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Editorial 2/2009

Vom Mehdorn in die Grube

Foto: Marcus Gloger

Bahn frei!“ titelte die „tageszeitung“ nach Hartmut Mehdorns Rücktritt. Für einen kurzen ­Moment konnte man hoffen, dass ein Neuanfang bei der Deutschen Bahn möglich wäre. Schon lange bevor die undemokratischen Überwachungs­methoden der obersten Unternehmensleitung ruchbar wurden, roch man oft den Angstschweiß bei Bahnmitarbeitern. Mehdorn betrachtete die DB AG als seine persönliche Beute und den Börsengang als den krönenden Abschluss seiner ganz eigenen Mission.

Kritiker der autokratischen Herrschaft von Mehdorn, sei es in der eigenen Mitarbeiterschar oder in Presse und Öffentlichkeit, sollten mundtot ­gemacht werden. Mehdorn zeichnete Schriftstücke mit dem Kürzel „G“. Hinter vorgehaltener Hand sagten Mitarbeiter, das stehe für „Gott“. Welchem Werteraster folgt ein solcher Mann?

Vertreter aus Politik und Wirtschaft überschlagen sich jetzt in Lobeshymnen auf den „erfolgreichen Manager“ Mehdorn. Gemessen an den immer noch gültigen Maßstäben der sich gegenseitig „kontrollierenden“ Großunternehmensführerkaste mag das gelten. Mehdorn hat ein defizitäres Staatsunternehmen zu einem „Global Player“ gemacht und im letzten Jahr 1,3 Milliarden Gewinn eingefahren. Für die Bonuszahlung mag das reichen, nicht für die Zukunftsfähigkeit des Verkehrsträgers Bahn.

Die Bahn ist ein unentbehrliches Rückgrat einer klimaschonenden Mobilität. Doch Mehdorn konzentrierte sich auf wenige Hochgeschwindigkeits­strecken zwischen Großstädten und auf Bahnhofsgroßprojekte. Gleichzeitig vernachlässigte er Klein- und Mittelstädte. Das Netz in der Hand des Monopolunternehmens rottet jenseits der ICE-Trassen vor sich hin – zugunsten der Bilanz, zulasten der Fahrgäste.

Kurz nach Mehdorns Rücktritt verkündete die Bahn eine Umweltoffensive. 10000 Bäume sollen gepflanzt und der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix der Bahn soll erhöht werden. Die Bäume: geschenkt. Das Engagement des Großabnehmers DB AG in erneuerbare Energien: längst überfällig. 56 Prozent des Bahnstroms werden fossil ­erzeugt, 26 Prozent atomar.

Noch vor kurzem bestellte die DB AG 130 neue Dieselloks – ohne Partikelfilter. Gespart wird an der Gesundheit der ­Anwohner – zugunsten der Bilanz. Im Durchschnitt produziert der ­öffentliche Verkehr nur ein Drittel der Klimagase des Autoverkehrs. Wo bleibt das Konzept der Großen Koalition für eine massive Ausweitung des öffent­lichen Verkehrs, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu begrenzen?

Und wo bleibt der Bahnchef, von dem man erwarten kann, dass er die ­Besonderheiten des Verkehrsträgers Bahn begreift und zugunsten eines ­umweltfreundlicheren Verkehrs in die Waagschale wirft? Bei Mehdorns Nachfolger Rüdiger Grube sind Zweifel angebracht. Er kommt, wie die Süddeutsche Zeitung titelte, aus „demselben Lokschuppen“ wie Mehdorn. Grube war Mehdorns Büroleiter, als dieser die Deutsche Airbus GmbH führte. Aktuell ist er Daimler-Vorstand und Verwaltungsratschef des Rüstungskonzerns EADS. Allein dass er zu den Gewerkschaften nett ist, reicht nicht als Qualifikationsnachweis.
Schöne Bahnfahrten ohne Störungen im Betriebsablauf wünscht Ihnen

Michael Adler

fairkehr 2/2019