fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

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Editorial 2/2020

Mobilität während der Corona-Pandemie

Mit Abstand am besten

Während der Corona-Pandemie schreiben wir die fairkehr im Home Office. Menschen, die nicht zu Hause arbeiten können, nehmen öfter das Fahrrad.

Uta Linnert, Chefredakteurin

In diesen Zeiten ist alles anders. Viele Texte der vorliegenden fairkehr-­Fahrradausgabe haben wir Redakteur*innen statt im Großraumbüro zu Hause recherchiert und geschrieben: im privaten Arbeitszimmer, am Küchentisch, mit Kind auf dem Schoß oder mit Smartphone und Laptop auf der Gartenbank. Von dort aus hielten wir Kontakt zu unseren Autorinnen vor Ort, den Expertinnen, unseren Anzeigenkunden und zur VCD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

Das klappt erstaunlich gut. Wir profitieren von digitaler Infra­struktur: Dateien liegen jetzt nicht mehr auf dem Server im Büro, sondern in der Cloud, und Videokonferenzen ersetzen den persönlichen Austausch.

Trotzdem mussten wir etliche Inhalte anpassen. Die Kidical Mass – die Fahrradrundfahrt mit Kindern für bessere Radnetze in der Stadt, die der VCD bundesweit unterstützt – durfte nicht stattfinden. Die Fahrt zum Bodensee, um eine Fahrradbeauftragte bei ihrer Arbeit zu begleiten, konnte die Kollegin wegen der Reisebeschränkungen nicht antreten. Statt der Reportage lesen Sie ein am Telefon geführtes Interview. Auch unsere Reisestrecke haben wir neu geschrieben: #BleibenSieZuhause lautet das Gebot, während wir diese fairkehr produzieren.

Wie es weitergeht, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. Doch eines steht fest und bleibt: Das Fahrrad ist mit Abstand am besten geeignet, um die täglichen Wege im Wohn­umfeld, zum Einkaufen oder zur Arbeit zu meistern. Gerade jetzt, wo viele Menschen fürchten, sich in Bussen und Bahnen mit dem Coronavirus zu infizieren, hält uns Radfahren fit und gesund. Es schenkt uns ein Gefühl von Freiheit – und das darf ruhig ansteckend sein.

Mir macht es zur Zeit doppelt Spaß Fahrrad zu fahren. In Bonn ist der Verkehr stark zurückgegangen; es gibt viel mehr Platz. Eltern, die mit einem selbst radelnden Kind durch sonst vom Autoverkehr verstopfte Straßen fahren, fühlen sich weniger bedrängt. In Berlin haben die Verkehrs­behörden damit begonnen, für Fahrräder provisorisch Autospuren frei zu machen. Das Bundesverkehrsministerium und das Gesundheitsministerium empfehlen, zum Schutz der Gesundheit Rad zu fahren.

Es gibt noch mehr Beispiele dafür, wie das Fahrrad Rückenwind bekommt: Fahrradvermieter schenken ihren Kundinnen und Kunden Freiminuten, Restaurants bieten Lieferservice per Lasten­rad an, Fahrradfirmen stellen dem Ein­­zel­­handel Transporträder testweise zur Verfügung, Freiwillige versorgen Menschen in Quarantäne mit Essen auf Rädern.

Natürlich ist es fatal zu denken, dass wir eine Pandemie und wirtschaftlichen Stillstand brauchten, damit die Stadt ruhiger wird und weniger Autos fahren. Wir brauchen mehr persönliches Engagement, öffentliches Geld und politischen Willen für jetzt und für die Zeit danach. fairkehr-Redakteur Tim Albrecht hat schon damit angefangen: Weil sein Alpen-Urlaub ausfiel, hat er sich vom eingesparten Budget das lang erträumte Rennrad gekauft und erkundet jetzt die heimischen Berge vom Sattel aus.

So, wie es aussieht, haben wir mit dem Virus noch eine lange Strecke vor uns. Nutzen wir die Zeit, um gute Ideen für nachhaltige Mobilität dauerhaft in Gang zu bringen.

Lesen Sie im Verkehrs­­­wen­de­blog aktuelle Beiträge des VCD zur Mobilität

fairkehr 1/2020