. „Beispielsweise wächst die Akzeptanz für Bus und Bahn“, so Laaz. „Die Generation, die mit dem Schüler- oder dem Semesterticket groß geworden ist, fährt weiter Bus.“ Dabei hat Laaz unter anderem ihre 19-jährige Tochter und ihren 18-jährigen Sohn vor Augen. Von der Bundespolitik fordert sie, den ÖPNV gerade in der aktuellen Krisenzeit zu unterstützen und zu stärken. Der Staat müsse den ÖPNV für alle bezahlbar machen – nach dem Vorbild des 356-Euro-Jahrestickets, das es in Hessen bereits für Schülerinnen, Schüler und Menschen über 65 gibt.

Wenn sie an die Zukunft der Mobilität denkt, hat Sandra Laaz auch die ganz Kleinen im Blick. Seit 18 Jahren arbeitet sie als Tagesmutter. Wenn sie mit den Kindern zum Spielplatz, in den Wald oder in den Park marschiert, beobachtet sie: Kinder wollen selbst zu Fuß gehen. Auch an Straßen laufen sie diszipliniert. „Das ist eine Sache der Übung. Ich merke, welche Kinder von ihren Eltern vor allem angeschnallt kutschiert werden. Es dauert, bis sie sich im öffentlichen Raum sicher bewegen können.“ Das stellt Sandra Laaz sachlich fest und fügt hinzu: „Es ist sehr schade, dass diese Kinder ihre Welt so anders erleben.“

Kirsten Lange

Auch Sie können mit dem VCD die Mobilität von morgen gestalten.

fairkehr 3/2020