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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

Titel 3/2009

Fit und schlau

Mehr Bewegung im Alltag macht nicht nur schön, sondern auch glücklich.

Foto: www.pixelio.de/Stihl024Schon ein leichter Spaziergang sorgt für eine bessere Durchblutung, ­stimuliert Herz, Kreislauf, Haut und Hirn und lässt uns schöner und gesünder aussehen.

Regelmäßige körperliche Aktivität und körperliche Fitness sind wichtige Faktoren, um Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten oder herzustellen. Der Bewegungsreiz ist der wichtigste Reiz für die verschiedenen Organsysteme unseres Körpers und lässt deren Funktion fast ein Leben lang erhalten.

Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-System: Regelmäßige moderate Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder andere Ausdauerformen regt das Herz-Kreislauf-System an und optimiert die Stoffwechselprozesse. Ein solches Training verbessert sämtliche Herzfunktionen und stimuliert die Durchblutung der Organe, so dass der Körper leistungsfähiger ist. Zusätzlich ist regelmäßige Bewegung entscheidende Hilfe beim Gewichtsmanagement. Auch die körpereigenen Abwehrkräfte werden durch regelmäßige körperliche Aktivität aufgrund einer Aktivierung der Killerzellen erhöht, so dass man gesund und fit bleibt.

Muskel-Skelett-System: Ein einfaches ein- bis zweimal pro Woche durchgeführtes Muskel- bzw. Krafttraining ist für die Gesundheit von Muskeln und Skelett elementar wichtig. Der Nutzen wird völlig unterschätzt. So ist bewiesen, dass selbst Treppensteigen zu einer Verbesserung der Knochendichte führt und hilft, Osteoporose zu verhindern. Nicht anders sieht es mit dem Erhalt der Muskelmasse aus, die ab dem 25. bis 30. Lebensjahr bei Menschen, die sich nicht bewegen, jedes Jahr um ein Prozent abnimmt.

Die Muskelfasern mit ihren motorischen Einheiten sind aber unerlässlich, wenn es um das reibungslose Zusammenspiel zwischen Gehirn und den einzelnen Muskeln geht. Ist unsere Muskulatur nicht ausreichend funktionsfähig, so kann sie ihrer Aufgabe als Stützorgan des passiven Bewegungsapparates, das sind Knochen, Sehnen und Bänder, nicht mehr gerecht werden. Mit zunehmendem Alter steigt damit vor allem die Sturzgefahr mit den daraus oft resultierenden Knochenbrüchen. Unsere Bewegungen werden in der Folge weniger geschmeidig, es verschlechtert sich unsere Koordination bei allen Bewegungen.

Was oft vergessen wird, ist auch die Tatsache, dass die Muskulatur unser größtes und wichtigstes Stoffwechselorgan darstellt. So ist nachvollziehbar, dass ein Mehr an Muskelmasse zu einem höheren Grundumsatz und Gesamtenergieumsatz beiträgt. Funktionsfähige Muskelfasern verbrauchen pro Kilogramm Muskelmasse etwa 30 bis 40 Kilokalorien am Tag, ohne dass der Mensch dafür aktiv werden müsste. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass untrainierte, kraftlose Muskeln über kurz oder lang zu einer Störung des Stoffwechsels führen. Denn ohne Muskeln ist der gesamte Stoffwechsel gestört und läuft aus dem Ruder.

Foto: Photocase

Gehirn: Studien aus der Hirnforschung zeigen, dass Muskeln als Motor unseres Gehirns angesehen werden können! So ist es für die gesunde Hirnentwicklung besonders wichtig, im Kindesalter ausreichend Bewegungsreize geboten zu bekommen. Im fortgeschrittenen Alter hilft regelmäßige Bewegung, möglichst lange aktiv zu bleiben, und wirkt Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz entgegen oder mildert sie ab. Dabei ist es unerheblich, ob Ausdaueraktivitäten wie Laufen, Spazieren, Radfahren, Schwimmen oder kraftbetonte Sportarten wie Gymnastik oder Muskeltraining im Geräteraum die Muskeln aktivieren. Schon niedrige Belastungen auf dem Fahrrad­ergometer oder ein ganz langsamer Spaziergang führen in bestimmten Gehirnabschnitten zu einer etwa 20 Prozent erhöhten Durchblutung bestimmter Hirnareale. Auch eine Neubildung und -verzweigung von Nervenzellen des Gehirns kann durch Bewegung erreicht werden. Bewegung macht also schlau – und das ein Leben lang.

Wohlbefinden: Während der körperlichen Aktivierung wird in unserem Körper eine ganze Lawine von Botenstoffen ausgelöst. Bewegung übernimmt einen regulierenden Einfluss auf unser Hormonsystem. Dabei kann es sich ausgleichend auf unsere Gefühle und Stimmung auswirken. Endorphine, aber auch Serotonin, häufig als Glückshormone bekannt, steigen bei körperlicher Tätigkeit um das Drei- bis Vierfache an und wirken im Gehirn wie ein Schmiermittel für positive Gefühle.

Ingo Froboese

Der Autor ist Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. 

fairkehr 3/2022

Cover der fairkehr 3/2022 zum Thema Klima: Alarmstufe Rot!