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VCD aktiv 1/2020

VCD Schwarzwald-Baar-Rottweil

Haltestellen im Test

Fabian Wagner vom VCD Schwarzwald-Baar-Rottweil zeigt: Es braucht kein eigenes Auto, um auf dem Land mobil zu sein.

Fährt mit dem Bus zur Hochschule – im Sommer radelt Fabian Wagner die 20 hügeligen Kilometer allerdings gerne mal.

Ausgerechnet Der VW-Konzern brachte Fabian Wagner dem VCD näher. Nach dem Masterstudium in Umwelt­ingenieurwesen machte der heute 29-Jährige ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung. Für eine Studie im Auftrag von VW recherchierte er zu alternativen Antrieben, stieß auf die VCD Auto-Umweltliste und erkannte: „Der VCD vertritt genau meine Meinung.“

Nach seinem Studium forschte der gebürtige Berliner zur nachhaltigen Mobilität im ländlichen Raum – an der Hochschule in Furtwangen. Sie hat drei Standorte in einem Umkreis von 50 Kilometern, mitten im Schwarzwald. Gefördert vom Land Baden-Württemberg, untersuchte das Forschungsteam, welche Angebote es geben müsste, damit weniger Studierende mit dem Auto pendeln. Wagner fährt die 20 Kilometer von seinem Wohnort Villingen zur Hochschule mit dem Bus. Der akademische Mitarbeiter zeigt damit: Es geht. Von Kollegen und Studierenden wünscht er sich ein Umdenken. Er diskutiere oft mit ihnen: Darüber, dass die Hochschule nicht vor allem mehr Parkplätze benötige. Und dass man auf dem Land nicht automatisch ein eigenes Auto brauche. Um das Klima zu schützen, reiche es auch nicht, wenn Autos einen E-Antrieb bekämen. „Die Menschen müssen die Alternativen zum Auto nutzen“, sagt Wagner. Für ihn sind das vor allem Bus und Bahn.

Baden-Württembergs Regierung arbeitet daran, dass der ÖPNV im Land bis 2030 doppelt so viele Fahrgäste hat wie heute. Dafür muss nicht nur das Angebot stimmen – besonders die Haltestellen und die Wege dorthin müssen attraktiv sein. Im bundesweiten VCD-Haltestellencheck überprüfen Mitarbeitende der Bundesgeschäftsstelle mit VCD-Aktiven vor Ort die Wege zu Bus- und Bahnstationen: Sind diese sicher? Bequem? Barrierefrei?

Dieses Projekt brachte Fabian Wagner Anfang 2019 endgültig zum VCD: Als er sah, dass der VCD Haltestellentester für Villingen-Schwenningen suchte, beschloss er, mitzumachen. Sein Fazit: Eine tolle Aktion, auf die der örtliche Verkehrsverbund und die Stadtverwaltung positiv reagierten. „Ich hätte vor drei, vier Jahren nie gedacht, dass meine Meinung zum ÖPNV zählt“, sagt Wagner. „Doch Verkehrsverbund und Stadt hatten offene Ohren.“ Sie kündigten an, einige der kritisierten Gefahrenstellen entschärfen zu wollen.

Verkehrswende braucht Geduld

Derweil hat auch die Hochschule Furtwangen Schritte für eine nachhaltige Mobilität umgesetzt. Es gibt nun unter anderem eine abschließbare Fahrradgarage. Wagners Hoffnung: Sobald die Studierenden merken, dass sie ihr Fahrrad oder E-Bike sicher parken können, kommen mehr damit zur Hochschule. Der Aktive vom VCD Schwarzwald-Baar-Rottweil ist überzeugt: Für die Verkehrswende benötigt es vor allem Geduld. „Menschen denken nur langsam um. Es wird eine Weile dauern, bis immer mehr erkennen, dass es sinnvolle Alternativen zum eigenen Auto gibt.“ Der 29-Jährige setzt auf die „Fridays for Future“-Generation, die nun an die Hochschulen kommt. Darin sieht Wagner eine große Chance für den VCD: „Unsere Themen passen hier total gut. Wir müssen mit unseren Botschaften und Aktionen mehr an die Hochschulen!“

Kirsten Lange

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