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Reise 3/2013

Ostwärts

Mehr als zweitausend Kilometer paddelt Thomas Bauer auf der Donau bis zum Schwarzen Meer.

Foto: Anja WagnerThomas Bauer, geboren 1976 in Stuttgart, war Greenpeace-Mitarbeiter in Paris und Journalist in Stuttgart. Er liebt die sport­­lichen Herausforderungen.

Sein lilafarbenes Kajak tauft Thomas Bauer PB Sulina, PB für Paddelboot, Sulina für den Ort, an dem die Donau ins Schwarze Meer mündet, das Ziel seiner Reise. Körperlich topfit, aber ohne Erfahrungen im Paddeln, möchte der junge Mann beweisen, dass er die mehr als 2000 Flusskilometer von Donauwörth bis zur Mündung in Rumänien in 30 Tagen zurücklegen kann. Ausgestattet mit typisch männlichem Übermut, einer Riesenportion sportlichem Ehrgeiz und sonst nicht viel mehr als einem Zelt, Isomatte, Schlafsack und einer geliehenen Regenjacke kämpft sich Bauer durch acht Länder über den Strom.

Es sind drei existenzielle Fragen, die ihn in diesem Sommermonat beschäftigen: Wie komme ich am besten voran? Woher bekomme ich genug zu essen und zu trinken? Wo finde ich einen sicheren Ort zum Schlafen? Drei Fragen, der Rest ist Paddeln. Täglich zehn bis fünfzehn Stunden ist Bauer auf dem Wasser. Er muss durch Stromschnellen, Schleusen und hohe Wellen. Er begegnet Passagierdampfern, schnittigen Sportbooten und russischen Lastkähnen, die auf den Paddler in seiner kippligen Nussschale keine Rücksicht nehmen. Querende Fähren stellen sich ihm in den Weg, zermürbender Dauerregen begleitet ihn, und an anderen Tagen verbrennt ihn die sengende Balkansonne. Von Deutschland aus fährt Bauer immer ostwärts durch Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien bis hinein in die gigantische Wasserlandschaft des Donaudeltas zwischen Bulgarien und Rumänien, jeden Tag im Schnitt 70 Kilometer weit. Wenn er unterwegs nicht auf dem Boden in Bootsschuppen schläft, ruht sein geschundener Körper auch mal eine Nacht in einem weichen Pensionsbett oder einem Hotel, wo er drei Portionen Gulaschsuppe auf einmal verschlingt, um wieder zu Kräften zu kommen.

Thomas Bauer: Ostwärts. Zweitausend Kilometer Donau. Wiesenburg Verlag, 216 Seiten, 24,80 Euro.

Neben dem Kampf mit den Naturgewalten und der Suche nach Nahrung oder einem Schlafplatz findet Bauer noch Zeit fürs Schreiben. Tag für Tag dokumentiert er seine Abenteuer, seine Begegnungen an ungewöhnlichen Orten und mit hilfsbereiten Menschen. Bei alledem versucht er die Geschichte Europas zu verstehen, die aufs Engste mit dem großen Strom verknüpft ist.

Thomas Bauer schafft die Gewalttour in der Rekordzeit von 30 Tagen mit viel Optimismus, Elan und Beharrlichkeit. Man muss es ihm nicht gleichtun, nicht jeder braucht diese Erfahrung und einen solchen Triumph. Man kann einfach sein unterhaltsames Buch lesen.

Uta Linnert

fairkehr 3/2019