fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

Weiherstraße 38 | 53111 Bonn | Telefon (0228) 9 85 85-85 | www.fairkehr-magazin.de

Titel 3/2018

Mobilitätsblogger

#13 Martin Randelhoff

Martin Randelhoff startete 2010 seinen Blog „Zukunft Mobil.“ Heute ist der 29-Jährige als gefragter Redner und Berater auf allen Plattformen unterwegs.

#fairkehrfragt: Jemand fragt dich: Und was machst du so? Deine Antwort?

@zukunftmobil: Ich beschäftige mich tagaus, tagein mit möglichen Zukünften von Mobilität und Stadt, versuche zu ergründen, wie die ganzen technischen Neuerungen wirken und wie wir diese als Gesellschaft bestmöglich einsetzen können. Oder kurz: Ich erkläre, plane und berate.

#fairkehrfragt: Verstehst du dich als Aktivist?

@zukunftmobil: Eher weniger. Ich habe natürlich eine Meinung und eine Haltung, aber ich versuche trotzdem, soweit es geht, objektiv zu bleiben und andere Menschen bei ihren Vorhaben zu unterstützen. Seien es Aktivisten, Bürger, Politiker oder auch Unternehmen.

#fairkehrfragt: Wie kamst du zum Thema Mobilität?

@zukunftmobil: Ich habe als Kind meinen Vater oft vom Bahnhof abgeholt und fand die Züge und das angrenzende Containerterminal immer total spannend. Eigentlich wollte ich mal etwas mit Logistik machen, fand aber am Ende die ganze Bandbreite der Mobilität spannender.

#fairkehrfragt: Welche Themen bewegen dich gerade besonders?

@zukunftmobil: Flächengerechtigkeit und die Verteilung von öffentlichem Raum – nicht nur wegen Free Float Bike­sharing, sondern allgemein. Dann wären da noch das Zusammenspiel von Wohnen und Mobilität, Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung des öffentlichen Raums und Parkraummanagement.

#fairkehrfragt: Du hast Verkehrswissenschaft studiert. Weiterempfehlung für junge Menschen, die im Bereich Mobilität was bewegen wollen?

@zukunftmobil: Klar! Man muss aber nicht zwingend Verkehrs­ingenieurwesen oder Verkehrswissenschaften studieren, um Kompetenzen in dem Bereich zu haben. Ist ja schon eine starke Vorfestlegung für den beruflichen Werdegang. Es gehen auch Raum- und Stadtplanung, Geografie usw.

#fairkehrfragt: 37 800 Tweets in 3 000 Tagen auf Twitter. Das sind 12,6 Tweets pro Tag. Bist du jemals länger offline?

@zukunftmobil: Twittern ist mittlerweile fest in den Tagesablauf integriert. Ich schreibe morgens Tweets vor, gucke, wenn es zeitlich passt, tagsüber mal rein, und am Abend gibt es die nächste Runde. Und meine Freundin zwingt mich schon hin und wieder, das Smartphone wegzulegen.

#fairkehrfragt: Wo siehst du den größten Einfluss deiner Arbeit auf die Offline-Welt?

@zukunftmobil: Ich glaube, es hilft immer, wenn Menschen Antworten auf ihre Fragen oder mit Quellen belegte Fakten und Argumente für Diskussionen finden. Ich hoffe dann immer, dass Entscheidungen in der Realität besser werden. Ich selber sehe mich manchmal wie eine Art Erklärbär für Verkehr.

#fairkehrfragt: Worin siehst du die beste Chance für eine nachhaltige Mobilität?

@zukunftmobil: Als Optimist und Demokrat glaube ich, dass die notwendigen Impulse hierfür von den Menschen, der Gesellschaft selber kommen werden. Dass einfach die Forderung formuliert wird, dass es nicht mehr so weitergehen kann und Veränderungen proaktiv eingefordert werden.

#fairkehrfragt: Zum Schluss eine Blitzrunde. Bitte vervollständige folgende Sätze: Autonomes Fahren ist ...

@zukunftmobil: ... eine Chance für einen massiven Wandel der Mobilitätsbranche, aber keineswegs ein Selbstläufer. Es könnte derart viel verändern, dass der Gestaltungsbedarf extrem groß wird.

#fairkehrfragt: Von der GroKo erwarte ich ...

@zukunftmobil: ... wenig. Da die Hoffnung zuletzt stirbt, hoffe ich jedoch auf die Erkenntnis, dass die Verkehrswende nicht nur eine reine Antriebswende ist und wir Wohlstand, Arbeitsplätze und gesellschaftlichen Zusammenhalt nur mit einem tiefgreifenden Wandel im Mobilitätsbereich bewahren können.

#fairkehrfragt: Auf europäischer Ebene brauchen wir im Bereich der Mobilität ...

@zukunftmobil: ... den Mut und den Willen, Kostenwahrheit im Verkehr herzustellen, fahrleistungsabhängige Straßenbenutzungsgebühren einzuführen und den grenzüberschreitenden Bahnverkehr (Personen und Güter) nachhaltig zu stärken. Und eine substanzielle Förderung von Nachtzügen! :-)

Das ungekürzte Interview können Sie auf unserem Twitter-Kanal @fairkehr nachlesen.

Interview: Tim Albrecht

fairkehr 3/2018