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Magazin 1/2019

E-Bikes

E-Räder sind die besseren Autos

Pedelecs können die Mobilität in der Stadt verändern.

Immer mehr junge Eltern verzichten in der Stadt aufs Auto. Die Alternative: ein Lastenrad mit E-Antrieb.

E-Rad-Fahrerinnen und -Fahrer werden immer jünger. Vor allem in Großstädten wächst eine Generation heran, für die das Fahrrad mit Antriebs­unterstützung eine Alternative zum Auto darstellt. Als „Young Urban Bikers“ haben die Autoren einer Fahrradstudie der Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) diese Gruppe identifiziert. Laut Studie machen sie derzeit 17 Prozent der Bevölkerung Deutschlands aus und sind zwischen 20 und 49 Jahre alt.

Lange galten Pedelecs als Seniorenfahrzeuge. Laut GIM-Studie haben die „Young Urban Bikers“ allerdings bereits heute unter Besitzern von E-Rädern und E-Lastenrädern den höchsten Anteil. Das bestätigen auch die Fahrradhersteller. „Viele junge Eltern setzen sich heute intensiv mit dem Thema Mobilität auseinander und wollen in der Stadt auf das Auto verzichten“, sagt Jörg Lange, Pressesprecher des Darmstädter Herstellers Riese & Müller. Auch die Liegerad­­­­ma­­nu­faktur HP Velotechnik aus Kriftel bei Frankfurt berichtet, dass sich berufstätige Menschen ihre dreirädrigen E-Räder als Autoersatz zulegen.

Vielen jungen Kunden sind die Stromräder jedoch zu langsam. Die meistverkauften Pedelecs unterstützen nur bis 25 km/h, danach regelt der Motor ab. Die sogenannten S-Pedelecs, die bis 45 km/h unterstützen, finden bisher wenig Absatz. Was mutmaßlich daran liegt, dass der Gesetzgeber sie wie Mopeds behandelt: Man braucht einen Führerschein und eine Versicherung, muss ein Nummernschild anschrauben, einen Helm aufsetzen und darf keinen Anhänger ziehen. Der größte Nachteil aber: S-Pedelecs dürfen nicht in Fahrradstraßen und grundsätzlich nicht auf dem Radweg fahren – und zwar sowohl innerorts als auch außerorts.

E-Bikes sind demokratisch

Nachvollziehen können viele Pedelecfahrer die strengen Regeln nicht. Schließlich darf auch ein Porsche mit 340 PS in der Tempo-30-Zone fahren, wenn er sich an die Regeln hält. Warum sollten S-Pedelecs nach gleicher Logik nicht langsam auf dem Radweg fahren können? Sie haben hierfür einen Tacho, die Fahrer einen Führerschein. „Dass S-Pedelec-Fahrer etwa vierspurige Bundesstraßen benutzen müssen und nicht auf den Radweg daneben dürfen, macht deutlich, dass die aktuelle Gesetzgebung noch fern von fertig ist“, kritisiert Paul Hollants, Mitgründer des Liegeradherstellers HP Velotechnik.

Auch Riese & Müller-Firmenchef Markus Müller hält flexiblere Regeln für notwendig: „Die 45-km/h-Räder bieten eine echte Chance, Pendler vom Auto aufs Zweirad zu bekommen, gerade auf längeren Arbeitswegen“, sagt er. Das Smarte am Pedelec sei doch die Demokratisierung des Radfahrens: Alle Menschen könnten die gleichen Strecken zurücklegen, egal ob sie fit, weniger trainiert oder mit Gepäck unterwegs sind.

Der VCD beleuchtet in einer Arbeitsgruppe die derzeitigen Einschränkungen für S-Pedelecs in Deutschland. Eine Möglichkeit wäre, dass Kommunen geeignete Wege durch ein Verkehrszeichen freigeben. „Wir wollen die Potenziale von Elektrofahrrädern für einen umweltfreundlichen Modal Split nutzen. Denn gerade der Verkehr hat erheblichen Nachholbedarf in puncto Klimaschutz“, sagt Anika Meenken, Referentin für Radverkehr beim VCD.

Die GIM-Studie sieht die „Young Urban Cylists“ als Impulsgeber für einen neuen Stadtverkehr. Dafür braucht es eine Radverkehrsinfrastruktur, die es allen Nutzergruppen – vom Kind bis zum älteren Menschen – mit unterschiedlichen Radmodellen und Geschwindigkeiten ermöglicht, sicher und entspannt unterwegs zu sein. „Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung angekündigt, die Straßenverkehrsordnung auf eine fahrradgerechte Fortschreibung zu überprüfen“, sagt VCD-Referentin Anika Meenken. Der Verkehrsminister sollte sich endlich ans Werk machen.

Uta Linnert

Sicher Pedelec fahren

Der VCD beschäftigt sich im Projekt „Pedelec statt Auto – aber sicher!“ mit dem Thema Verkehrssicherheit. Älteren oder Menschen, die lange nicht mehr Fahrrad gefahren sind und sich unsicher fühlen, empfiehlt der VCD, einen Radfahrkurs zu belegen, bevor sie mit dem E-Bike am Straßenverkehr teilnehmen.

fairkehr 5/2018