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Magazin 1/2010

Erschienen

Wie in Zeitlupe erleben wir den Anfang vom Ende des fossilen Zeitalters. Gleich vier historische Höhepunkte werden in diesem Jahrhundert die Energieversorgung auf den Kopf stellen: Es beginnt mit dem Erreichen des weltweiten Fördermaximums für Öl, dann folgen Gas und Kohle. Auch beim Uran werden wir den Gipfel des Abbaus erleben. Dann startet die zweite, die ungemütliche Halbzeit der fossil-nuklearen Ära. Die alten Grundfesten der Energieversorgung wackeln, die neue postfossile Zeit ist nur zu erahnen. Bei manchen macht sich Angst breit, wie es weitergeht, wenn die Ölförderung bis 2030 oder 2040 tatsächlich um die Hälfte schrumpft.

Wer sich solche Sorgen macht, sollte dieses Buch lesen. Nicht weil es für naiven Optimismus steht. Sondern weil es neben den Risiken eines fossilen Strukturbruchs auch die Chancen für eine andere Mobilität sieht, jenseits von Raserei und tiefer gelegten Glücksgefühlen im blank gewienerten Sechszylinder.

Eine Stärke des Buchs ist die Gesamtschau auf alle fossilen Energieträger. Schnell wird klar, dass weder Gas noch Kohle, noch Teersand die Lösung ist, wenn Erdöl knapp und teuer wird. Klar wird aber auch, dass die Erlöserphantasie aus erneuerbaren Energien plus Effizienz allein noch keine Mobilitätsrevolution macht. Wie die postfossile Mobilität aussehen wird, können die Autoren nur in Umrissen skizzieren. Ein Fingerzeig kommt aus China: Dort werden derzeit doppelt so viele E-Fahrräder verkauft wie Autos.

Manfred Kriener

Jörg Schindler, Martin Held, Gerd Würdemann: Postfossile Mobilität. Wegweiser für die Zeit nach Peak Oil. VAS-Verlag 2009, 302 Seiten, 19,80 Euro

Nichts hat das Bild unserer Erde so verändert wie das Öl. Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky hat zwölf Jahre lang in der ganzen Welt die Auswirkungen dieses Rohstoffs auf die Natur fotografiert. Um den distanzierten Blick von oben auf die Szenen zu haben, stieg er auf Kräne und in Hubschrauber. In einem großartigen Bildband zeigt der Steidl-Verlag jetzt diese Aufnahmen: Förderanlagen gigantischen Ausmaßes in der kalifornischen Wüste nehmen am Horizont kein Ende, kühl zerschneiden silbrig glänzende Pipelines den kanadischen Nadelwald, Müllhalden mit ausrangierten Autoreifen bilden surreale Landschaften, in gigantisch großen Autobahnkreuzen schrauben sich vielspurige Highways in Los Angeles über- und untereinander.

Die stärksten Aufnahmen sind jene, die das Ende des Öls zeigen: verseuchte Flüsse, zernarbte Landschaften, abgewrackte Autos, aufgegebene Fabrikationsstätten und Felder mit US-Kampfbombern, die nie wieder fliegen. Ganz zum Schluss zeigt Burtynsky Männer in Bangladesch, die mit bloßen Händen ausrangierte Tanker zu Schrott zerlegen. Sie hantieren mit verschmutzten Ölfässern, barfuß im giftigen schwarz glänzenden Ölschlamm. Diese Trostlosigkeit steht am Ende einer Produktionskette, aus der die industrielle Welt ihren Wohlstand zog.

Uta Linnert

Edward Burtynsky: Oil. Steidl-Verlag, Göttingen 2009, 216 Seiten, 98 Euro

fairkehr 4/2019