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Verkehrswende nach Corona

Neustart grüne Mobilität

Der VCD geht für seine Ziele auf die Straße und hat damit Erfolg. In welcher Welt wir zukünftig leben wollen, entscheidet sich nämlich jetzt.

Das Team der VCD-Bundesgeschäftsstelle demonstriert für die Verkehrswende.

Die Coronakrise ist noch nicht überwunden. Wie lange welche Einschränkungen weiterhin gelten, kann niemand sagen. Groß sind die Ängste vor wirtschaftlichem Niedergang. Viele Selbstständige und Unternehmen schauen einer unsicheren Zukunft entgegen, Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze, die Konjunktur befindet sich auf Talfahrt.

Wir haben das Glück, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben. Die Bundesregierung verteilt Hilfszahlungen gigantischen Ausmaßes. Das stützt in der Krise und hält unsere Gesellschaft über Wasser. Für den wirtschaftlichen Neustart nach Corona hat die Bundesregierung ein 130-Milliarden-Konjunkturprogramm aufgelegt. Mit 2,2 Milliarden Euro weist der Bund eine Innovationsprämie für Elektroautos aus. Die nicht nur vom VCD bekämpfte Autokaufprämie für Benziner und Autos mit Dieselantrieb ist nicht dabei. Die bundesweiten Proteste waren erfolgreich.
Trotzdem müssen wir uns jetzt die Frage stellen, welchen Weg wir weiter gehen wollen. Wie soll unsere Zukunft aussehen? Zielen die Milliarden auf den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft? Nutzt der Staat die Lage, um ökologisch und sozial umzusteuern, oder kehren wir zum Zustand vor der Coronakrise zurück?

Vor Corona war die globale Klima­krise das alles beherrschende Thema. Wir erinnern uns: Die Entwicklung der Wirtschaft weg von fossilen Energieträgern kommt nur schleppend voran. Die natürlichen Ressourcen gelan­gen durch unsere ausbeuterische Wirtschaftsweise an ihre Grenzen. Wir beklagen einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt, sehen vertrocknende Wälder, schmelzende Gletscher und den Anstieg des Meeresspiegels. In unseren Städten parken und fahren viel zu viele Autos, Erwachsene und Kinder leiden unter Lärm und gesundheitsschädlichen Abgasen. Mehr als 3 000 Verkehrstote nimmt die deutsche Gesellschaft Jahr für Jahr weitgehend ohne Diskussionen hin. All diese Probleme sind immer noch da.

Durch den abrupten Corona-Stillstand ging die Nutzung fossiler Brennstoffe drastisch zurück. In den Städten wurde es ruhiger, Autos blieben in der Garage, Flugzeuge am Boden. Wir bekamen einen Vorgeschmack darauf, wie es sein könnte, mitten in der Großstadt saubere Luft zu atmen und an großen Straßen nachts ruhig zu schlafen.

Das Ziel: die Mobilitätswende

Weil Krisen Chancen für Veränderung bieten, müssen wir jetzt die überlebenswichtige Mobilitätswende voranbringen. Dafür hat der VCD ein Konzept vorgelegt: Der Neustart in die grüne Mobilität soll endlich gelingen. Der VCD tritt dafür ein, dass Konjunkturpakete an Umwelt-Kriterien geknüpft werden, um den Umbau zu einer ökologisch-sozialen Mobilität voranzutreiben. Das VCD-Konzept zeigt konkrete Maßnahmen auf, die Politik und Gesellschaft jetzt ergreifen müssen. Für diese Forderungen ist der VCD gemeinsam mit anderen Umweltverbänden auf die Straße gegangen und hat vor dem Kanzleramt protestiert.

Auf den folgenden Seiten sprechen wir mit drei verkehrs- und umweltpolitisch engagierten Frauen: Die VCD-Bundesvorsitzende Kerstin Haarmann formuliert die VCD-Forderungen für die Verkehrswende. Die Klimaaktivistin Lilli Braun von Fridays for Future erläutert uns ihre Vorstellung der Welt von morgen und sagt, was wir heute dafür tun müssen. Die Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Julia Jarass, spricht mit fairkehr über die resiliente Stadt. In der Infografik zeigen wir die Veränderung unserer Mobilität in der Corona-Zeit, und nicht zuletzt schauen wir auf die Perspektiven des öffentlichen Verkehrs und fragen, wie Busse und Bahnen das starke Rückgrat einer grünen Mobilität werden können.

Uta Linnert

fairkehr 3/2020