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Service 6/2017

Winterkleidung: modisch und ökologisch

Drunter und drüber: Warme Kleidung für den Winter bekommt man auch umweltfreundlich und fair.

Eine junge Frau in einem auberginefarbenen Mantel fährt auf einem Fahrrad durch den Schnee.
Es schneit: Warm einpacken und mit dem Fahrrad fahren!

Im Winter freuen sich Radfahrerinnen und Fußgänger besonders über eine warme Extraschicht: die Windstopper in den Handschuhen, das Fleeceband in der Mütze, die Daunenweste unter der Jacke, warme Schals, dicke Wollsocken und gefütterte Schuhe. Mittlerweile gibt es all das ökologisch und fair produziert.

Das Credo des fairen Konsums lautet: „reduce, reuse, recy­cle“. Auf Mode übertragen heißt das so viel wie: weniger kaufen, oft und lange tragen, ausleihen, tauschen, pflegen und reparieren, in den Kreislauf zurückgeben.

Beginnen wir beim Kaufen: Menschen in Deutschland kaufen durchschnittlich 60 neue Bekleidungsstücke pro Jahr. Nach einer repräsentativen Umfrage von Greenpeace besitzen Frauen durchschnittlich 118 Kleidungsstücke – ohne Unterwäsche und Socken –, Männer 78. Jedes fünfte Kleidungsstück (19 Prozent) wird so gut wie nie getragen. Das summiert sich auf eine Milliarde Kleidungsstücke, die ungenutzt in Schränken liegen.

Wer weniger kauft, kann in Qualität investieren und darauf achten, dass Firmen die Kleidung unter menschenwürdigen Bedingungen und ohne dass Tiere leiden müssen, herstellen. Längst gibt es fair produzierte Pullover und Hosen für jeden Geschmack. Verglichen mit anderen Markenprodukten sind sie nicht teurer.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Image von Ökomode deutlich gewandelt. Engagierte deutsche Modemarken von sportlich bis elegant haben sich etabliert – wie Armed Angels, Bleed oder Lanius. Es ist einfacher geworden, sich fair zu kleiden: Siegel und Zertifikate wie „kbT – kontrolliert biologische Tierhaltung”, „GOTS – Global Organic Textile Standard“ oder „Fairtrade” weisen den Weg (siehe Tipps). Es gibt Onlineshops für grüne Mode, zum Beispiel Hessnatur, Avocadostore und Greenality. Selbst Textilkonzerne wie H&M oder C&A haben zertifizierte Waren im Angebot. Und in jeder größeren Stadt bietet mindestens ein Laden ausschließlich ethisch korrekte Mode für jeden Zweck und Anlass an.

Dennoch ist der Anteil ökofairer Kleidung an der gesamten Textilproduktion nach wie vor gering. 99 Prozent der weltweit verarbeiteten Baumwolle stammt aus konventionellem Anbau. Die Textilindustrie ist für etwa 30 Prozent des globalen Chemikalieneinsatzes verantwortlich. Etwa 40 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der Textilindustrie, die Mehrheit von ihnen verdient weniger als drei Dollar am Tag.

Reparieren, leihen, tauschen

Zwei Hamburgerinnen möchten Schluss machen mit der „Fast Fashion”, der schnelllebigen Mode. Pola Fendel und Thekla Wilkening verfolgen dabei den Ansatz „Leihen statt kaufen“. Vor fünf Jahren gründeten sie die Kleiderei, eine Art Online-Kleiderschrank. Auf der gleichnamigen Internetseite melden sich Kundinnen und Kunden an. Gegen eine monatliche Pauschale leihen sie sich Outfits aus und schicken sie wieder zurück, wenn sie etwas Neues haben möchten. Die Kleiderei gibt es seit einem Jahr auch offline als echten Laden in Köln. Inhaberin Lena Schröder treibt die Idee weiter Richtung Nachhaltigkeit und kooperiert mit Marken, die ökologisch und fair arbeiten. Zudem bietet sie Reparaturen sowie das Umarbeiten und Aufpeppen alter Lieblingsstücke an.

Die deutsche Outdoor-Marke Vaude verfolgt schon lange Nachhaltigkeitsziele, zum Beispiel mit ihrer ökologischen Linie „Green shape”. Die Firma unterstützt zudem den Ansatz „Reparieren statt wegwerfen” und veranstaltet an ihrem Hauptsitz im bayerischen Obereisenbach regelmäßig Repair-Cafés. Dort zeigen Expertinnen und Experten den Besuchern, wie sie Nähte schließen und Risse flicken.

Konkurrent Patagonia hatte eine ähnliche Idee: Ihre „Worn Wear Tour” kommt regemäßig nach Europa und bietet in vielen Städten einen kostenlosen Reparaturservice für Outdoorkleidungsstücke aller Hersteller an. Termine gibt die Firma über ihre Internetseite bekannt.

Zurück in den Kreislauf

Längst hat die Textilbranche erkannt, dass Recycling eine gute Möglichkeit ist, Ressourcen und damit Energie und Geld zu sparen. Das norwegische Label Fjällräven hat Mützen und Pullover aus recycelter Wolle – „Re-Wool” – im Programm. Dabei kommt vor allem Wolle aus Produktionsüberschüssen, aber auch Altware zum Einsatz.

Die niederländische Firma Blue Loop shreddert alte Jeans und lässt daraus in Italien ein neues Garn spinnen. Pro Kilo wiederverwertetem Jeansstoff spart das Unternehmen nach eigenen Angaben 8 000 Liter Wasser. Aus dem Garn stellt Blue Loop Pullover, Jacken, Schals und Mützen her.

Für die Garn-Innovation Econyl werden Nylonabfälle – zum Beispiel aus dem Meer geborgene Fischernetze – wieder in ihre Ausgangsstruktur zurückversetzt und zu neuem Nylon-Garn verarbeitet. Die deutsche Firma Kunert macht so aus alten Fischernetzen edle Nylonstrümpfe.

Valeska Zepp

 

Weiterlesen: Tipps für den Kauf ökofairer Kleidung

fairkehr 6/2017

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