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Service 1/2009

Dafür ist man nie zu alt

Menschen mit Bewegungseinschränkungen können mit Spezialrädern bis ins hohe Alter mobil sein – ein echter Mobilitätsgewinn.

Foto: Peter Barzel

Radfahren? Das kann ich leider nicht mehr.“ Viele Menschen, die auf Dauer gesundheitlich angeschlagen und in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind, geben das Radfahren auf. Weil sie sich unsicher fühlen, Probleme mit dem Gleichgewicht haben oder nicht mehr genug Kraft verspüren. Doch für viele dieser Schwierigkeiten gibt es eine technische Lösung. Manchmal ist es nur ein kleines Detail, das Menschen wieder aufs Rad hilft und neue Lebensqualität schafft. Dann können diese Menschen ihren Aktionsradius aus eigener Kraft wieder erweitern, denn beim Radfahren braucht man weniger Energie und Kraft als zu Fuß. Und die Bewegung an frischer Luft lindert oft die Beschwerden und hält fit.

Mit beiden Füßen auf der Erde

Wem das Aufsteigen auf das Fahrrad zu mühsam geworden ist, weil er oder sie das Bein nicht mehr so gut heben kann, dem sind sogenannte Tiefeinsteiger zu empfehlen. Das sind Fahrräder, bei de­nen das Hauptrahmenrohr zwischen Sattel und Lenker möglichst tief heruntergezogen ist, so dass man den Fuß nur wenig anheben muss: einsteigen statt aufsteigen.

Fotos: Hasebikes
Menschen mit körperlichen Behinderungen können auf Liegedrei­rädern bequem, schnell und sicher unterwegs sein.

Wer sich beim Losfahren oder Anhalten lieber mit beiden Füßen am Boden abstützt und dabei nicht absteigen möchte, kann ein Komfortrad wählen. Bei diesen Rädern sind der Sattel etwas zurück- und die Pedale nach vorn versetzt, wodurch der Abstand zwischen Pedalen und Sattel ausreichend groß bleibt. Aktuell verfügbare Modelle: Patria Merano, van Raam Tavara (Niederlande), Electra Townie, Flux A 10.

Bei Problemen mit dem Gleichgewicht empfiehlt sich ein Dreirad. Dabei ist zu unterscheiden zwischen normal hohen Dreirädern und Sessel- oder Liegedreirädern. Hohe Dreiräder sind wegen des hohen Schwerpunktes nur für langsames Fahren geeignet, weil sie bei zu schneller Fahrt in der Kurve leicht nach außen kippen können. Wenn zwei der drei Räder vorn sind, finden das viele Menschen angenehmer, weil sie die Breite leichter einschätzen können. Es gibt auch Umrüstsätze (Trimobil, Pfautec), mit denen man ein normales Fahrrad zu einem Dreirad mit zwei Rädern hinten umbauen kann. Die niedrigeren Sessel- und Liegedreiräder sind deutlich kurvenstabiler und können deshalb schneller gefahren werden.

Gemeinsam sind wir stark

Wenn die Kraft nicht mehr reicht, um allein zu fahren, kann man sich Unterstützung holen. Beim Tandem hilft ein zweiter „menschlicher Motor“. Wahlweise kann ein zusätzlicher Freilauf im Tretlager dem Schwächeren eine Atempause gönnen, ohne dass angehalten werden muss. Tandems mit den kleineren 20-Zoll-Rädern sind kompakter und bieten meist einen tieferen Einstieg (Bernds, Bike Friday) als große Tandems. Sitz-Liege-Tandems (z.B. Hasebikes Pino) bieten vorn einen Sesselsitz, der guten Halt gibt. Gelenkt wird vom hinteren Fahrer, der normal auf einem Sattel sitzt. Tandems, auf denen man nebeneinander sitzt, sind nur in verkehrsarmen Gegenden zu empfehlen. Auch eine Art Tandem ist die Kombination aus Rollstuhl und Fahrrad, bei dem ein halbes Fahrrad an den Rollstuhl von hinten angedockt wird (Hoening Rollfiets, Van Raam O-Pair).

Rückenwind aus der Steckdose

Nicht immer ist Platz für ein Tandem oder steht ein Tandempartner bereit. Dann hilft ein modernes Elektrofahrrad (vgl. fairkehr 1/2008) mit seinem elektromotorischen Zusatzantrieb. Dieser ist bei Bedarf zuschaltbar und bietet verschieden starke Unterstützungsmodi, je nach Tagesform und Topographie. Elektroantriebe können je nach Fahrradmodell nachgerüstet werden (Bionx, Gruber Assist, Heinzmann, Lohmeyer). Zu empfehlen ist aber ein fertig konfektioniertes Elektrorad, weil da alle Komponenten besser aufeinander abgestimmt sind.

Peter Barzel

Überblick: www.extra-energy.org

fairkehr 4/2019