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VCD aktiv 5/2019

VCD Fulda

Verkehrswende auf dem Land schaffen

Amata Schneider-Ludorff, Sprecherin der VCD-Regionalgruppe Fulda, kämpft für sicheren Radverkehr im ländlichen Raum. Zur Demo auf der IAA radelte sie mit ihren Aktiven nach Frankfurt.

Amata Schneider-Ludorff fährt an der Spitze der Fahrraddemo durchs Kinzigtal.

Befremdlich fand Amata Schneider-Ludorff den Drang ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler, mit 18 den Führerschein in der Hand zu halten. Damals, Ende der 70er, lebte sie in Oberursel bei Frankfurt, ihre Familie hatte nie ein Auto besessen. Die Oberstufenschülerin diskutierte in der Dritte-Welt-AG über globale Nachhaltigkeit, las die von US-Präsident Jimmy Carter in Auftrag gegebene Umweltstudie „Global 2000“ und versuchte, ihre Altersgenossen mit Artikeln in der Schülerzeitung davon zu überzeugen, dass ein eigenes Auto überflüssig sei. Später fuhr sie die zwölf Kilometer über Land zur Uni Frankfurt konsequenterweise mit dem Fahrrad – und erlebte die radfahrerfeindliche Infrastruktur.

Auch heute besitzt die 54-jährige Schreibwerkstatt-Leiterin an der Hochschule Fulda, die Studierende zum wissenschaftlichen Schreiben berät, kein Auto. Seit Ende der 80er Jahre ist sie VCD-Mitglied. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich zwar viel getan in Sachen Radverkehrsinfrastruktur“, sagt sie. „Doch noch immer gilt: Wenn ich schnell mit dem Rad von A nach B kommen will, muss ich ständig auf der Hut sein.“ Auch und gerade in der 70 000-Einwohner-Stadt Fulda. „Fulda gehört noch zum ländlichen Raum. Hier gibt es keine Radfahrkultur“, sagt Schneider-Ludorff. „Autofahrer verhalten sich Radfahrenden gegenüber aggressiv, Radwege enden abrupt auf der Straße, SUVs sind Statussymbole, Parken auf Schutzstreifen gilt als Kavaliersdelikt und das Parken direkt vor dem Laden als Menschenrecht.“ Da heißt es: dicke Bretter bohren für ein Umdenken in der Verkehrspolitik. 2015 gründete Schneider-Ludorff mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern die Bürgerinitiative Verkehrswende Fulda. 2017 schloss diese sich als Regionalgruppe dem VCD Hessen an. „Mit dem VCD können wir vor Ort etwas bewegen und unterstützen gleichzeitig bundesweite Strukturen sowie ein Netzwerk aus Mobilitätsexpertinnen und -experten“, so die Sprecherin der VCD-Regionalgruppe.

Umdenken, umlenken

Ein Zeichen pro „Verkehrswende in Stadt und Land“ setzte Schneider-Ludorff, als sie Mitte September eine Fahrraddemo durchs Kinzigtal Richtung Internationale Automobilmesse mitorganisierte. Unter dem Motto #umdenken/umlenken fuhren 20 Aktive im Alter von 20 bis 70 Jahren von Fulda nach Gelnhausen, mit Kundgebungen in fast 20 Gemeinden. Am nächsten Tag setzte sich die Gruppe an die Spitze des Gelnhäuser Zugs der großen #aussteigen-Sternfahrt nach Frankfurt. Mit 18 000 Radelnden kam die Demo auf dem Messegelände an. Das gibt Schneider-Ludorff Hoffnung: „Das Downsizing der Autoindustrie und der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor werden jetzt öffentlich gefordert. Das könnte der Beginn der Verkehrswende sein.“

Kirsten Lange

hessen.vcd.org/der-vcd-vor-ort/fulda

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