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Editorial 4/2019

Klimaschutz im Verkehr

MobilityForFuture

Foto: Marcus GlogerMichael Adler, Chefredakteur

Eigentlich ist Klimaschutz eine Rechenaufgabe. Klimaforscher welt‑weit sind sich zu 99 Prozent einig, dass wir nur noch knapp 400 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre blasen dürfen, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten wollen. Derzeit emittiert die Welt 42 Gigatonnen pro Jahr. Man braucht kein Mathematikstudium, um zu errechnen, dass uns neun Jahre bleiben. FridaysForFuture und Greta Thunberg erklären uns Erwachsenen diese an sich einfache Rechnung immer wieder.

Die baden-württembergische Landesregierung hat die unmittelbar anstehenden Aufgaben für den Verkehr in operative Ziele übersetzt mit dem Blick auf das Einsparziel von 55 Prozent bis 2030. Es sind vier einfach zu verstehende Ziele: Verdoppelung des ÖV, 50 Prozent aller Wege werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, ein Drittel weniger Kfz-Verkehr, die restlichen zwei Drittel sind zur Hälfte dekarbonisiert. Alle vier Ziele kann man als unrealistisch abtun. Man kann auch die dumme Position beziehen, dass alles nicht so schlimm kommen wird, ein bisschen wärmer schadet ja nichts. Aber die beiden vergangenen Hitzesommer, der leere Rhein, die sterbenden Nadelbäume, die rapide aussterbenden Tier- und Pflanzenarten, all das ist ein Vorgeschmack auf die Heißzeit, die wir mit unserer fossilen Lebensweise auslösen.

Die demonstrierenden Kinder haben recht. Sie haben keine gute Zukunft, wenn wir es jetzt nicht gemeinsam schaffen, die Mächtigen, die Entscheider vor allem in der Politik dazu zu bringen, das Notwendige zu tun. Ich glaube an den Primat der Politik. Sie hat die Verantwortung, einen Rahmen zu setzen, der emissionsminderndes Verhalten belohnt und die fossile Verbrennung stoppt. Wenn diese fairkehr erscheint, wird das Klimakabinett der Bundesregierung über konkrete Maßnahmen eines Klimagesetzes verhandeln. Und soll mir keiner erklären, zu viel Klimaschutz gefährde unseren Wohlstand. Unser fossil befeuerter Wohlstand gefährdet die Zukunft unserer Kinder. So herum wird ein Schuh draus. Es bleiben also jede Menge Aufgaben für den VCD, der sich schon immer für Mobilität für Menschen eingesetzt hat. Das Ziel ist dreimal null: null CO2, null Schadstoffe, null Tote im Verkehr.

Und, liebe Leserinnen und Leser, dies ist mein letztes Editorial. Nach mehr als 22 Jahren habe ich mich entschlossen, die nächsten 10 bis 15 Jahre meines Berufslebens ganz meiner eigenen Agentur zu widmen. Ich danke Ihnen für Ihren Zuspruch und Ihre starke Bindung an unser Magazin. Sie haben viele Kommentare geschrieben. Viele waren positiv, aber ich danke auch für die kritischen Stimmen. Journalismus ist gelebte Meinungsvielfalt, und wie der Begriff schon sagt: Meinungen gibt es viele, und das ist auch gut so. Ihre Reaktionen sind Zeichen der Lebendigkeit der fairkehr. Begleiten Sie bitte mit der gleichen Aufmerksamkeit meine langjährige Kollegin und neue Chefredakteurin Uta Linnert, die den Job von mir übernehmen wird. Beleben Sie bitte weiterhin die VCD-Kultur des Austausches, von der das fairkehr-Team stets profitiert hat. Ich werde Sie alle vermissen.

Mit besten Wünschen für die Zukunft

Ihr

Michael Adler,
Chefredakteur 

fairkehr 4/2019