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Editorial 3/2019

Familienfreundliche Mobilität

Städte für glückliche Kinder

Foto: Marcus GlogerMichael Adler, Chefredakteur

„Holländische Kinder sind die glücklichsten der Welt, sagte Prof. Marco te Brommelstroet auf dem diesjährigen Nationalen Fahrradkongress in Dresden. Warum? Weil sie selbstständig unterwegs sein können.

Vor dem Beginn des automobilen Jahrhunderts waren freilaufende Kinder die Regel, heute sind sie ein Störfaktor. Mikael Colville Andersen brachte es bei der RadKomm in Köln, der Denkfabrik für nachhaltige Mobilität, auf den Punkt: „We double bombed our cities.“ Wir haben unsere Städte zweimal zerbombt, einmal im Zweiten Weltkrieg und dann, als wir sie danach autogerecht wieder aufgebaut haben. Ohne die Bedürfnisse von Menschen, insbesondere von Kindern, zu berücksichtigen.

Wir werden auf enge Bürgersteige gepfercht, oft noch in Konkurrenz zu den natürlichen Verbündeten, den Fußgängerinnen und Radfahrern. Wenn wir Wege in der Stadt oder im Dorf gehen wollen, die uns genehm sind, werden wir gestoppt. Es gibt nur schmale Übergänge über die Straße, die vom Auto beherrscht werden. Wir warten lange an roten Ampeln, um dann über die Straße zu rennen, damit wir den Auto-Verkehrsfluss so kurz wie möglich behindern.

Colville Andersen nennt das „Arroganz des Raumes“ und er setzt gegen die Ingenieursplanung das urbane Design. Er will „desire lanes“, Wunschwege. Eine Stadt, die zu seiner Tochter passt.

Es geht bei fast allem, was wir derzeit verhandeln, um die Zukunft unserer Kinder. Und dass wir sie wieder verhandeln, emotional, engagiert und mit enormer politischer Wucht, das ist das Verdienst der Jugend. Vor einem Jahr kannten außerhalb von Stockholm nur wenige Menschen ein 15-jähriges Mädchen namens Greta Thunberg. Inzwischen haben sie und Hunderttausende andere Kinder und Jugendliche mit #FridaysForFuture das Denken der Welt verändert. Sie demonstrieren für ihre Zukunft. Dafür, dass sie es später mal so gut haben wie ihre Eltern. Sie sprechen unverblümt die Wahrheit aus. Wenn wir uns nicht grundlegend ändern, dann gibt es keine lebenswerte Zukunft mehr. Es war schon immer das Privileg der Jugend, maximale Forderungen zu stellen. Aber vielleicht war es noch nie so existenziell wie heute. Es gibt keinen Planeten B. Die Argumentation vieler Jugendlicher ist schlüssiger als die von oft erschreckend ahnungslosen, aber mächtigen Politikern. Daher plädiere ich für das Wahlrecht ab 16 und für eine wirklich ernst zu nehmende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Verkehrs- und Stadtplanung.

Wir widmen dieses Heft den Familien, die sich in einem kinderfeindlichen Verkehr behaupten müssen. Der VCD kämpft für eine familienfreundliche Mobilität. Seine Aktiven erobern die Straße für Menschen zurück. Damit Kinder frei und selbstständig unterwegs sein können. Machen Sie mit. Hunderttausende Kinder und Jugendliche bei den Freitagsdemonstrationen haben gezeigt: Jetzt ist der Moment für Wandel. Jetzt ist der Moment, den VCD zu unterstützen. Werden Sie Mitglied oder werben Sie Mitglieder, ganz einfach mit der Postkarte auf Seite 9. Bauen wir gemeinsam eine gute Zukunft für alle Generationen.

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen

Michael Adler,
Chefredakteur 

fairkehr 3/2019