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Kolumne 1/2011

Das Erneuerbare-Kilometer-Einspeisegesetz

Foto: iStockphoto.comDa kommt Freude auf: Für jeden gefahrenen Radkilometer gibt es 20 Cent.

Manchmal sind die Aussagen von Kon­zernchefs sehr erhellend. ­Beispielsweise von Daimlerchef Zetsche. Er hält Photovoltaik-Förderung in Deutschland für Blödsinn. Laut Stuttgarter Zeitung verkündete er, die staatliche Unterstützung für Elektroautos sei ­sicher­lich relevanter für Deutschland als „die Windräder oder Sonnendächer, die alle in China ­produziert werden“. Kann diese überraschende Einschätzung damit zu tun haben, dass Solarmodule keine Räder haben? Auf jeden Fall ist es ein schöner Beweis, welch irre Unkenntnis in den höchsten deutschen Konzernetagen herrscht. Windräder aus China? Aber Herr Zetsche, in Deutschland werden bisher doch kaum chinesische Windräder aufgestellt. Chinesische Module? Ungefähr 50 Prozent der Photovoltaik-Module in Deutschland wurden in China produziert. Dabei blieb allerdings jede Menge Wertschöpfung bei deutschen Betreibern, Installateuren und Kommunen hängen.

Gegenfrage: Wie sieht es denn mit den deutschen Autos aus? Wären Steuergelder für Zetsches Elektroträume 100 Prozent Deutschland? Ich sage: Pfeifendeckel. Deutsche Autos sind gar nicht mehr so deutsch wie ein deutscher Schäferhund. Laut „Spiegel Online“ besteht selbst die in Deutschland gebaute Mercedes-E-Klasse nur noch zu 65 Prozent aus deutschen Bauteilen. Die in den USA produzierte M-Klasse kommt sogar nur auf 35 Prozent Germany! Voll schockierend.

Wie jeder weiß, bin ich generell gegen plumpe Kaufprämien für Elektroautos, nicht wegen chinesischer Bauteile, sondern wegen der Kosten-Nutzen-Analyse. Es gäbe einfach mehr für weniger Geld, wenn man beispielsweise Milliarden in den Fahrradverkehr investieren würde. Nein, heute geht es nicht schon wieder um überdachte Radwege. Hier kommt die Weltpremiere eines revolutionären Fördermodells, dass den Fahrradverkehr in Deutschland in kurzer Zeit verzehnfacht: das Erneuerbare-Kilometer-Einspeisegesetz. Es etabliert die Fahrrad-­Kilometer-Einspeisevergütung. Gezahlt wird eben kein Kaufbonus pro Fahrrad, gezahlt wird nach Fahrleistung. Abgeschaut bei der erfolgreichen Einspeisevergütung für erneuerbare Energien. Fahrradkilometer sind nämlich auch ­erneuerbar, weil der Radler mehr oder weniger Biomasse ist. Was liegt da nä­her, als erneuerbaren Verkehr monetär zu belohnen?

Wie das gehen soll? Ganz einfach: Ein staatlich versiegelter Computer misst die Kilometerleistung und am Ende des Jahres wird abgelesen. Für jeden Kilometer gibt es 20 Cent Einspeisevergütung. Das wären bei 5000 Kilometern Fahrleistung im Jahr 1000 Euro Cash. Zum Brötchenholen schnell mit dem Auto? Nein, da würde doch jeder lieber ein paar erneuerbare Kilometer einspeisen und die Teilchen damit finanzieren.

Natürlich würde, anders als die Elektroauto-Förderung, die Einspeisevergütung den Staatshaushalt nicht belasten. Es wäre ein Umlagesystem, finanziert durch die Über-130-km/h-Abgabe. Heute lässt sich nämlich per Satellit leicht feststellen, welches Fahrzeug auf der Autobahn wie viele Kilometer schneller als 130 km/h brezelt. Das wird am Ende des Jahres einfach beim Autofahrer zuhause abgerechnet – mit 20 Cent pro Kilometer. Eine typische Win-win-Situation. Rasen hätte endlich einen echten Zusatznutzen, toll für das Image der Raser.

Und dieses Fördersystem macht sogar durch die nationale Brille gesehen Sinn. Geld für erneuerbare Fahrradkilometer wäre die definitive Investition in deutsche Luft, deutsche Lebensqualität und deutsche Waden. Auch wenn die ShimanoSchaltung wahrscheinlich aus Malaysia kommt.

Martin Unfried

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