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Kolumne 4/2016

Veerboot to heaven

Foto: Khosrork/istockphoto.comFrüher kamen sie in Fährbooten, heute planen sie Verbote: Die Wikinger – pardon Norweger – wollen ab 2025 Autos mit Verbrennungsmotor abschaffen.

Das niederländische Wort Veerboot ist ein falscher Freund. Es bedeutet nämlich nicht, wie man als unbedarfter Deutscher meinen könnte, „Verbot“, sondern „Fährboot“, also Fähre, Fährschiff, Kahn. Fährboote sind bekanntlich Transportmittel, die einen zum anderen Ufer schippern. Und Verbote sind interessanterweise Transportmittel, die einen davon abhalten, am falschen Ufer zu bleiben. Ich bin sowohl ein Freund von Fährboten als auch von Verboten, wenn es darum geht, ins Nirwana der nachhaltigen Mobilität zu gelangen.

Leider muss ich an dieser Stelle noch einmal auf das leidige Thema Autoinvestition kommen und die damit verbundene Qual. Ja, ich habe einen gebrauchten Hybris gekauft. Ja, das ist ein Hybrid, den man wegen der elektrischen Unterstützung als Zwischendings bezeichnen könnte. Ja, der fährt mit fossilem Benzin. Ja, das ist Steinzeit und für mich eben nur ein Fährboot ans andere Ufer, bis ich auf die Insel der erneuerbaren Elektromobilität übersetzen kann.

So kommen wir zum Thema des Tages: Does my mobility matter? Meine Vermutung: Eher nicht. Ob ich nun aus freien Stücken Zug, Hybrid, Plug-in, elektrisch oder Stadtbus fahre, ist nicht so entscheidend, wie ich bisher immer dachte. Früher war ich beseelt von meiner Mission: Das leuchtende Beispiel meines umweltfreundlichen Konsumierens würde die Gesellschaft sowas von rocken, viele würden dem folgen und dem PS-Wahn abschwören. Meine Bekehrungserfolge der letzten 20 Jahre sind sehr bescheiden: hier eine verwandte Familie ohne Auto, da mal ein kleinerer Kleinwagen, dort ein neues Erdgasfahrzeug. Und dann kam neulich ein Cousin von mir mit einem Sportwagen und 350 PS, aus Leidenschaft, wie er überzeugend und durchaus sympathisch erklärte. Da musste ich lachen und weinen zugleich. Ergo: Wir werden mit ökologischem Bewusstsein die erneuerbare Verkehrswende nicht schaffen. Da brauchen wir ganz andere Fährboote.

Die Wikinger waren bekanntlich Fährboot-Spezialisten, auch wenn niemand richtig froh war, wenn sie die Überfahrt wagten, um einen zu besuchen. Umso erfreuter bin ich über eine Idee ihrer Nachfahren, der Norweger. Die wollen nämlich im Jahr 2025 den Verbrennungsmotor im Auto verbieten. Verbieten? Den Brummbrumm-Porsche mit 350 PS? Das ist ein spektakulärer Gedanke, den man in Deutschland noch vor wenigen Monaten nicht zu erwägen wagte.

Wahrscheinlich war es die Öko-Diktatur-Keule, die mich bisher davon abhielt, das Offensichtliche zu sagen: Der Kaiser ist nackt und der fossile Verbrennungsmotor ist die 100-Watt-Glühbirne des 21. Jahrhunderts. Was liegt da näher als ein „Fährboot to heaven“. Und wenn einem mal ein Licht aufgeht, dann folgen die anderen auch. Das war mit den Rauchverboten ebenso. Darum wird auch in den Niederlanden und in Österreich die norwegische Ansage diskutiert.

Also spielen wir die Sache mal durch. Würde die EU heute beschließen, im Jahre 2026 nur noch elektrische Antriebe zuzulassen, wäre das für die Autoindustrie ein Segen. Endlich Planungssicherheit! Wir müssen laut Pariser Klimaabkommen 2050 nämlich 80 bis 90 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Die Entwicklung eines neuen Autos dauert drei bis vier Jahre (2019). Anschließend wird der Wagen sechs bis acht Jahre lang verkauft (2027) und raucht erst einmal 10 bis 15 Jahre vor sich hin (2040). Also steht fest: Wenn wir von fossilem auf erneuerbaren, elektrischen Verkehr umsteigen wollen, muss das Ende vom Benziner und Diesel in Sicht sein. Sonst sind die Entwicklungskosten in den Sand gesetzt. Denn erst wenn der letzte Verbrenner vom Band rollt, wird der existierende fossile Wagenpark langsam abgebaut – und dann sind wir im Jahre 2040. Die deutschen Grünen wollen übrigens erst im Jahre 2036 mit dem Fährboot in See stechen. Wikinger sehen anders aus.

Martin Unfried

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