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Editorial 2/2018

Ein bisschen Verantwortung

Foto: Marcus GlogerMichael Adler, Chefredakteur

Verantwortung ist laut Duden „die Pflicht, dafür zu sorgen, dass (in bestimmten Situationen) das Notwendige und Richtige getan wird und kein Schaden entsteht. Und die Verpflichtung, für seine Handlungen einzustehen und ihre Folgen zu tragen“.

Wie steht es um die Verantwortung beim skandalumwitterten Autobauer VW? Der neue VW-Chef Herbert Diess äußerte sich zum Zusammenhang zwischen manipulierten Abgaswerten und den nicht sinken wollenden Schadstoffwerten in der Luft deutscher Städte relativierend: „Ich fühl mich auch da ein bisschen mitverantwortlich. Weil man diese Entwicklung, die in den letzten Monaten eskaliert ist, vielleicht schon ein bisschen vorab hätte sehen können.“

Es ist ein Problem der Autobranche, dass sie Führungskräfte immer wieder selbst generiert, quasi durch Zellteilung. Diess gilt schon als Lösung von außerhalb, weil er vor knapp drei Jahren von BMW kam. Ansonsten liest sich die Vita wie bei allen Automanagern: männlich, Ende 50, Ingenieurstudium für Maschinenbau und Fahrzeugtechnik, leidenschaftlicher Motorradfahrer, nie außerhalb der Automobilbranche beschäftigt, also Benzin im Blut. Dazu gibt man sich gerne noch das Image des harten Hundes, das man offenbar braucht, um sich in dieser Männerwelt durchzubeißen.

Bei so viel Inzucht fällt Erneuerung schwer. Ich halte es für denkbar, dass in diesem geschlossenen Mikrokosmos die Notwendigkeit von Selbstkritik gar nicht gesehen wird. Bei mehr als zehn Milliarden Euro Gewinn im vergangenen Jahr kann in der VW-Käseglocke schon der Eindruck entstehen, man habe das Notwendige und Richtige getan. Wir sind doch erfolgreich! Was kommt ihr uns mit Verantwortung und Moral?

Genau hier brauchen wir die Politik als Korrektiv. Aber sie versagt weiterhin kläglich. Unsere Regierung hat den Amtseid nicht auf den Shareholdervalue der deutschen Autoindustrie geleistet. Unsere Minister haben geschworen, dass sie Schaden von uns Bürgerinnen und Bürgern abwenden. Genau das verweigern sie aber ignorant. Bundeskanzlerin Merkel sagte nach dem Koal­itionsgipfel in Meseberg zu den Maßnahmen der Bundesregierung gegen die hohen Schadstoffbelastungen in fast allen deutschen Städten: „Wir werden nach wie vor, und da gibt es Einigkeit zwischen Umwelt- und Verkehrsministerium, nicht auf Fahrverbote und Blaue Plakette setzen, sondern auf individuelle Maßnahmen, die einfach auch die Bürgerinnen und Bürger von Auswirkungen verschonen lässt.“ Das Ende des Satzes ist grammatikalischer Humbug, was vielleicht daran lag, dass die Kanzlerin ihn eher daherstammelte. Klimaschutz abgesagt, Autoindustrie heilig gesprochen, Gesundheit des deutschen Volkes egal. Das ist verantwortungslos.

Wenn die Bundesregierung sich vor ihrer Verantwortung drückt, dann müssen weiter Gerichte, Verbände wie die DUH und der VCD und die Öffentlichkeit der Politik mit Nachdruck erklären, was Recht ist.

Der chinesische Philosoph Laotse war vor über 2000 Jahren schon weiter: „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“

Übernehmen Sie Verantwortung, fahren Sie weniger Auto.

Michael Adler

fairkehr 2/2018

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