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Politik 1/2015

Rabatte à la Bahncard

Die Deutsche Bahn AG plant, ihr Preis- und Rabattsystem zu überarbeiten – aber die Bahncard schafft sie vorerst nicht ab.

Foto: Valeska ZeppAuch fairkehr fährt Bahn: Für den Verlag wäre die ­Abschaffung der Bahncard ein herber Verlust – sowohl dienstlich als auch privat.

Am 4. Dezember 2014 schockierte der Hessische Rundfunk Bahnfahrerinnen und -fahrer in ganz Deutschland mit der Meldung, dass die Deutsche Bahn AG (DB) die Bahncard abschaffen wolle. Der Radiosender hr-info berief sich auf ein „streng vertrauliches” Dokument des DB-Managements.

Demnach plane die DB, die Bahncard in ein Kundenkonto umzuwandeln. Rabatte solle es zukünftig nur noch für Fahrten in Zügen mit geringer Auslastung und für Vielfahrer geben.  Die Deutsche Bahn wies die Meldung des Senders auf ihrer Webseite als „dreiste Falschmeldung” zurück. Bahnchef Rüdiger Grube bezeichnete die Nachricht als „völligen Quatsch”.

Daniela Bals, stellvertretende DB-Sprecherin Personenverkehr, teilte fairkehr mit, dass es sich bei dem Dokument, auf das sich der Sender beruft, um ein Diskussionspapier für die Reform des Preis- und Rabattsystems handele. Eine Beschlussvorlage für den Aufsichtsrat habe es jedoch nicht gegeben. „Die Aussage, dass die Bahncard abgeschafft werden soll, enthält das Dokument nicht. Eine unglückliche Formulierung lässt Raum zu die­ser Interpretation”, sagte Bals.

Der Vorstand der Deutschen Bahn wird bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 2015 einen Bericht mit konkreten Vorschlägen zur Reform des Preis- und Rabattsystems erarbeiten. Die Bahn plane, treue Kunden mit zusätzlichen Rabatten zu belohnen, Neukunden mit attraktiven Angeboten zu werben und die Tarifvielfalt zu reduzieren, um die Transparenz des Preissystems zu erhöhen. Wie die Pressestelle schriftlich mitteilte, geht es „explizit nicht um die Abschaffung von Rabatten oder gar von der Bahncard”. Eine konkrete Aussage über die Dauer der Bestandsgarantie für die Rabattkarte machte Bals nicht. Sie sagte: „Die Reaktionen (auf die Berichterstattung von hr-info, d. Red.) haben gezeigt, wie beliebt die Bahncard ist. Die Öffentlichkeit würde die Abschaffung der Karte nicht akzeptieren.”

Treue Kunden nicht verprellen

„Wir zählen auf das Wort der Deutschen Bahn. Denn es kann nicht sein, dass sie ihre treuesten Kunden vor den Kopf stößt”, sagte der VCD-Bundesvorsitzende Michael Ziesak. Die Bahncard sei schließlich das beste Kundenbindungsmittel des Konzerns und werde von über fünf Millionen Menschen genutzt.
Der VCD plädiert vielmehr für die Weiterentwicklung der Rabattkarte – nach Schweizer Vorbild – zu einer Mobilitätskarte für alle Verkehrsmittel. Er fordert, dass auch die Bahncard 50 mit den Sparpreisen kombinierbar sein sollte. Denn ihre Inhaber zahlen bisher oft mehr als Kunden, die die Bahncard 25 mit Sparpreisen kombinieren.

Die Bahncard 50 gilt dem DB-Manage­ment wegen ihrer Flexibilität als Dorn im Auge. Kunden, die einmalig 255 Euro zahlen, fahren immer zum halben Preis. Das hebelt den Ansatz der DB aus, Fahrgäste mit Sparpreisen auf schwach gefüllte Züge umzuleiten und bei hoher Auslastung den vollen Preis zu nehmen.

Auch wenn die Deutsche Bahn die Kosten im Fernverkehr bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken will, bei der Bahncard ist sie gut beraten, an 2002 zu denken. Damals hatte sie den Fehler gemacht, die Bahncard 50 abzuschaffen. Viele Fahrgäste kehrten ihr daraufhin den Rücken. Der VCD startete eine erfolgreiche Kampagne für den Erhalt der Rabattkarte. Ein Dreivierteljahr nach ihrer Abschaffung führte die DB die Bahncard 50 wieder ein. „Wenn die Bahn im Wettbewerb mit den Fernlinienbussen bestehen will, darf sie die Preise für Vielfahrer nicht indirekt erhöhen, indem sie die Rabatte der Bahncard reduziert”, sagt Michael Ziesak.

Benjamin Kühne

fairkehr 4/2019