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Titel 1/2009

Nie wieder das falsche Ticket kaufen

Foto: Marcus Gloger

Wir sind auf einem guten Weg zu einem einheitlichen Fahrschein für ganz Deutschland“, sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, als er Anfang Dezember 2008 den Startschuss für das Projekt „e-Ticket Deutschland“ gab. Einsteigen, identifizieren, losfahren – über die Grenzen aller Verkehrsverbünde, Tarifgrenzen und Preisstufen hinweg. Mit dem elektronischen Fahrschein soll das in ein paar Jahren Realität sein. „Im 21. Jahrhundert muss es möglich sein, per Chipkarte oder Handy sowohl einen Fahrschein für die U-Bahn in Berlin als auch für die Busfahrt in München zu lösen“, betonte Tiefensee. Das Verkehrsministerium fördert die noch nötigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit etwa zehn Millionen Euro. Das Geld geht an acht Verkehrsunternehmen und -verbünde, die das System einführen und weiterentwickeln sollen, darunter der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB, die Berliner Verkehrsbetriebe BVG, der Verkehrsverbund Oberelbe VVO, der Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV und der Hamburger Verkehrsverbund HVV.

Bis voraussichtlich Ende 2010 werden beispielsweise Abonnenten und Inhaberinnen einer Jahreskarte in der Region Berlin-Brandenburg eine Chipkarte erhalten und das System anschließend auf Herz und Nieren prüfen. In einer weiteren Ausbaustufe sollen die Karten auch an Gelegenheitskunden ausgegeben werden, die dann ohne große Kenntnisse von Tarifzonen und Preisstufen sorgenfrei ein- und umsteigen können. „Durch die sogenannte Interoperabilität wird ein Fahrgast aus der Region Berlin-Brandenburg mit seinem Ticket künftig auch in Frankfurt oder Dresden fahren“, erklärte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz.

Datenschützer wenden gegen das e-Ticket ein, dass damit Bewegungsprofile von einzelnen Personen noch leichter zu erstellen sind. Befürworter sehen in der elektronischen Fahrkarte jedoch einen wichtigen Schritt hin zu einem noch attraktiveren ÖPNV.

„Natürlich kommt es auf die endgültige Ausgestaltung des eTickets an“, sagte VCD-Bahnreferentin Heidi Tischmann. „Grundsätzlich ist es aber als positiv zu werten, dass Kundinnen und Kunden künftig nur noch einen einheitlichen Fahrschein für ganz Deutschland brauchen und nie wieder mit einem falschen Ticket in einer fremden Stadt aus Versehen zu Schwarzfahrern werden.“
Das Bus- und Bahnfahren in einer fremden Stadt würde allerdings auch – ganz ohne aufwändige Technik – durch gut informiertes Personal erleichtert, das auch einmal „Fünfe gerade sein“ lässt und vom Unternehmen den Auftrag bekommt, Fahrgäste als echte Kunden zu behandeln.

Kirsten Lange

www.eticket-deutschland.de

fairkehr 5/2019