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Service 6/2009

Gesund und fit im Winter

Schwung für den Alltag, ein starkes Immunsystem und gute Stimmung: Wer im Winter aufs Rad steigt, kommt trotz Kälte und Gegenwind gesund durch die dunkle Jahreszeit.

Foto: Marcus GlogerAuf kurzen Strecken reichen auch Fellmütze und Strickponcho, auf weiteren Touren sollten Radfahrerinnen auf funktionale, winddichte Kleidung achten.

Natürlich lädt das Schmuddelwetter im November auf den ersten Blick nicht zum Radfahren ein. Und im Dezember, wenn es noch früher dunkel wird, kommt das Rad, dessen Vorderlicht schon im Herbst einen Wackelkontakt hatte, auch nicht auf die Straße. Im Januar, Februar und März ist es zu kalt und danach kann man auch das Aprilwetter noch abwarten, bevor das Rad wieder aus dem Keller kommt.

Ausreden gibt es viele. Wer aber jeden Tag Rad fährt, wird feststellen: Es macht Spaß – und so viel regnet es gar nicht. Voraussetzung fürs Radfahren im Winter ist natürlich schützende Kleidung, die den Körper warm und trocken hält. „Variabel anziehen“, empfiehlt Achim Schmidt, Dozent an der Sporthochschule Köln, allen Alltagsradlern. Das Gleiche gilt auch für Radsportler, die bei kaltem Wetter Touren machen möchten.

Als oberste Schicht braucht man eine Jacke, die Wind und Wasser abhält, die aber Reißverschlüsse zum Lüften hat, wenn der Körper zu schwitzen beginnt. Darunter kommen je nach Temperatur und Kälteempfinden die Lagen, die für Wärme sorgen. Auf der Haut tragen Radler am besten ein Hemd aus Funktionsfasern. Das passt unter Oberhemd oder Bluse im Büro und trocknet schneller, falls man unterwegs geschwitzt hat.

Handschuhe und Mütze

„Wichtig ist vor allem, dass der Körper nie komplett auskühlt oder völlig nass wird“, sagt der Sportwissenschaftler. Auch Füße und Hände sollten warm bleiben, weil andernfalls durch die Blutzirkulation zu viel Kälte in den Körper gelangt. Und weil bis zu 30 Prozent der Wärme über den Kopf verloren geht, braucht der Radfahrer im Winter eine Mütze oder die Radfahrerin, die mit Helm unterwegs ist, eine Sturmhaube unter ihrem Kopfschutz. „Wer nicht gerade Asthma hat, für den sind dann Temperaturen unter null kein Problem“, sagt Schmidt.

Viel trinken – auch bei Kälte

Der Kältereiz beim Rauskommen und Losfahren und dann das Warmwerden beim Treten sind zur Immunstärkung durchaus gewünscht. „Dieser Wechsel von kalt und warm hat eine ähnlich positive Wirkung auf die körpereigenen Abwehrkräfte wie der Saunabesuch. Wichtig ist, dafür zu sorgen, dass man nach der Radtour trocken ist und nicht friert. Am besten hilft ein warmes Getränk, denn nicht jeder wird die Gelegenheit haben, auf der Arbeit heiß zu duschen“, sagt Achim Schmidt.

Kaum zu glauben, aber im Winter verliert der Körper beim Radfahren fast genauso viel Füssigkeit wie bei Hitze im Sommer. „Gerade bei kalten Temperaturen mit trockener Winterluft müssen die Lungen die Luft stark anfeuchten. Das kann zu einem nicht zu unterschätzenden Flüssigkeitsverlust führen“, erklärt Schmidt das Phänomen, dass der Körper auch ohne zu schwitzen und ohne Anzeichen von Durst austrocknet. Auf längeren Touren empfiehlt der Sportwissenschaftler deshalb eine Thermoskanne heißen Tee mitzunehmen oder einen Trinksack mit Tee zu füllen. Wenn dieser unter der Winterjacke Platz findet, behält das Getränk eine angenehme Trinktemperatur.

Treten, nicht rollen

Schnelles Treten bringt den Kreislauf auf Touren und sorgt für schön warme Füße. 70 bis 80 Umdrehungen pro Minute – also öfter als einmal in der Sekunde – verordnet der Sportdozent aus Köln, wenn das Radfahren nicht nur bequemes Rollen sein, sondern auch einen Trainingseffekt haben soll. Das machen die Radprofis schließlich genauso. „Wer 25 Minuten zur Arbeit fährt und das viermal in der Woche schafft, tut seiner Gesundheit nachweislich Gutes“, sagt Schmidt. „Entscheidend ist aber nicht die Zeit, die man auf dem Sattel sitzt, sondern die Zeit, die man tritt. Deshalb: leichten Gang einlegen und viel treten“, rät Schmidt. Wer lieber Trainingstouren macht, dem empfiehlt Schmidt dreimal sechzig Miunten Rad zu fahren. So viel sollte es aber zur Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems und zum Aufbau einer Grundkondition sein.

Fühlen statt messen

Beim Radfahren, wie bei allen sportlichen Betätigungen, gilt die Empfehlung, auf sich zu achten, zu spüren, was gut tut. „Leider haben viele Menschen verlernt, auf ihren Körper zu hören“, sagt Schmidt. Gerade für Sportanfänger sei es aber besser, auf die Signale des Körpers zu achten als auf die Digitalanzeige einer Pulsuhr, sagt der Wissenschaftler. Wer beim schnellen Treten noch kurze Sätze sprechen kann, ist auf der sicheren Seite. Also: Rauf aufs Rad und locker losfahren. Gerade für Untrainierte ist die tägliche Radtour zum Job der ideale Einstieg für mehr Sport in der Freizeit und am Wochenende. 

Uta Linnert

Fünf gute Gründe fürs Winterradeln vom Sportwissenschaftler Achim Schmidt

Foto: Marcus GlogerDr. Achim Schmidt (40) ist Sportwissenschaftler an der Sporthochschule Köln und selbst aktiver Radfahrer.

1. Raus aus dem Wintertief: Bewegung an frischer Luft und im Licht wirkt stimmungsaufhellend.

2. Training für die Abwehr: Die Kalt- und Warmreize stärken das Immunsystem.

3. Ran an die Pfunde: Radfahren bei niedrigen Temperaturen verbrennt mehr Kalorien als im Sommer.

4. Der Sonne entgegen: Der Körper braucht UV-Licht, um die Knochen mit stärkendem Vitamin D zu versorgen. Auch wenn im Winter nur wenig Haut unbedeckt ist: Die Netzhaut der Augen nimmt ausreichend Sonnenlicht auf – und das regt die Vitaminproduktion an.

5. Rosige Aussichten: Die Gesichtshaut wird stärker durchblutet. Radfahrerinnen und Radfahrer sehen frischer und ­gesünder aus als Stubenhocker.

Wintercheck fürs Fahrrad

Wenn’s draußen ungemütlicher wird, müssen Radler sich entscheiden, ob sie ihrem Gefährt eine Auszeit gönnen oder es fit für die winterlichen Straßen machen. Dafür bieten die bundesweit 150 Fahrradläden des VSF von November bis Februar den VSF-Wintercheck an. Er kostet für alle Räder 39,90 Euro, VCD-Mitglieder erhalten nach Vorlage ihres Ausweises einen Rabatt von 5 Euro. Die Fachwerkstätten prüfen das Rad mit allen Teilen auf Funktion und Verschleiß, stellen Schaltung und Bremsen ein, fetten bewegliche Teile, zentrieren die Laufräder und ziehen lockere Schrauben nach. So kommen Radfahrerinnen und Radfahrer sicher durch den Winter oder haben im Frühjahr ihr Rad direkt fahrbereit. Der große Vorteil: Jetzt im Winter haben die Werkstätten mehr Zeit, lange Wartezeiten entfallen.

Infos über einen VSF-Laden in der Nähe: Im Internet unter www.vsf.de oder direkt beim Verbund Selbstverwalteter Fahrradbetriebe e.V., VSF, Telefon: (04941) 9919851

fairkehr 5/2018