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Magazin 1/2010

Deutschland sucht den Monstertruck

Die Bundesregierung plant einen bundesweiten Feldversuch mit Riesen-Lkw.

Obwohl sich die Landesverkehrsminister 2007 gegen ­Riesen-Lkw auf Deutschlands Straßen ausgesprochen haben, plant die Bundesregierung einen bundesweiten Feldversuch mit den sogenannten ­Gigalinern. Im Frühjahr wird sich, so die Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine SPD-Anfrage, eine Arbeitsgruppe bilden, um den zweijährigen „Feldversuch zu konzipieren“. Er solle Aufschluss darüber bringen, inwiefern die mehr als 25 Meter langen Lastwagen durch ihr größeres Ladevolumen dazu beitragen könnten, Lkw-Fahrten zu vermeiden.

VCD-Güterverkehrsexpertin Heidi Tischmann bezeichnete den bundesweiten Versuch als sinnlos. Es habe bereits ausreichend Modellversuche in einzelnen Bundesländern sowie Studien zu Gigalinern gegeben – diese Ergebnisse müsse man einfach nur auswerten. „Mit der Zulassung von Riesen-Lkw würden mehr Lastwagen auf Deutschlands Straßen unterwegs sein, nicht ­weniger“, sagt Tischmann. „Durch den zusätzlichen Laderaum wird der Lkw-Verkehr um 25 Prozent billiger. Das würde dazu führen, dass Güter vom Binnenschiff und von der Bahn auf Lkw verlagert würden.“ Es sei absurd, dass Bundesverkehrsminister Ramsauer ankündige, den Schienengüterverkehr stärker ausbauen zu wollen, und gleichzeitig Feldversuche mit Gigalinern starte.

Die EU-Kommission arbeitet zurzeit an einer Richtlinie, nach der Riesenlaster europaweit zugelassen werden müssten. „Deutschland hat das Tor für Monstertrucks geöffnet“, sagt Tischmann. „Es wird auf EU-Ebene kein Bremser sein.“

Kampagne gegen Monstertrucks: www.nomegatrucks.eu

fairkehr 4/2019