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Editorial 1/2014

ADE AC

Foto: Marcus Glogerfairkehr-Chefredakteur Michael Adler

Klaus Staeck, der Präsident der ­Akademie der Künste in Berlin, hat vor Jahren ein Buch mit dem Titel „ADAC ade“ veröffentlicht. Der Begriff ist wieder in Mode. Weil der gelbe Riese offenbar nicht nur ein paar Zahlen  gefälscht hat, sondern weil ein Clübchen älterer Männer mit dem Geld von 19 Millionen Mitgliedern Monopoly spielt. Es geht um den Verlust von Maß und Ziel, um die Hybris von Macht und Geld. Wenn der ADAC politisch Einfluss nimmt, und das tut er oft, dann tritt er stets auf, als stünden die 19 Millionen Mitglieder hinter ihm. Das hat wenig mit Demokratie zu tun und viel mit ­Anmaßung. Zeit für ein paar Fragen.

Was bedeutet eigentlich Vereins­leben beim ADAC? Rund 1800 Ortsclubs organisieren den Großteil der Motorsportveranstaltungen in Deutschland. Die Satzung des ADAC gibt das her, aber vertritt der Club damit die Interessen der Mitglieder?

Außerdem geht es um Fairness und Transparenz. Der ADAC testete in den letzten Jahren vieles: Tunnel, Raststätten, Fähren, Badegewässer und natürlich immer wieder Autos. Alles sauber und objektiv? Der Club achtete stets darauf, dass Partner des milliardenschweren Vereins und seine rund 40 Tochterunternehmen nicht zu schlecht weg­­­kamen. Von Geldzahlungen und Mani­pulation von Testergebnissen berichten Mitarbeiter gegenüber den Medien.

Wie äußern sich Allmachtsgefühle bei langjährig amtierenden Funktionären? Die von der Presse aufgedeckten Hubschrauberflüge zu Privatzwecken seien nur die Spitze des Eisbergs, erklärte der ehemalige Geschäftsführer des gelben Clubs, Alfons Kifmann, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Der ­eigentliche Skandal sei die Verquickung von Ehrenamt beim ADAC und den privaten Geschäften der Funktionäre – als Vertragsanwälte, Gutachter, Autohausbesitzer oder Fahrschulbetreiber. ­Kontrolliert haben sie sich immer schön ­gegenseitig. Blieb ja alles im Verein.

Die „Gelben Engel“ aber, die fast ­religiös verehrten Pannenhelfer, die sind doch edel, hilfreich und gut? Auch davor machte die Geldgier der ADAC-Granden offenbar nicht Halt. Drückerkolonnen gleich mussten Pannenhelfer havarierten Autofahrern die eigens für den ADAC produzierten Varta-Batterien aufschwatzen. Zum Grundgehalt gab es Boni für Zusatzverkäufe am Pannenort. Das ist der Image-Gau im Herzen des ADAC.

Die Kultur dieses Vereins ist tief im 20. Jahrhundert stecken geblieben. Von Modernität, einem nachhaltigen, zukunftsfähigen Mobilitätsbild, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht das Auto, keine Spur.

Und jetzt die gute Nachricht: ADAC-Mitgliedschaft ist kein Schicksal. Meine Bitte daher an alle fairkehr-Leserinnen und -Leser: Helfen Sie zweifelnden ADAC-Mitgliedern. Beim VCD gibt es moderne Verkehrspolitik, eine transparente Verwendung von Mitgliedsbeiträgen und Spenden sowie zuverlässigen Pannenschutz. Worauf warten Sie noch: Ade AC! Willkommen im VCD!

P.S. Das Buch von Klaus Staeck ist ver­-griffen. Laut Alfons Kifmann in der ­Süddeutschen Zeitung, weil der ADAC es einfach vom Markt gekauft hat.

fairkehr 2/2019