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Radfahrende sind auf der Rue de Rivoli in Paris unterwegs.
Foto: Tim Albrecht
Meteorologe Özden Terli steht vor der Wetterkarte.
Foto: ZDF/Torsten Silz
Ein Regionalzug fährt über eine Brücke über den Fluss Sieg.
Foto: Uta Linnert

Reise 3/2009

Grüne Oasen in der Stadt

Immer mehr Menschen pachten ein Grundstück in einer Kleingartenanlage und genießen die Laubenidylle als Ausgleich zum stressigen Alltag.

Foto: Marcus GlogerDie Zeit im Schrebergarten ersetzt den Urlaub: Besonders oft pachten junge Familien eine Parzelle für den ökologischen Gemüse­anbau – und für die Buddelkiste ist auch noch Platz.

Iris Fliedner schneidet Salat. Im Hochbeet neben der von Wein umrankten Laube muss sie sich dafür nicht einmal bücken. Nebenan im Gewächshaus hängen noch ein paar reife Tomaten und so hat die 44-Jährige ruckzuck das Abendessen für ihre Familie zusammen. Nur ein paar Minuten braucht sie mit dem Fahrrad von ihrer Wohnung in Herne zur Ökokleingartenanlage Kraut und Rüben mitten im Ruhrgebiet. Für Iris Fliedner, ihren Mann Mario und die beiden Kinder Jessika und Sebastian ist der Garten wie ein zweites Wohnzimmer. Sie grillen hier mit Freunden, gucken in die Sterne, üben Einradfahren oder halten Schwätzchen mit einem der 50 Laubennachbarn. Fernseher sucht man vergebens – an Strom sind die Lauben der Kleingartenanlage nicht angeschlossen. Das gehört zum ökologischen Konzept.

Die Parzellen sollen einerseits der Erholung dienen, andererseits zum Gemüse- und Obstanbau genutzt werden. Und zwar kontrolliert biologisch ohne Pflanzenschutzmittel, ohne chemischen Dünger. „Indem wir ökologisch gärtnern, tun wir etwas für die Artenvielfalt und für unsere Gesundheit“, sagt Iris Fliedner. Im Frühling ernten sie junges Gemüse, im Spätsommer hängen Trauben an der Laube und Äpfel und Pflaumen an den Bäumen, im Herbst organisieren sie zusammen mit den anderen Kleingärtnern das Kürbis-Laternenfest und im Winter werden Schneemänner gebaut und in den Lauben duftet es nach Glühwein. „Von einem Schrebergarten profitiert man das ganze Jahr“, sagt die Gartenliebhaberin. Aber er bedeutet auch einiges an Arbeit.

Voll im Trend

Selbstversorger in der Stadt – damit sind die Fliedners nicht altmodisch, sondern liegen voll im Trend. Sie stehen für den Generationswechsel in Deutschlands Laubenkolonien, von dem eine aktuelle Studie des Bundesministriums für Stadtentwicklung spricht. In den Großstädten gönnen sich demnach immer mehr junge Familien eine grüne Parzelle und sorgen für frischen Wind. Noch liegt der Altersdurchschnitt der Schrebergärtner bei ungefähr 60 Jahren. Die Mitglieder von Kraut & Rüben sind im Mittel 20 Jahre jünger. Die Siedlung feierte 2008 10-Jähriges Bestehen und der ökologische Ansatz hat sich herumgesprochen. Freie Parzellen werden schnell wieder verpachtet. Pro Jahr kostet ein Platz im Schrebergarten um die 300 Euro. Einmalig müssen Pächter eine Ablösesumme von ungefähr 3000 Euro zahlen – je nach Zustand des Gartens und der Laube. Die Flieders sind nicht nur rund um die eigene Laube, sondern auch im Verein weit über die jährlichen 14 Pflichtstunden engagiert. Er kümmert sich um das zur Anlage gehörige Tiergehege mit seinen Schafen, Ziegen und Laufenten. Sie berät als ehrenamtliche Fachreferentin die anderen Kleingärtner in ökologischen Fragen.

Sogar ihre Ferien hat die vierköpfige Familie in den letzten fünf Jahren im Garten verbracht. Eine grüne Oase mitten in der Stadt – da muss man nicht unbedingt wegfahren, um sich zu erholen.

Valeska Zepp

 

fairkehr 3/2022

Cover der fairkehr 3/2022 zum Thema Klima: Alarmstufe Rot!