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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

Titel 1/2012

Europa bleibt ein Nischenmarkt

Das größte Hindernis für eine Bahnreise durch Europa ist der Weg zum richtigen Fahrschein.

Foto: iStockphoto.comSie hat den richtigen Fahrschein gefunden.

Für viele Bahnexperten liegt das Hauptproblem der europäischen Bahnen in den unübersichtlichen Angeboten und Preisen. Die EU hatte die Unternehmen 2007 verpflichtet, Verbindungs- und Preisdaten Reisebüros oder Buchungsportalen zugänglich zu machen.

Die Hoffnung: Wenn die Daten erst einmal zur Verfügung stehen, finden sich Anbieter wie Opodo, Swoodoo oder Expedia, die die Bahnen in ihren Preisvergleich aufnehmen. Die meisten Bahngesellschaften stellen ihre Daten inzwischen zur Verfügung. Das Billigflugportal Opodo bindet die DB unter „Bahn-/ Flugvergleich“ ein. Es kann vorkommen, dass die Bahn auf der Strecke Köln–Amsterdam oder Köln–Paris an erster Stelle landet. Allerdings ist das Bahnangebot mehr als lückenhaft wiedergegeben.

Für nichtspezialisierte Reisebüros bleibt der Verkauf europäischer Bahntickets uninteressant. Der Beratungs- und Buchungsaufwand ist groß, und die Provisionen der Bahngesellschaften liegen im unteren einstelligen Bereich. Nur wer täglich oder wenigstens wöchentlich mit dem spanischen, russischen oder schwedischen Buchungssystem zu tun hat, kennt Fahrpläne, Tarife und Buchungsprogramme so gut, dass er optimale Angebote ermitteln kann.

Auf der Suche nach der besten Verbindung

Siegfried Klausmann von der Freiburger Bahnagentur Gleisnost sucht seit über zwanzig Jahren im Auftrag seiner Kunden nach den besten Verbindungen und den günstigsten Bahntickets. Knapp dreißig Mitarbeiter beschäftigt Klausmann in den beiden Freiburger Geschäftsstellen. Die Kunden aus ganz Europa melden sich telefonisch oder per E-Mail. Die Tickets kommen per Post zu ihnen oder können mit einem Code am DB-Automaten ausgedruckt werden. Ähnlich arbeitet die Agentur Kopfbahnhof in Berlin. Viele ihrer Kunden sind Firmen, die sich In- und Auslandstickets für Geschäftsreisen ausstellen lassen.

Die internationale Buchungsplattform, die die Railteam-Mitgliedsbahnen vor einigen Jahren angestrebt hatten, ist gescheitert. Zehn Millionen hatten die Partner investiert, ohne dem europäischen Online-Ticket näher zu kommen. Gutachter ermittelten, dass mindestens noch einmal das Zehnfache investiert werden müsste, um die unterschiedlichen und komplexen Einzelsysteme zu vereinheitlichen. „Es war die Wirtschaftskrise“, sagt Railteam-Geschäftsführer Stephan Köster schulterzuckend. „Da gab es dringlichere Probleme, als noch mehr Geld für eine europäische Buchungsplattform auszugeben.“ Für die nationalen Bahngesellschaften bleibt der europäische Fernverkehr ein Nischenmarkt.

Regine Gwinner

fairkehr 3/2022

Cover der fairkehr 3/2022 zum Thema Klima: Alarmstufe Rot!