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Kolumne 3/2020

Bundes­garagen­konversions­programm

Ein Geburtsdatum in den 60er Jahren des vorigen Jahrtausends hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Wenn jemand ruft, man – also die deutsche Autoindustrie, also ganz Deutschland – brauche eine Abwrackprämie für Steinzeitautos mit Verbrennungsmotor, dann klingelt es im Oberstübchen. Oder besser gesagt, es hupt. Gott sei Dank sind wir ein bisschen weiter als vor zehn Jahren. Steuergeld zum Kauf von Produkten, die in den nächsten 15 bis 20 Jahren den Klimaschutz boykottieren, wird es nicht geben. Nur erhöhte Prämien für Elektroautos. Es ist bitter, aber Infektionsrisiken werden in den nächsten Jahren das ÖPNV-Gefühl negativ und das Autogefühl positiv beeinflussen. Umso wichtiger, dass wenigstens die richtigen Autos gekauft und gebaut werden.

Was allerdings ebenso bitter ist: Kein Steuergeld gibt es für nachhaltige Produkte wie Fahrräder, E-Bikes oder BahnCards. Von der Mehrwertsteuersenkung abgesehen. Das ist dann tatsächlich ein Déjà-vu. Vor zehn Jahren hatte ich bereits leidenschaftlich für Alternativinvestitionen geworben. Überdachte Radwege mit Photovoltaik-Modulen! Eine Windmühlen-Allee an der A7 von Flensburg bis Füssen! Ein Jahr Freibier im ICE Bordrestaurant! Der Nachteil am Alter: So ein Déjà-vu kann ganz schön wehtun. Nämlich die Erinnerung daran, dass es damals nichts wurde mit der Radwegeüberdachung und überhaupt. Damals hätte die Regierung im Verkehrsbereich bereits in die Zukunft investieren müssen und nicht in die SUV-Ökonomie: Hätte, hätte, Fahrradkette.

Die Abwrackprämie kam und wir verloren zehn wichtige Jahre auf dem Weg ins Nirwana der karbonfreien Mobilität. Was wären denn heute tolle Bereiche für eine saftige Prämie? 3 000 Euro Zuschuss beim Kauf eines Fahrrads oder E-Bikes wäre natürlich der Durchbruch. Rein in den Laden, raus mit einem Superrad und noch 1 000 Euro bar auf die Hand. Die allerdings sind zweckgebunden und müssen in den Kauf vegetarischer Schnitzel investiert werden. Zusätzlich gibt es noch 3 000 Euro zum Kauf von acht Solarmodulen mit je 340 Watt Peak. Wer kein Dach hat, darf ein Stück von seinem Lieblingsradweg überdachen. Auch der Tourismus soll natürlich wieder brummen: Deshalb sollten Wanderer und Tourenbiker 30 Übernachtungen gratis im Doppelzimmer kuscheln können, wahlweise in 4- oder 5-Sterne-Hotels. Einstellung der Kettenschaltung und Nackenmassage inklusive.

Und am vielversprechendsten wäre ein Bundesgaragenkonversionsprogamm. Garagen sind ja bekanntlich die dümmsten Bauwerke des Universums. Noch viel dümmer als Tankstellen. Wer nun sein privates Autos verkauft, sollte 10 000 Euro bekommen für den Umbau seiner Garage in einen saisonalen Wärmespeicher für die Sektorenkopplung. Wir haben nämlich nicht zu wenige Autos, sondern zu wenig Speicher für die Energiewende. Und in so eine Garage passen locker 10 000 Liter Wasser. Mit Solarthermie vom Dach lässt sich das in den Winter speichern und wäre die Voraussetzung für ein Millionen-Wärmepumpenprogramm.

Alternativ kann die Garage auch zum Tiny House umgebaut werden, das ist viel sinnvoller als eine Umhausung für einen Haufen Blech. Menschen statt Pferdestärken! Und dann nennen wir das trendy einfach „Garage-Life“, und schon ist es ein neuer weltweiter Trend, der allerdings dieses Mal aus Deutschland kommt. Und die Autos? Obdachlos, die müssten dann tatsächlich im Freien schlafen. Ich weiß, das ist für viele Mitbürger*innen ein schrecklicher Gedanke. Aber in der Krise müssen alle Opfer bringen. Wer überzeugt die Bundesregierung von diesen Ergänzungen im Investitionsprogramm?

Martin Unfried 

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