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Politik 6/2012

VCD Bahntest 2012/2013: Bahn-Flug-Kostencheck

Der VCD hat die Preise von Bahn und Flugzeug auf zehn ­innerdeutschen Reisestrecken unter die Lupe genommen. Die Bahn ist fast immer günstiger.

Foto: Markus Bachmann

Reisende können sich den Preisvergleich zwischen Bahn und Flugzeug sparen, wenn sie innerhalb Deutschlands unterwegs sind, und gleich in den Zug steigen. Die Bahnfahrt ist fast immer billiger als der Flieger.

Das ist das wichtigste Ergebnis des VCD Bahn-Flug-Kostenchecks. 540 Tests hat das Hamburger Forschungsinstitut Quotas im Auftrag des VCD durchgeführt. Bei den 270 untersuchten Verbindungen war nur in 23 Fällen die Bahnreise teurer als die Flugreise. „In über 90 Pro­­zent der untersuchten Reiseverbindungen ist das Flugzeug teurer als die Bahn“, sagt Heidi Tischmann, VCD-Referentin und Projektverantwortliche für den VCD Bahntest.

Die Preise variieren, je nachdem wie lange vor der Reise das Ticket gebucht wird. Das trifft auf Flug- genauso wie auf Bahnreisen zu. Auch der Wochentag und die Tageszeit der Reise schlägt sich auf den Preis nieder. Deshalb haben die Hamburger Forscher drei Testgruppen gebildet. Sie schickten eine alleinreisende Geschäftsfrau auf einen Termin zwischen 12 und 16 Uhr mit Handgepäck durch Deutschland, weiter zwei Personen auf Wochenendreise mit je einem Gepäckstück. Als dritte Testgruppe ging eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern im Alter von acht und zehn Jahren auf eine zweiwöchige Urlaubsreise. Keine der fiktiven Testreisenden war im Besitz einer Bahncard. Für alle Reisen innerhalb einer Testgruppe waren dieselben Reisedaten zugrunde gelegt.

„Der ökologische Verkehrsclub VCD kann endlich mit Vorurteilen aufräumen“, verkündet Referentin Tischmann das Ergebnis. „Nicht nur aus umweltpolitischen Gründen, sondern auch wegen der günstigeren Preise empfehlen wir innerhalb Deutschlands in jedem Fall die Reise mit der Bahn.“

Werden alle vom VCD angenommenen Reisearten gemeinsam zugrunde gelegt, ist auf der Verbindung München–Frankfurt die Bahnfahrt im Vergleich zur Flugreise am günstigsten. Hier betrug der Bahnpreis im Durchschnitt 47 Prozent des Flugpreises. Zwischen Bonn und Berlin erzielen Reisende durchschnittlich die geringste Ersparnis. Geschäftsreisende sparen auf der Strecke München– Frankfurt durchschnittlich 135 Euro, zwischen Köln/Bonn und München durchschnittlich 37 Euro.

Bei Wo­chenendreisen betrug die größte durchschnittliche Einsparmöglichkeit während der VCD-Testphase 333 Euro auf der Verbindung von Düsseldorf nach München, am niedrigsten war sie für die Reise zwischen Köln/Bonn und München mit 130 Euro. Bei der Urlaubreise erzielte die Testfamilie auf der Strecke von Frankfurt nach Hamburg mit 610 Euro die größte durchschnittliche Einsparmöglichkeit. Am niedrigsten war sie für die Urlaubsreise von Köln/Bonn nach Berlin mit 284 Euro.

Wer sein Ticket erst einen Tag vor der Reise kauft, kommt mit der Bahn so gut wie immer günstiger weg. Spontanreisende erzielen dann die höchste Ersparnis gegenüber dem Flug. Am geringsten ist die Einsparmöglichkeit für Bahnfahrten bei der Buchung vier Wochen vor der Reise. Dann sind die Flugtickets immer noch relativ günstig. Absolut gesehen bekommt den niedrigsten Preis für eine Bahnfahrt, wer seine Buchung drei Monate vor der Reise tätigt, weil die Deutsche Bahn dann noch viele Sparpreise im Angebot hat.

Uta Linnert

Bahnpreisanteil im Verhältnis zum Flugpreis

Infografik: Marc Venner

Durchschnitt aller Abfragen: Geschäftsreisen, Wochenend- und Urlaubsreisen mit unterschiedlichem Buchungsverlauf

Quelle: VCD Bahntest 2012/2013, Quotas

Fakten und Forderungen

Mit fairen Wettbewerbsbedingungen und übersichtlicher Information zu Preisen und Angeboten könnte die Bahn ihre Vorzüge noch besser ausspielen.

Werden Geschäftsreisen mit dem Flugzeug zurückgelegt, geschieht dies oft aus Gewohnheit. Oder die mit der Reiseorganisation vertrauten Abteilungen in den Unternehmen sind schlichtweg nicht mit der Buchung von Bahnfahrkarten vertraut. Mit seinem Bahn-Flug-Kostencheck zeigt der VCD nun, dass es sich nicht nur für Privatleute, sondern auch für Unternehmen, Behörden und Verwaltungen finanziell lohnt, für innerdeutsche Dienstreisen die Bahn zu nutzen und nicht das Flugzeug.

„Am besten ist es, wenn Firmen und Behörden in ihrer Reiserichtlinie festschreiben, dass Mitarbeiter ihre Dienstreisen innerhalb Deutschlands generell mit der Bahn zurücklegen“, sagt Michael Ziesak. Der Bundesvorsitzende des VCD fordert besonders die öffentlichen Verwaltungen und Ministerien auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre Beamten und Angestellten mit dem Zug auf Reisen zu schicken. So könnte die öffentliche Hand viel Geld sparen. Außerdem ist der Energieverbrauch eines Inlandsfluges fast fünfmal höher als der einer Bahnfahrt. Schon deshalb sei es ratsam, die Bahn dem Flugzeug vorzuziehen, sagt der VCD-Vorsitzende.

„Immer mehr Unternehmen ge­ben der Bahn den Vorzug gegenüber dem Flugzeug, meist aus umweltpolitischen Gründen und um ihr umweltpolitisches Image zu verbessern“, sagt Ziesak. Die öffentlichen Arbeitgeber hätten hier noch Nachholbedarf.

Der innerdeutsche Flugverkehr ist völlig energiesteuerbefreit. Die Fluggesellschaf­­­ten müssen weder Kerosin- noch Ökosteuer bezahlen. Die Eisenbahnunternehmen zahlen dagegen sowohl die Mineralölsteuer als auch die daran gekoppelte Ökosteuer. „Die Beseitigung der steuerlichen Vorteile des Flugverkehrs gegenüber der Bahn ist überfällig“, sagt Ziesak, denn diese führten zu einer erheblichen Subvention des klimaschädlichsten Verkehrsmittels.

Außerdem fordert der VCD den Gesetzgeber auf, das deutsche Reisekostenrecht zu ändern. Eine steuerliche Gleichbehandlung von Bahnfahrten und Dienst­reisen mit dem Pkw ist lange überfällig. Es müsse außerdem möglich sein, dass Dienstreisen mit der privat erworbenen BahnCard 100 geltend gemacht werden können.

Für Privatpersonen wie auch für Unternehmen ist die Vielfalt der Bahnpreise unübersichtlich und damit abschreckend. Die Vielfalt an rabattierten Fahrscheinen groß. Allein im Fernverkehr der DB gibt es unzählige Möglichkeiten, Rabatt auf ein Normalticket zu bekommen. Bundesvorsitzender Ziesak wird deshalb nicht müde, eine Uraltforderung des VCD an die Deutsche Bahn zu richten: „Das Bahnpreissystem im Fernverkehr muss einfacher werden. Auf Privatpersonen und Unternehmen wirkt die Vielfalt der Bahnpreise unübersichtlich und damit abschreckend.“

Wünschenswert sei die Einführung eines Deutschland-Tarifs als Entfernungstarif. Der Preis hängt dann ausschließlich von der Länge der Reisestrecke ab und gilt in allen Zügen des Nah- und Fernverkehrs. Einfacher und attraktiver wird Bahnfahren auch, wenn Züge häufig fahren, mindestens stündlich und möglichst immer zur selben Minute bis in die späten Abendstunden hinein. Damit lange Umsteigezeiten in den Bahnhöfen entfallen, müssen die Bahnverbindungen aufeinander abgestimmt sein. Daher fordert der VCD die Einführung eines integralen Taktfahrplans – den Deutschland-Takt.

Uta Linnert

fairkehr 2/2019