fairkehr VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen

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Service 3/2018

fairkehr-Typentest

Welcher Aktivistentyp bin ich?

Hast du das Potenzial zum Politaktivisten oder zur Politaktivistin?

Politisch sind wir alle – mehr oder weniger. Aber nicht jeden drängt es bei der Demo in die erste Reihe. Es verändern auch nicht immer die am effektivsten die Welt, die am lautesten schreien. Gute Ideen, finanzielle Mittel, praktische Mitarbeit oder geschickte Vernetzung sind mindestens genauso wichtig.

Wo liegt dein Aktivisten-Potenzial? Mach den Test!

Du bist Bürgermeisterin/Bürgermeister eines kleinen Ortes. Mitten durch den Ort führt eine viel befahrene Bundesstraße, die die Lebensqualität und die Sicherheit stark beeinträchtigt. Was tust du?

A) Ich setze auf Bürgerbeteiligung, lade die Bürgerinnen und Bürger zu einer großen Versammlung ein und stelle unterschiedliche Lösungsansätze vor.
B) Ich schicke einen Bautrupp los, der die Straße am Ortsein- und -ausgang aufreißt. Umbauprojekt für drei Jahre. Danach haben sich die Autofahrer an andere Routen und die Bürgerinnen und Bürger ans autofreie Ortszentrum gewöhnt.
C) Ich spende anonym an die Bürgerinitiative für die Ortsumfahrung.
D) Ich installiere eine Messsäule im Ortszentrum, die Bürgerinnen und Bürger laufend über ihre Schadstoffbelastung und das Unfallrisiko informiert.
E) Ich finde die Situation untragbar und denke darüber nach, der Bürgerinitiative beizutreten, wenn ich beruflich wieder etwas weniger eingebunden bin.
F) Ich hab schon vor Jahren zur Straße hin Dreifachglasfenster eingebaut. So schlimm finde ich die Situation seither gar nicht mehr.

Ein Freund rät dir, bei der Kommunalwahl auf der Liste der lokalen Umwelt­initiative zu kandidieren. Was antwortest du?

A) Auf welchem Platz auf der Liste würde ich denn landen?
B) Parteiarbeit ist nichts für mich. Da wird mir zu viel diskutiert. Aber wenn ich euch bei konkreten Aktionen unterstützen kann, gerne.
C) Schick mir doch bitte mal euer Wahlprogramm, damit ich mir ein Gesamtbild von eurer Arbeit machen kann.
D) Umweltschutz braucht nicht noch mehr politische Lobby, sondern intelligente technische Lösungen!
E) Tolle Idee! Ich wollte schon lange mal wieder politisch aktiv werden. Aber wäre Martin von nebenan nicht viel besser für so ein Amt geeignet?
F) Ich weiß noch nicht mal, ob ich wählen gehe. Politik ist gerade echt kein schönes Thema.

Du wirst zu einer Party mit dem Motto „Die 68er – 50 Jahre danach“ eingeladen. Als was verkleidest du dich?

A) als Andreas Baader
B) als Flower-Power-Blumenkind
C) als Feminist/Feministin mit lila Latzhose und „Mein Bauch gehört mir/meiner Freundin!“-Sticker
D) Bevor ich mich zum Deppen mache, bleibe ich lieber zu Hause.
E) Ich gehe auf Mottopartys immer als Pressefotograf.
F) ABBA geht immer.

Du bist bei der Beerdigung eines politischen Weggefährten, als eine Windböe die Sutane des Pfarrers erwischt und ihn ins offene Grab reißt. Was machst du?

A) Ich fand seine Ansprache sowieso langweilig und viel zu unpolitisch. Ich übernehme und nutze die Chance, ein paar wichtige Themen anzusprechen.
B) Ich lege mich auf den Boden und strecke, dem Pfarrer meine Hand hin, damit er sich hochziehen kann.
C) Wie unglücklich. Der arme Mann! Ich nehme mir vor, der Gemeinde eine Spende zu schicken, damit sie in Zukunft für mehr Sicherheit sorgen kann.
D) Ich konstruiere einen Seilzug und hebe den Pfarrer aus der Grube, damit der Schwätzer, der die Rede übernommen hat, endlich die Klappe hält.
E) Kommt da jetzt mal jemand und hilft dem Pfarrer aus der Grube? Das kann doch nicht so schwer sein! So tief ist das nun auch wieder nicht.
F) Ich pruste laut los, täusche eine Hustenattacke vor und rette mich hinter die Kapelle.

Der Fahrradhersteller, für den du arbeitest, wird von einer Unternehmensberatung durchleuchtet. Das Ergebnis: Von den aktuell 50 Angestellten sollen 15 entlassen werden – es ist aber unklar, nach welchen Kriterien. Wie verhältst du dich?

A) Ich informiere mich über die gesetzlichen Rahmenbedingungen und gründe einen Betriebsrat.
B) Ich telefoniere mit ehemaligen Kunden, zu denen es länger keinen Kontakt gab, und versuche, neue Aufträge an Land zu ziehen.
C) Ich mache für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Effizienz-Analyse. Wenn der Prozess fair und transparent ist, ist er besser zu vermitteln.
D) Ich mache eine Marktanalyse und überlege mir, wie man unsere Hauptprodukte weiterentwickeln müsste, um die Konkurrenz auszustechen.
E) Ich denke darüber nach, mich im Betriebsrat zu engagieren. Aber Unklarheit und Druck schlagen mir auf den Magen. Ich lasse mich krankschreiben.
F) Diese trübe Stimmung ist ja unerträglich! Ich bringe öfter mal Kuchen mit, um die Laune ein bisschen zu heben.

Du bist auf Segeltour mit Freunden. Das Boot hat ein Leck, und das Wasser im Innenraum steigt sichtbar. Das rettende Ufer ist noch nicht in Sicht. Was machst du?

A) Ich setze meine Kapitänsmütze auf und stelle schon mal klar, dass im Notfall alle auf mein Kommando hören – damit kein Chaos ausbricht.
B) Ich checke die nächste sichere Anlegemöglichkeit, berechne den Kurs und sorge dafür, dass wir endlich Fahrt aufnehmen.
C) Ich nutze die letzten Kapazitäten auf meinem Handy, um die Notfallregeln der Deutschen Gesellschaft für Seenotrettung herunterzuladen.
D) Was für eine Aufregung! Da begebe ich mich lieber unter Deck und schaue, ob ich das Leck nicht irgendwie dicht kriege. Wäre doch gelacht, wenn da nichts zu machen ist.
E) An Führungsqualitäten fehlt es mir nicht. Aber ich bin nicht der beste Schwimmer. Daher hoffe ich, dass es nicht zum Äußersten kommt.
F) Ich sorge dafür, dass meine Boardshorts gut zur Geltung kommt. Wenn wir vom Baywatch-Team gerettet werden, will ich wenigstens eine gute Figur machen.

Auflösung

Welcher Buchstabe überwiegt bei deinen Antworten? Lies hier, welcher Typ von Politaktivist du bist und wie du aktiv werden kannst.

A. Der Anführer/die Anführerin

Du warst schon bei den Jusos oder im AStA aktiv, hast zu allem eine Meinung und Spaß an der politischen Diskussion. Es stört dich aber auch nicht, dir die Hände schmutzig zu machen oder dich mit dem Rechtsstaat anzulegen, wenn es der guten Sache dient. Dank deiner Überzeugungskraft kannst du Menschen für deine Projekte begeistern und als Unterstützer gewinnen. Es wäre schade, dieses Potenzial nicht zu nutzen!

Dein Motto: Das mach ich am besten selbst!

Der fairkehr-Aktionstipp: Wenn du nicht eh schon auf dem Weg durch die Institutionen unterwegs bist, ist es jetzt höchste Zeit: Lass dich aufstellen für den Stadtrat, gründe eine Bürgerinitiative – oder noch besser, eine VCD-Ortsgruppe. Es gibt viel zu wenige Menschen mit deinem Charisma und deinem Tatendrang, die auch noch Spaß am politischen Diskurs haben!

B. Der/die Tatendurstige

Während andere Menschen noch übers richtige Vorgehen diskutieren, hast du schon die Straße begrünt oder den autofreien Tag in der Nachbarschaft organisiert. Dabei geht es dir weniger darum, die Welt zu retten – du willst etwas Sichtbares tun und schaffen. Theorien interessieren dich nicht. Du möchtest handeln, etwas Sinnvolles tun, am liebsten mit netten Menschen zusammen, die auch Lust auf Veränderung haben.

Dein Motto: Machen statt reden!

Der fairkehr-Aktionstipp: Die VCD-Kampagne „Straße zurückerobern“ bietet einen guten Rahmen, um schnell aktiv zu werden und die eigene Umgebung Schritt für Schritt zu verändern – am besten mit Freunden oder Nachbarn gemeinsam.

C. Die graue Eminenz

Der „Atomkraft-nein danke“-Aufkleber auf deinem alten VW-Bus ist schon etwas verblichen. Aber du bist nach wie vor auf dem Laufenden, was politische Themen angeht, und kannst dich kompetent in jede Debatte einmischen. Politische Aktion hältst du für wichtig, aber für den Straßenkampf fühlst du dich etwas zu alt. Bei der Demo vorneweg zu gehen und Parolen zu brüllen ist nicht dein Ding. Dafür verfolgst du deine beruflichen und privaten Ziele mit Geduld und langem Atem – von der Idee bis zur Umsetzung. Im Rahmen deiner Möglichkeiten unterstützt du gerne Verbände, Aktionen und Kampagnen, die dich überzeugen und deine Ziele verfolgen.

Dein Motto: Erst denken, dann handeln.

Der fairkehr-Aktionstipp: Wenn du noch nicht Mitglied im VCD bist, ist es höchste Zeit! Der VCD hat durch seinen gut 30 Jahre langen, kontinuierlichen Einsatz dafür gesorgt, die zentralen Mobilitätsthemen in die politische Diskussion zu bringen und dort zu halten. Nicht großmäulig und aktionistisch, sondern kompetent, geduldig und erfolgreich – so wie du.

D. Der/die Innovative

Wenn 100 000 Aktivisten für eine bessere Welt durch deine Straße ziehen, machst du das Fenster zu, weil dich der Lärm beim Denken stört. Für solche Aktionen hast du keine Geduld. Deine Überzeugung: Wer die Welt verändern möchte, muss die richtige Idee entwickeln. Oft bringen technische Lösungen mehr als eine politische Meinungsbekundung. Solarauto oder Fahrrad mit E-Antrieb, der lärmarme Autoreifen, die Mobilitäts-App – mit solchen Innovationen bringen Erfinderinnen und Erfinder die nachhaltige Mobilität voran. Denn Technik weiterzuentwickeln geht viel schneller und einfacher, als die Menschen zum Umdenken zu bewegen und gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Dein Motto: Es gibt kein Problem, für das ich keine Lösung finde.

Der fairkehr-Aktionstipp: Ideen entwickeln und streuen! Auch wenn sie noch unausgereift oder technisch noch nicht umsetzbar sind und mehr technischen Verstand in die politische Debatte bringen – das ist genau dein Ding. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass es in der Deutschen Bahn doch mal WLAN gibt oder dass man mit einer App alle Verkehrsmittel vergleichen kann?

E. Der Passivist/die Passivistin

Schon blöd, dass die Autofirmen ihre Kunden verarschen, die Städte ihre Schadstoffwerte nicht in den Griff kriegen und der Verkehrsminister die Verkehrswende für überflüssig hält. Aber Idioten gab es schon immer und überall, und wenn man zu viel darüber nachdenkt, kriegt man Depressionen. Daher lieber auf die schönen Dinge des Lebens schauen und den nächsten Mallorca-Urlaub buchen. Vor der eigenen Tür was ändern, vor allem wenn man sich in Deutschland für weniger Autoverkehr einsetzt? Da bekommt man nur Ärger mit den Nachbarn. Lieber den Ball flach halten und den Rasen schön mähen.

Dein Motto: Always look on the bright side of life.

Der fairkehr-Aktionstipp: Die fairkehr ist ein rundum positives Magazin – informativ, unterhaltsam und lösungsorientiert. Blättere sie regelmäßig durch und lies nicht nur die Kinderseite. Wenn dir gefällt, was du siehst, kannst du den VCD mit einer Spende unterstützen. Das hilft den VCD-Aktiven, für mehr Lebensqualität in Städten und Gemeinden zu sorgen, und geht auch per Online-Überweisung vom Sofa aus. Und die Nachbarn mit dem tiefergelegten Kleinwagen bekommen gar nicht mit, dass du dich für weniger Autoverkehr einsetzt.

F. Der Aktivist/die Aktivistin im Geiste

Du leidest unter dem Unrecht in der Welt und würdest gern irgendwo anfangen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Aber wo? Politische Aktionen findest du super, hast aber noch nicht die passende Gelegenheit, das richtige Thema oder die sympathischen Menschen gefunden, die dich so richtig vom Hocker gerissen haben. Und natürlich fehlt es immer auch an der Zeit: die Kinder, die Arbeit, die vielen Pflichten ... Wenn du dich engagierst, möchtest du sichergehen, dass du deine Zeit oder dein Geld nicht verschwendest.

Dein Motto: Es gibt viel zu tun, lass es uns aussitzen!

Der fairkehr-Aktionstipp: Nicht für jede Aktion muss man sich festlegen oder einen lebenslangen Vertrag unterschreiben. Man kann auch in kleinen Schritten zum Aktivisten werden: einmal im Monat mitfahren bei der Critical Mass und zeigen, dass man als Radfahrerin oder Radfahrer ernst genommen werden möchte. An einer der vielen bunten VCD-Aktionen teilnehmen. Leserbriefe schreiben an die Stadtzeitung. Sich an der Online-Umfrage der Kommune zum Radverkehr beteiligen. 

Regine Gwinner

fairkehr 3/2018