fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

Titel 4/2013

Shared Space: Ohne klare Regeln

Beispiel Bohmte in Niedersachsen: Die Gemeinde im Osten des Landkreises Osnabrück hat Ampeln und Verkehrszeichen abgeschafft und gilt seither als Deutschlands Vorreiter in Sachen „Shared Space“.

Foto: www.bohmte.de

Seit 2008 gibt es im Ortszentrum von Bohmte keine Verkehrszeichen mehr. Jeder, der auf den zentralen Platz zufährt, reduziert automatisch das Tempo – denn die Lage ist unübersichtlich: Bürgersteig und Fahrbahn gehen ineinander über, am Rand stehen Fahrradständer und Parkbänke, in der Mitte Blumenkübel. Zwar haben die Bohmter gerade Ärger, weil die Pflas­terung absackt. Doch das Konzept „Shared Space“ finden inzwischen alle in der niedersächsischen Gemeinde gut, glaubt Hubertus Brörmann, der dort zwei Bekleidungsgeschäfte betreibt. „Insgesamt ist es auf jeden Fall leiser geworden“, benennt er einen zentralen Vorteil.

Darüber hinaus hat es keine schweren Unfälle mehr gegeben, seit die Ampel vor Brörmanns Laden abgeschafft und der Straßenraum umgestaltet worden ist. Das bestätigt auch der inzwischen pensionierte Polizist Peter Hilbricht. „Früher hatten wir an der zentralen Kreuzung durchschnittlich 30 Unfälle im Jahr, zum Teil mit Schwerverletzten. Nach dem Umbau gab es so etwas gar nicht mehr.“ Lediglich eine ungünstig platzierte Laterne trieb im ersten Jahr die Unfallstatistik nach oben.
Am Anfang war es nicht leicht, die alten Leute von der Umgestaltung zu überzeugen: Sie befürchteten, ohne klare Regeln unter die Räder eines der 12000 Fahrzeuge zu kommen, die hier täglich langfahren. Vor allem die großen Lkw machten ihnen Angst. „Ihr seid gleichberechtigt, hab ich denen immer wieder gesagt“, berichtet Hilbricht. Mehrfach verabredete er sich mit der „Rollatorstaffel“ und übte, Blickkontakt mit den Fahrern aufzunehmen. Und siehe da: Es klappte jedes Mal.

Inzwischen wollen die Bohmter das Konzept gerne auch auf die
1,3 Kilometer lange Rennstrecke bis zum Bahnhof ausweiten. Vier kleinere Plätze sollen den Straßenraum für die Anwohner attraktiver und für die Durchreisenden unübersichtlicher machen. Doch dafür fehlt leider noch das Geld.

Annette Jensen

Shared Space

Netzwerk für alle

Aufenthalt und Mobilität – Fußgänger, Autoverkehr, Radfahrerinnen und Radfahrer: Die Grundidee von „Shared Space“ ist, diese verschiedenen Ansprüche an den Straßenraum durch psychologisch durchdachte Straßenraumgestaltung in Einklang zu bringen.

Die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL), der Fachverband Fußverkehr Deutschland (Fuss e.V.), der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sehen in „Shared Space“ ein großes Potenzial für die Verkehrs- und Stadtplanung. Sie haben sich als Träger im „Netzwerk shared space“ zusammengeschlossen, um über die Einsatzbereiche und -grenzen von „Shared Space“ zu informieren, zu diskutieren und Möglichkeiten für die kommunale Praxis aufzuzeigen.

Zentrales Element des Netzwerks ist die Webseite www.netzwerk-sharedspace.de, mit guten Beispielen und Vernetzungsmöglichkeiten.

Gestaltung verbindet

Die erste gemeinsame Tagung des neu gegründeten Netzwerkes „shared space“ trägt den Titel „Gestaltung verbindet“. Sie findet im Vorfeld der internationalen Fachkonferenz zum Thema Fußverkehr und öffentlicher Raum „Walk21“ am 10. September 2013 in München statt. Die Tagung richtet sich an Fachleute in Planung, Verwaltung und Kommunalpolitik. Neben guten Ansätzen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Norwegen, die auf der Tagung vorgestellt und diskutiert werden, bietet die Veranstaltung die Möglichkeit für Austausch und Vernetzung. Die „Walk21“ findet erstmalig in Deutschland statt.

fairkehr 3/2022

Cover der fairkehr 3/2022 zum Thema Klima: Alarmstufe Rot!