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Interview mit VCD-Vorstand Matthias Kurzeck

Zukunftsbündnis Schiene

Der VCD und weitere Verbände arbeiten mit dem Bundesverkehrsministerium an der Stärkung des Schienenverkehrs. Erste Ergebnisse erläutert VCD-Bundesvorstand Matthias Kurzeck.

Schneller bauen: VCD-Vorstand Matthias Kurzeck (50) auf dem Weg zur Tunnel-Durchschlagsfeier in der Schweiz. Er vertritt den VCD im Zukunftsbündnis Schiene.

Wer hat den Deutschland-Takt auf die Schiene gebracht?

Seit seiner Gründung setzt sich der VCD für den Deutschland-Takt ein. Wir fordern: zuverlässige Umstiege an Knotenbahnhöfen im ganzen Land, im dichten Takt. Die damalige VCD-Bahnreferentin Heidi Tischmann und der ehemalige VCD-Bundesvorsitzende Michael Ziesak haben 2008 zusammen mit Hans Leister, der in verschiedenen Führungspositionen bei Bahnunternehmen tätig war, und Bernhard Wewers vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein die Initiative Deutschland-Takt aufgebaut. Diese hat beständig auf allen Ebenen – von der Politik bis zur Deutschen Bahn – dafür gekämpft, dass die deutsche Schienen-Infra­struktur nach einem Zielfahrplan – einem Taktfahrplan im Personenverkehr und Systemtrassen im Güterverkehr – ausgebaut wird. Inzwischen ist es anerkannt, dass das die richtige Vorgehensweise beim Ausbau und der Weiterentwicklung des Schienennetzes ist.

Wie wird der Deutschland-Takt umgesetzt?

Das Bundesministerium für Verkehr muss den Deutschland-Takt umsetzen, koordinieren und modular einführen. In vielen Teilen Deutschlands, wie zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, gibt es bereits funktionierende Taktverkehre. Diese werden integriert. Die AG Deutschland-Takt im Zukunftsbündnis Schiene, in dem auch der VCD sitzt, bleibt dauerhaft erhalten und unterstützt das Ministerium in allen fachlichen Fragen.

Was fordert der VCD von der Politik?

Als Erstes muss sie dafür sorgen, dass der Zielfahrplan für ganz Deutschland schnell fertiggestellt wird. Wir rechnen in diesem Frühjahr damit. Erst dann kann die Bauplanung beginnen und die Deutsche Bahn ihr Netz zielgerichtet ausbauen. Wir fordern weiter, dass der Bund das Geld für Planung und Umsetzung zuverlässig und vor allem langfristig zur Verfügung stellt. Die endlich erhöhten Mittel für den Substanzerhalt machen hier Hoffnung. Der Deutschland-Takt soll täglich von früh bis spät funktionieren und auch in Randgebieten, nicht nur auf lukrativen Hauptstrecken. Langfristig muss die Bundesregierung dafür Lösungen finden und auskömmliche Teilnetze ausschreiben.

Ab wann können Kundinnen und Kunden mit Verbindungen im Deutschland-Takt rechnen?

Es geht uns zu langsam, aber es geht bald los. Ganz konkret startet die Umsetzung am 10. März 2020. Ab da fährt die Deutsche Bahn auf der neuen IC-Linie zwischen Dresden und Rostock im zweistündlichen Takt. Der zweite Schritt wird ab Ende 2021 die Verdichtung der Linie Hamburg–Berlin sein, auf der zwei Züge pro Stunde und Richtung fahren werden. Hier fehlen noch kleine Ausbaumaßnahmen – ein Bahnsteig in Wittenberge und Überholgleise – wie man hört. Sofern die Politik dem Ausbau der Bahn endlich Vorrang einräumt und auch die Mittel für den Netzausbau mindestens verdoppelt, könnte die letzte Umsetzungsphase des Deutschlandtakts theoretisch 2030 abgeschlossen werden.

Interview: U. Linnert, B. Kühne 

fairkehr 1/2020