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VCD aktiv 1/2020

VCD Aktivenwettbewerb

Schluss mit dem Ticket-Wirrwarr

Der VCD Baden-Württemberg hat ÖPNV-Tagestickets im Land verglichen. Seine Forderung: Schafft die vielen Verkehrsverbünde ab!

Das junge Team um VCD-Landesgeschäftsführer Armin Haller (2. v. r.) hat mit einem umfassenden Ticket-Check den ersten Platz beim VCD-Aktivenwettbewerb gewonnen.

Ausflüge mit Bus und Bahn in Baden-Württemberg können verwirrend sein: Ein Verkehrsverbund bietet ein Tagesticket an, andere haben 24-Stunden-Tickets im Angebot. Mal gilt es für eine, mal für fünf Personen. Dort kostet es fast 30, hier knapp 20 Euro. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Verkehrsverbünde – nämlich 22 – und so viele unterschiedliche Tickets und Preise.

In einer aufwendigen Recherche hat der VCD-Landesverband ermittelt: Wer mit einem Tagesticket reisen möchte, zahlt bei kleinen Verkehrsverbünden erheblich mehr als bei großen. Und das, obwohl das Geltungsgebiet viel kleiner ist. Der VCD fordert: Schluss mit dem Tarif-Wirrwarr, her mit einheitlichen, attraktiven Preisen – gerade auch für Tageskarten. „Tagestickets sind ideal für Menschen, die bislang wenig Bus und Bahn gefahren sind und sich mit den Tarifen nicht gut auskennen“, sagt Armin Haller, Geschäftsführer des VCD Baden-Württemberg. „Oder für Gruppen, die ihren Ausflug mal nicht mit dem Auto machen möchten.“ Verkehrsverbünde könnten mit guten Angeboten für die Zielgruppe der Freizeitreisenden viele neue Kundinnen und Kunden gewinnen, so Haller. Optimal seien günstige Tickets, die nach dem Kauf 24 Stunden gelten – für eine Person und für Gruppen mit bis zu fünf Menschen.

Die Ergebnisse seiner Untersuchung veröffentlichte der VCD Baden-Württemberg auf einer Pressekonferenz Ende August und hatte damit großen Erfolg. Regionale und überregionale Zeitungen, Radio- und Fernsehsender sowie die dpa kamen und berichteten. Auch die Verkehrsverbünde reagierten: Kleine Verbünde wie der VVR aus Rottweil verteidigten ihre Preise und machten für das schlechte Abschneiden unter anderem die Politik verantwortlich. Der verbundüberschreitende bwtarif, der mit dem Baden-Württemberg-Ticket im Test als Bester abschnitt, warb im Newsletter mit diesem Ergebnis. Die verkehrspolitische Botschaft, die der VCD mit seiner Aktion transportiert: Liebe Verbünde, einigt euch auf nachvollziehbare Tarife. Oder noch besser: Tut euch zusammen. Weniger Verbünde machen Bus- und Bahnfahren einfacher.

Aktion bundesweit umsetzbar

Der Landesverband hat mit seinem Tarifvergleich den ersten Preis im VCD-Aktivenwettbewerb gewonnen. „Die Aktion rückt ein wichtiges Thema in den Fokus“, so die Jury. Weil die undurchschaubaren Ticketpreise überall in Deutschland ein Problem sind, könnten auch andere Landesverbände die Aktion gut umsetzen. Baden-Württembergs VCD-Landesgeschäftsführer Armin Haller ermutigt dazu: „Unsere Blaupause für den Tagesticket-Tarifvergleich lässt sich eins zu eins auf andere Bundesländer übertragen.“

Der VCD Baden-Württemberg setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Menschen komfortabel Bus und Bahn fahren können, mit Lobbyarbeit und Expertenwissen. Darüber hinaus bietet er konkreten Service. Aktuell plant der VCD einen Kurs mit dem Arbeitstitel „Mit Mobilitäts-Apps durchs Land kommen“. Solange der Tarifdschungel sich nicht lichtet, sind solche Angebote wichtige Wegweiser. 

Kirsten Lange 

fairkehr 1/2020